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Jutta Hipp (* 4. Februar 1925 in Leipzig; † 7. April 2003 in New York) war eine deutsche Jazzpianistin, Malerin und Designerin.
Leben und WirkenHipp lernte bereits als Kind Klavier spielen. Mit vierzehn hörte sie erstmals Jazz und war noch während des Krieges Mitglied einer Amateur-Jazzband, mit der sie als Studentin der Kunstakademie im illegalen Leipziger Jazzclub auftrat.[1] Sie begann nach ihrer Flucht nach Westen, ab 1951 professionell mit der Band von Freddie Brocksieper in München und Bayern in US-amerikanischen Soldaten-Clubs zu spielen, dann in der Combo (New Jazz Stars) von Hans Koller, die auch Dizzy Gillespie begleitete und sich das „Cool Jazz“-Idiom aneignete. 1952 zog sie nach Frankfurt/Main und leitete 1953 bis 1955 das Jutta Hipp Quintett, dem zunächst Emil Mangelsdorff, Joki Freund, Hans Kresse und Karl Sanner angehörten. In dieser Besetzung traten sie auf dem ersten Deutschen Jazzfestival 1953 auf und nahmen auch das Album New Faces - New Sounds from Germany für ein amerikanisches Label auf[2]. Auch mit ihrer nächsten Band 1954/5, zu der Attila Zoller gehörte, bestätigte sie den Ruf, „Europe's First Lady in Jazz“ zu sein. 1954 spielte sie auf dem Deutschen Jazzfestival einerseits mit Albert Mangelsdorff und Zoller, andererseits aber in einer Session mit Hugo Strasser. 1955 ging sie mit ihrem Quartett in Schweden auf Gastspielreise, wo sie auch mit Lars Gullin aufnahm[3], und siedelte nach einer Jugoslawien-Tournee mit J. Freund und Carlo Bohländer auf ein Angebot von Leonard Feather, der sie 1954 in Duisburg gehört hatte und von ihrem Spiel begeistert war, in die Vereinigten Staaten über.[4] Dort war sie zunächst leidlich erfolgreich. Sie erhielt als erster europäischer Jazzmusiker (und zweiter weißer Musiker überhaupt) einen Vertrag bei Blue Note Records, für die sie 1956 drei Alben unter eigenem Namen aufnahm[5]. 1956 spielte sie als Vertretung der auf Tour gegangenen Marian McPartland auf Feathers Vermittlung hin ein halbes Jahr im New Yorker Club-Restaurant Hickory House (im Trio mit Peter Ind und Ed Thigpen). Ihr Spiel wurde härter und bekam mehr drive. Auch trat sie 1956 beim „Newport Jazz Festival“ auf. Kurze Zeit arbeitete sie auch mit Charles Mingus zusammen.[6] Noch 1956 kam es jedoch zu „künstlerischen Differenzen“ mit Feather, teilweise darin begründet, dass sie sich in ihr musikalisches Repertoire nicht hineinreden lassen wollte[7]. Möglicherweise schadete das ihrer Karriