|
Article on other languages:
|
Die Schlacht von Stalingrad war eine der größten Schlachten des Zweiten Weltkrieges und gilt als der psychologische Wendepunkt des Krieges und Endpunkt des Vordringens der deutschen Wehrmacht in der Sowjetunion. Sie fand in der Region des heutigen Wolgograd (damals Stalingrad an der Wolga) statt und begann im August 1942 mit dem Angriff der deutschen 6. Armee auf Stalingrad und endete Anfang 1943 mit der Einkesselung und Kapitulation der deutschen Truppen und deren Verbündeten. Durch die Kampfhandlungen kamen in Stalingrad und Umgebung mindestens 700.000 Menschen, Zivilisten und Soldaten, ums Leben.
Die StadtStalingrad, heute in Wolgograd umbenannt, zog sich 40,2 km in nordsüdlicher Richtung am Westufer der Wolga entlang, war aber an der breitesten Stelle nur 6,4 bis 8 km breit. Die Wolga, die an dieser Stelle 1,6 km breit ist, schützte die Stadt vor einer Einschließung. Stalingrad hatte damals ca. 600.000 Einwohner. Zu Beginn der Kämpfe befanden sich noch ca. 75.000 Zivilisten in der Stadt. Strategische Bedeutung und SymbolikAn der Wolga gelegen, war Stalingrad von großer strategischer Bedeutung, da der Fluss eine wichtige Verbindung vom Kaspischen Meer nach Zentralrussland darstellte. Diese Wasserstraße war ein wichtiger Nachschubweg der Sowjetunion, insbesondere für Rüstungsgüter aus den USA unter dem Leih-und Pachtgesetz. Die Einnahme der Stadt sollte diesen Nachschub unterbinden und ein weiteres Vorstoßen der Wehrmacht in den Kaukasus mit seinen wichtigen Ölvorkommen absichern. Zusätzlich wurde Stalingrad sowohl von Stalin als auch von Hitler aufgrund ihres Namens als Symbol angesehen, wodurch sich zum Teil die enorme Erbitterung erklärt, mit der die Schlacht geführt wurde. Durch die hohen Verluste auf beiden Seiten ist Stalingrad zum Sinnbild für die Schrecken des Krieges geworden. Die Ausgangslage an der OstfrontNach Berechnungen von Stalins Oberkommando STAWKA standen 1942 trotz einer Million gefallener Soldaten der Roten Armee und über drei Millionen in Deutschland kriegsgefangener Soldaten noch 16 Millionen Sowjetbürger im waffenfähigen Alter den deutschen Armeen gegenüber. Die hinter den Ural verlagerte Rüstungsindustrie produzierte bis 1942 4500 Panzer, 3000 Kampfflugzeuge, 14.000 Geschütze und 50.000 Granatwerfer. Auf deutscher Seite waren eine Million Soldaten gefallen, verwundet oder vermisst und von den am Angriff beteiligten Panzern war nur noch jeder zehnte funktionsfähig. Hitler ging jedoch davon aus, dass „der Feind die Massen seiner Reserven im ersten Kriegswinter weitgehend verbraucht“ habe. Aus diesem Grund verlangte Hitler am 12. September 1942 von Friedrich Paulus die Einnahme Stalingrads. „Die Russen“, so Hitler, seien „am Ende ihrer Kraft“. Ein weiterer militärischer Fehler Hitlers bestand darin, gleichzeitig Stalingrad und den Kaukasus anzugreifen, da dies die Offensivkräfte zersplitterte. Auf Hitlers Befehl hin wurde die 4. Panzerarmee – die eigentlich zusammen mit der 6. Armee auf Stalingrad vorstoßen und als Flankendeckung dienen sollte – nach Süden abgedreht, um den auf den Kaukasus vorgehenden deutschen Kräften beim Don-Übergang zu helfen. Wie Ewald von Kleist, Oberbefehlshaber der für den Kaukasus-Feldzug verantwortlichen Heeresgruppe A, selbst äußerte, stand die 4. Panzerarmee jedoch „nur im Wege und verstopfte die Straßen“. SchlachtverlaufDer deutsche AngriffNach dem Angriff des deutschen Reiches auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 und der Gegenoffensive der Roten Armee im Winter des selben Jahres wurde für den Sommer 1942 eine neue Offensive geplant, die zum Ziel hatte, die sowjetischen Ölfelder im Kaukasus einzunehmen (sogenannte Operation Blau). Ein weiteres wichtiges Ziel wurde die Stadt Stalingrad – zum einen wegen ihrer industriellen und geografischen Bedeutung, da hier die Schifffahrt auf der Wolga verhindert werden konnte, zum anderen wegen ihrer symbolischen Bedeutung. Stalin hatte in dieser Stadt 1918 als Bevollmächtigter für Lebensmittelversorgung die Macht der KPdSU gefestigt, u. a. mit Massenerschießungen angeblicher Saboteure. 1925 war die Stadt von Zarizyn in Stalingrad umbenannt worden. Andere Pläne, die auf einen direkten Marsch auf Moskau hinzielten, wurden verworfen, da Hitler die kaukasischen Ölfelder für die weitere Kriegsführung für wichtiger hielt. Geführt wurde der Angriff auf Stalingrad vom deutschen Generaloberst Friedrich Paulus. Er befehligte die ca. 200.000 bis 250.000 Mann starke 6. Armee und Teile der 4. Panzerarmee sowie diverse verbündete rumänische und italienische Divisionen [2]. Auch ein kroatisches Kontingent (das kroatische Infanterieregiment 369) fand sich unter seinem Kommando. Nach anfänglichen Verzögerungen durch die Belagerung Sewastopols und Eingriffen Hitlers in die militärische Planung begann der Angriff am 28. Juni 1942. Eine weitere deutsche Armee der Heeresgruppe Süd griff unterdessen Ziele im Kaukasus an. Ende August erreichte die 6. Armee die Wolga. Am 23. August führte ein massiver deutscher Luftangriff zum Tod tausender Zivilisten in Stalingrad, welche auf Befehl Stalins nicht evakuiert werden sollten. In der Stadt wurde unter hohen Verlusten bald nicht mehr nur um jede Straße, sondern um einzelne Häuserzeilen, Stockwerke und Zimmer gekämpft. Erst im November gelang es den deutschen Einheiten, die fast völlig zerstörte Stadt nahezu vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen, was von Hitler als großer Sieg gefeiert wurde. Die 62. Armee unter Befehl von Generalleutnant Wassili Iwanowitsch Tschuikow hielt nur noch einen schmalen wenige hundert Meter breiten Streifen an der Wolga sowie kleine Teile im Norden der Stadt. Allerdings begann schon wenig später die sowjetische Gegenoffensive unter dem Decknamen „Operation Uranus“, die schließlich zur Rückeroberung Stalingrads und zum Zurückdrängen der Wehrmacht führen sollte. Die deutsche Luftwaffe warf insgesamt ungefähr eine Million Bomben, deren Gesamtgewicht 100.000 Tonnen betrug, auf die Stadt ab.[3] Die sowjetische VerteidigungDen deutschen Truppen stellten sich die 62. Armee unter Generalmajor Kolpaktschi, die 63. Armee unter Generalleutnant Kusnezow und die 64. Armee unter Generaloberst Tschuikow, dem späteren Marschall entgegen. Den Oberbefehl hatte der sowjetische Marschall Timoschenko, der im späteren Verlauf der Schlacht auch noch die herangeführte 21. Armee unter Generalmajor Danilow in Stalingrad einsetzen konnte. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass eine damalige sowjetische Armee aufgrund einer anderen Organisationsstruktur im Vergleich zu einer deutschen personell und materiell eher einem deutschen Korps gleichzusetzen war. Hieraus folgt, dass zu Beginn der Schlacht beide Seiten in etwa gleich stark waren, wenn man davon ausgeht, dass eine deutsche Armee je nach Lage, Ausstattung und Auftrag aus vier bis fünf Armeekorps bestand. Personell konnte die sowjetische Armeeführung, dem Sollbestand entsprechend, auf etwa 1.000.500 Mann zurückgreifen, denen 13.541 Geschütze, 894 Panzer und 1115 Flugzeuge zur Verfügung standen. Lange Zeit hinderte Stalin die Bevölkerung daran, die mit Flüchtlingen überfüllte Stadt zu verlassen, da er der Meinung war, dieses würde die Moral der kämpfenden Soldaten steigern. So mussten sogar Frauen und Kinder Panzergräben ausheben, bei dem Ausbau der Verteidigungsstellungen mithelfen und teilweise sogar kämpfend eingreifen. Im August 1942 hielten sich ca. 600.000 Einwohner in der Stadt auf. In den ersten Tagen der Schlacht kamen über 40.000 Zivilisten bei Luftangriffen ums Leben. Erst Ende August begann man Einwohner in Gebiete jenseits der Wolga anzusiedeln. Doch für eine vollständige Evakuierung der Zivilbevölkerung war es bei einer so großen Bevölkerungszahl zu spät. Um die 75.000 mussten in der zerstörten Stadt bleiben. Weder die eigene Rote Armee noch die Deutschen nahmen auf die Zivilbevölkerung Rücksicht. Viele mussten in Erdlöchern wohnen und viele erfroren im Winter 1942/43, andere verhungerten auch, weil es nichts mehr zu essen gab. Am 25. August, als deutsche Vorauskommandos die Wolga bei Rynok unmittelbar nördlich von Stalingrad erreichten, verhängte die STAWKA auf Weisung Stalins den Belagerungszustand über die Stadt. Ab diesem Tag lag die Verantwortung für die unmittelbare Verteidigung der Stadt bei Generaloberst Jerjomenko, der auf Stalins persönliche Weisung hin die Organisation und Leitung der sowjetischen Stalingrader Front innehatte. Als politischer Kommissar stand ihm Nikita Chruschtschow zur Seite. Der von Stalin am 28. Juli 1942 verhängte Befehl Nr. 227 mit dem Motto "keinen Schritt zurück!" führte zur Bildung von Strafbatallionen und Erschießungskommandos zur Bestrafung von Rotarmisten, denen mangelnde Kampfbereitschaft oder Feigheit vorgeworfen wurde [4]. Nach der Verhängung des Belagerungszustands wurde Generalmajor Kolpaktschi als Oberbefehlshaber der 62. Armee abgelöst und durch Generalleutnant Tschuikow ersetzt. Kolpaktschi hatte bezweifelt, die Stadt gegen die deutschen Truppen entsprechend Stalins Befehl halten zu können. So verwandelten die Sowjets jedes Schützenloch, jedes Haus und jede Kreuzung in eine Festung, und je weiter die Deutschen in die Stadt vordrangen, desto heftiger fiel der sowjetische Widerstand aus. Besonders heftig waren die Kämpfe im Stadtzentrum Stalingrads um die beiden Bahnhöfe, das Getreidesilo, das Pawlowhaus, den Mamajew-Hügel (deutscherseits als Höhe 102 bezeichnet), sowie die großen, im Norden gelegenen Fabrikanlagen Roter Oktober, Rote Barrikade und das Traktorenwerk Felix Dserschinski. Trotz erbittertesten Widerstandes der Roten Armee gelang es den deutschen Verbänden, bis zum Beginn der sowjetischen Gegenoffensive entlang des Don und südlich von Stalingrad ausgehend zirka 90 Prozent des Stadtgebietes zu erobern, nicht jedoch die gesamte Stadt, wie es Hitlers Befehl vorsah. Operation UranusHauptartikel: Operation Uranus Die deutschen Streitkräfte wurden jedoch am 19. November 1942 durch die Operation Uranus von sowjetischen Streitkräften der Don-Front unter Rokossowski und Watutin, die durch die 3. rumänische Armee durchgebrochen waren, innerhalb von fünf Tagen durch eine Zangenbewegung eingeschlossen. Die 3. rumänische Armee konnte sich nicht lange halten, da sie erstens eine überdehnte Flanke sichern sollte und zweitens ungenügend ausgerüstet war (3,7 cm PaK zum größten Teil von Pferdegespannen gezogen), um die sowjetischen Panzer zu stoppen. Der Vorstoß der Sowjets ging rasch voran, da zum Zeitpunkt des Unternehmens Uranus einerseits schlechtes Wetter herrschte und die deutsche Luftwaffe nicht eingreifen konnte sowie andererseits die Flanken der Achsenmächte nur durch ungenügend ausgestattete Truppen gesichert waren. Hinter der 3. rumänischen Armee befand sich ein deutsches Panzerkorps. Es wurde auf Befehl Hitlers den Sowjets entgegengeworfen, und ohne die Lage richtig einschätzen zu können nahm man an, dass dieses Panzerkorps die Situation stabilisieren könne. Dieses XLVIII. Panzerkorps bestand nur aus zwei schwachen deutschen, primär ausgerüstet mit tschechischen Panzerkampfwagen 38(t), und einer rumänischen Panzerdivision. Zudem lag das Panzerkorps in Ställen und Scheunen in Bereitstellung: Im Stroh massenhaft vorhandene Mäuse hatten sich durch die Verkleidungen und elektrische Kabel der Panzer gefressen, worauf lediglich ca. 30 Panzer einsatzbereit waren, die den Angriff der Roten Armee nicht stoppen konnten. Der Kommandeur jenes Panzerkorps, Ferdinand Heim, wurde im Nachhinein als Sündenbock dargestellt, aus der Wehrmacht ausgestoßen und erst 1944 wieder mit einem Kommando in Boulogne betraut. Die Sowjets griffen ihrerseits durch die Südfront unter General Jeremenko noch die 4. rumänische Armee und die 4. deutsche Panzerarmee an, bevor sich die beiden Speerspitzen der Zangenbewegung bei Kalatsch am Don trafen und den Ring um Stalingrad endgültig schlossen. Operation KolzoNach dem Abschluss der Operation Uranus folgte die Operation Kolzo (russ.: Ring). Sie hatte zum Ziel, den Kessel von Stalingrad zu „zerschmettern“ und die Invasoren zu vernichten. Der Ring wurde zum einen durch die Rote Armee enger gezogen, zum anderen rückte die unmittelbare Front weiter nach Westen, was die 6. Armee von den eigenen Truppen weiter abschnitt. Nach der Eroberung der beiden Flugplätze Pitomnik und Gumrak sowie des erfolglosen Entsatzversuchs von Mansteins wurde die Lage der eingeschlossenen deutschen Truppen und ihrer Verbündeten immer aussichtsloser. Ihr Ende fand die Operation Kolzo mit der Kapitulation des Südkessels am 31. Januar 1943 bzw. des Nordkessels am 2. Februar 1943. Der KesselSeit dem 22. November war die 6. Armee völlig von sowjetischen Truppen eingekesselt. Paulus und sein Stab planten, zunächst die Fronten zu stabilisieren und dann nach Süden auszubrechen. Schon zu diesem Zeitpunkt mangelte es aber an der notwendigen Ausrüstung für ein solches Unternehmen. Am 24. November entschloss sich Hitler endgültig, den Kessel aus der Luft zu versorgen, nachdem Hermann Göring ihm versichert hatte, die Luftwaffe sei in der Lage, den benötigten Mindestbedarf von 550 Tonnen täglich einzufliegen [2]. Angeblich wurden sowohl Göring als auch Hitler von den Generalstäben des Heeres und der Luftwaffe darüber informiert, dass dies nicht möglich sei [5]. Der höchste Versorgungsumfang wurde am 19. Dezember 1942 mit 290 Tonnen erreicht, an manchen Tagen konnten jedoch wegen des schlechten Wetters keine Versorgungsflüge durchgeführt werden. Vom 25. November 1942 bis zum 2. Februar 1943 konnten im Durchschnitt anstelle der versprochenen 500 Tonnen täglich nur 94 Tonnen eingeflogen werden [6]. Am 24. November wurden die Rationen der Soldaten halbiert und die Brotzuteilung auf täglich 300 g festgelegt und in der Folgezeit auf 100 g, gegen Ende auf lediglich 60 g pro Mann reduziert. Die Versorgung aus der Luft, für die in erster Linie das VIII. Fliegerkorps der Luftflotte 4 zuständig war, brach weiter zusammen, als die Flugplätze Tazinskaja und Morosowskaja außerhalb des Kessels, und der Flughafen Pitomnik innerhalb des Kessels von der Roten Armee erobert wurden und eine Versorgung nur mehr über den notdürftig hergerichteten Feldflugplatz Gumrak durchgeführt werden konnte. Die meisten der eingekesselten Soldaten starben deshalb auch nicht infolge von Kampfhandlungen, sondern an Unterernährung und Unterkühlung. Ein weiteres für die Soldaten und Offiziere im Kessel wesentliches Problem war, dass über diese Versorgungsflugplätze auch der Abtransport der Verwundeten erfolgen musste. Insbesondere nachdem nur noch der Flugplatz Gumrak zur Verfügung stand, mussten die Flugzeugbesatzungen oft genug unter Waffengewalt die Verzweifelten davon abhalten, sich an die Flugzeuge zu hängen, was ihnen nicht immer gelang. So kam es vor, dass sich Männer beispielsweise an den Fahrgestellen der startenden Maschinen festhielten, bis die Kräfte sie verließen und sie abstürzten. Der Entlastungsversuch – Unternehmen WintergewitterUnter Leitung von Generalfeldmarschall Erich von Manstein wurde vom 12. Dezember bis 23. Dezember 1942 durch den Großteil der Panzergruppe Generaloberst Hoth ein Entlastungsangriff zur Befreiung der 6. Armee (Unternehmen Wintergewitter) geführt, federführend war hier das LVII. Panzerkorps mit der Speerspitze der 6. Panzerdivision unter General der Panzertruppe Rauss. Die 6. Armee hätte unter dem Stichwort Donnerschlag den Angriff vom Kesselinneren in Richtung der Panzergruppe Hoth beginnen sollen, um den Ausbruch gelingen zu lassen. Ausgehend von Kotelnikowo südlich von Stalingrad scheiterte dieser Entlastungsangriff 48 km vor Erreichen des Kessels an der starken sowjetischen Gegenwehr durch die 2. Sowjetische Gardearmee und das VII. Sowjetische Panzerkorps. Dennoch hörten die eingeschlossenen Soldaten den Geschützdonner und waren voller Hoffnung auf die baldige Befreiung. Die Parole dieser Tage lautete: „Haltet aus, Manstein haut uns raus“. Ob dieser Befreiungs- und Ausbruchsversuch aus dem Kessel der 6. Armee allerdings gelungen wäre, ist unsicher, zumal die 6. Armee insgesamt nur noch über rund 50 einsatzbereite Panzer verfügte. Psychologische KriegsführungDie deutschen Soldaten, in einem Zustand des „Kesselfiebers“, träumten von ihrer Befreiung aus dem Kessel der Roten Armee. Sie waren von der eisigen Steppe umgeben und litten unter Entkräftung, Hunger und Epidemien. Die sowjetische Armee machte sich zu diesem Zeitpunkt die Arbeit deutscher Kommunisten (darunter Walter Ulbricht, Erich Weinert und Willi Bredel) zunutze und beabsichtigte, die Schlagerbegeisterung auszunutzen. Die Hauptaufgabe der damaligen sowjetischen Propaganda-Abteilung rund um den deutschen Kommunisten Ulbricht war es, 20- bis 30-minütige Programme mit Musik, Gedichten und Propaganda zusammenzustellen. Diese Programme wurden auf mobilen Grammophonen abgespielt und über riesige Lautsprecher (auf Transportern oder teilweise auf Schlitten mit langen Kabeln montiert) verbreitet. Ulbricht und Co. lehrten die sogenannten „Ausrufer“ der sowjetischen Armee, so nah wie möglich an die deutschen Linien zu kriechen und dort die antifaschistischen Parolen sowie Nachrichten über Megaphone auszurufen. Über diese Lautsprecher wurden unter anderem der beliebte alte Schlager mit dem Refrain „In der Heimat, in der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehn!“. Ein Großteil der sowjetischen Einsatzkräfte wurde bei diesen Unternehmen getötet. Andere Mittel der Propaganda, darunter der Spruch „Alle sieben Sekunden stirbt in Russland ein deutscher Soldat. Stalingrad – Massengrab“[7][8], der dem monotonen Ticken einer Uhr folgte, und die sogenannte „tödliche Tango-Musik“ (Death Tango) sorgten für eine zusätzliche Demoralisierung der Soldaten im Kessel. Ein gelegentlich genutztes akustisches Element stellte der „Schrei“ einer echten Katjuscha aus einer „Stalin-Orgel“ dar, dem sowjetischen Mehrfachraketenwerfer. Die meisten Propaganda-Rundsendungen dieser Art führten auf Befehl der deutschen Generäle zu erhöhtem Beschuss der Stellungen der Roten Armee, der jedoch aufgrund abnehmender deutscher Munitions- und Lebensmittellieferungen schwächer wurde. Ein „Weghören“ war so fast unmöglich. Nach Angaben des später dem NKFD angehörenden und antikommunistischer Neigungen unverdächtigen Heinrich Graf von Einsiedel sind mehr Rotarmisten in den Kessel übergelaufen als deutsche oder verbündete Soldaten heraus (Tagebuch der Versuchung, 1950). GefangennahmeTrotz der aussichtslosen Lage lehnte Friedrich Paulus am 10. Januar 1943 die Aufforderung der sowjetischen Seite zur Kapitulation ab. Nach weiteren Angriffen der Roten Armee auf die noch verbliebenen deutschen Stellungen stellte der Kommandeur der 71. Infanterie-Division, Generalmajor Roske, am 31. Januar die Kämpfe im Südkessel ein, hier befand sich auch der Gefechtsstand von Generalfeldmarschall Paulus. Am Morgen des 31. Januar ist durch Funkspruch aus dem Führerhauptquartier die Beförderung von Generaloberst Paulus von Hitler zum Generalfeldmarschall bekannt gegeben worden; unmittelbar darauf kam Generalmajor Laskin, Chef des Generalstabes der 64. Sowjet-Armee, in den Gefechtsstand des Oberbefehlshabers der 6. Armee. Hier erfolgten sodann die Übergabeverhandlungen des Südkessels. Da sich bis dahin noch kein Generalfeldmarschall der Wehrmacht in Gefangenschaft begeben hatte, wollte Hitler mit dieser Beförderung zusätzlich Druck auf Paulus ausüben, unter allen Umständen die Stellung zu halten – oder aber er forderte Paulus damit indirekt zum Suizid auf. Der Diktator tobte, als er von der Gefangennahme hörte, die er selbst ausdrücklich verboten hatte. Paulus aber hatte all seinen Offizieren Suizid ausdrücklich verboten mit der Begründung, sie hätten das Schicksal ihrer Soldaten zu teilen. Am 2. Februar 1943 erlosch dann der Widerstand des XI. deutschen Armeekorps im Nordkessel und General der Infanterie Strecker als Kommandierender General stellte die Kampfhandlungen ein. Eine offizielle Kapitulation hat es aber nie gegeben. Friedrich Paulus ging mit seinem Stab und weiteren 30 Generälen in die Gefangenschaft. Von den anfänglich ca. 220.000 Soldaten gingen 108.000 in sowjetische Kriegsgefangenschaft und nur 6.000 kehrten wieder in ihre Heimat zurück, die restlichen fielen (ca. 40.000 wurden ausgeflogen) oder starben in der Gefangenschaft. Von den deutschen Soldaten, die den Kessel nicht mehr verließen, starb jedoch der Großteil nicht bei Kampfhandlungen, sondern erfror, verhungerte oder kam durch Krankheiten ums Leben. Am Ende der Schlacht um Stalingrad lagen in den Trümmern der völlig zerstörten Stadt etwa 169.000 gefallene deutsche Soldaten und die Kadaver von ca. 52.000 Wehrmachtspferden. Die Verluste auf sowjetischer Seite in Stalingrad werden auf etwa 1 Million Zivilisten und Soldaten geschätzt. Paulus selbst, von den Sowjets gegen seine ehemaligen Vorgesetzten in der Wehrmacht während der Nürnberger Prozesse als Zeuge aufgerufen, kehrte erst nach dem Tod Stalins 1953 in die DDR zurück. An der Schlacht beteiligte EinheitenTruppen der Achsenmächte
Sowjetische Truppen
FolgenDer von den Nationalsozialisten propagierte „Opfergang der 6. Armee“ half wahrscheinlich, den deutschen Südabschnitt der Ostfront zu stabilisieren. Hätte die 6. Armee früher kapituliert, wären auch die operierenden Einheiten im Kaukasus abgeschnitten gewesen. Der Kessel in Stalingrad band zu Hochzeiten etwa 1,5 Millionen Soldaten der Roten Armee, ebenso hatte die Rote Armee beträchtliche Verluste (insgesamt ca. 1 Million Mann) bei der Schlacht in Stalingrad – die allerdings bei weitem nicht so gravierend waren wie der Totalverlust der 6. Armee für die Wehrmacht. Bei der Wehrmacht kam noch dazu, dass sie für die Versorgung des Kessels eine hohe Anzahl an Flugzeugen eingebüßt hat, die nicht wieder ersetzt werden konnten. Darüber hinaus ging ein Großteil der Heeresartillerie verloren. Die Niederlage in Stalingrad wird quasi als der militärische Wendepunkt des Krieges betrachtet, andere Seiten sehen die endgültige Wende erst nach der Schlacht am Kursker Bogen gegeben. Der Bundeswehroberst und Militärhistoriker Karl-Heinz Frieser sieht den Krieg für Deutschland allerdings schon verloren, als der deutsche Angriff in der Winterschlacht vor Moskau erfror. Laut Erich von Manstein hätte das Deutsche Reich jedoch auch ein Remis herausschlagen können [2]. Ungeachtet dieses Streits der Historiker war die Stalingrader Schlacht ein psychologischer Wendepunkt. Zum ersten Mal wurde hier der deutschen Öffentlichkeit die Möglichkeit einer Niederlage auch des gesamten Krieges vor Augen geführt. An vielen Häuserwänden war daher die Zahl 1918 zur Erinnerung an die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg zu lesen. Innenpolitisch wurde Stalingrad für viele Offiziere ein Anlass, sich der militärischen Opposition gegen Hitler anzuschließen. Politische Gegner konnten wieder hoffen, dass die nationalsozialistische Diktatur doch eines Tages untergehen würde. Die sowjetische Geschichtsschreibung hat immer die moralische Überlegenheit gegen einen Angriff im sogenannten Großen Vaterländischen Krieg hervorgehoben. Heutige Historiker aller Seiten bemühen sich, bei der Beantwortung der Frage, welcher Preis für die einzelnen Militäroperationen gezahlt wurde, nicht den Unterschied zwischen Raub- und Verteidigungskrieg zu verwischen. Außenpolitisch begannen neutrale und mit Deutschland verbündete Staaten, sich auf eine deutsche Niederlage einzustellen. Großbritannien und die USA rechneten seither damit, dass auch die Sowjetunion zu den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges gehören werde. Tabellen und StatistikenVerluste der deutschen Luftwaffe für die Versorgung der 6. Armee in Stalingrad und das Ausfliegen von Verwundeten vom 24. November 1942 bis 31. Januar 1943 (nach [9]):
Die Verluste betrugen etwa 50 % der eingesetzten Einheiten. Zudem wurde zugunsten der Luftversorgung das Ausbildungsprogramm der Luftwaffe angehalten und die Feindflüge an anderen Kriegsschauplätzen wurden erheblich reduziert, um Treibstoff für den Einsatz bei Stalingrad zu sparen. Chronik der KämpfeAbkürzungen: ID: Infanteriedivision (Wehrmacht), PD: Panzerdivision (Wehrmacht), SD: Schützendivision (Rote Armee), GSD: Gardeschützendivision (Rote Armee), GSR: Gardeschützenregiment, respektive (Rote Armee)
Gedenken an die Schlacht
„Mutter Heimat“ auf dem Mamajew-Hügel in Wolgograd
Madonna von StalingradEin Bild bleibt für viele Menschen mit der Schlacht von Stalingrad verbunden: Das der Madonna von Stalingrad. Das Weihnachten 1942 von dem evangelischen Pastor, Arzt und Künstler Dr. Kurt Reuber in einem Unterstand in Stalingrad mit Kohle auf der Rückseite einer sowjetischen Landkarte gemalte Bild trägt die Umschrift „1942 Weihnachten im Kessel – Festung Stalingrad – Licht, Leben, Liebe“. Während Reuber die Gefangenschaft selbst nicht überlebte, gelangte das Bild mit einem der letzten Flugzeuge in die Hände der Familie, die es 1983 auf Anregung von Bundespräsident Karl Carstens der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin übergab. In der Kirche (an der Wand hinter den rechten Stuhlreihen) hängt damit eines der beeindruckendsten Marienbilder zur Anregung für Gedenken und Gebet und zur Erinnerung an die Gefallenen und Mahnung zum Frieden. Das Bild findet sich heute auch im Wappen des 21. Lazarettregiments des Sanitätsdienstes der Bundeswehr wieder. Mutter HeimatAuf sowjetischer Seite erinnert eine Gedenkstätte auf dem Mamajew-Hügel im heutigen Wolgograd an die verlustreichen Kämpfe. Museum der Schlacht von StalingradDas Museum wurde bei der Ruine der alten Stadtmühle am westlichen Wolgaufer als Rundbau errichtet. Sammelfriedhof RossoschkaIn der Nähe des ehemaligen Flugplatzes Gumrak und neben dem alten völlig zerstörten Dorf Rossoschka wurde neben dem alten Wehrmachtsfriedhof (für rund 600 Gefallene) im Jahr 1997 ein halbkreisförmiger Friedhof für sowjetische Gefallene und im Jahr 1999 ein kreisförmiger Friedhof für rund 50.000 deutsche Gefallene aus dem Gebiet von Stalingrad eingeweiht. An die 22 vermissten und gefallenen Bewohner der völlig zerstörten Dörfer Groß- und Klein-Rossoschka erinnert ein Gedenkstein. An die deutschen Vermissten erinnern seit 2006 107 große Granitwürfel mit 103.234 Namen. Im Gesamtnamensbuch Wolgograd – Rossoschka des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sind die Namen von rund 150.000 gefallenen und vermissten Stalingradopfern dokumentiert. Durch den gemeinsamen Friedhof soll die Versöhnung zwischen den Völkern verstärkt werden. Im Sinne der Verständigung und Freundschaft arbeiten in sogenannten Workcamps deutsche und russische Jugendliche an der Pflege der Grabsteine, Granitwürfel und Wege und heben für die Umbettung von deutschen und sowjetischen Soldaten neue Grabstellen aus. Siehe auchEinzelnachweise
LiteraturSachbücher
Dokumentarische Romane (Belletristik)
Filme über die Schlacht von StalingradDokumentarfilme
Filmische UmsetzungDie Schlacht um Stalingrad wurde in mehreren Filmen – teilweise propagandistisch – umgesetzt. Um Objektivität bemühte Filme, die sich mit der Grausamkeit des Krieges allgemein befassen, sind:
WeblinksSchlacht
Feldpostbriefe und ZeitzeugenMahnmale
Rezeption
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
This article is from Wikipedia. All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License.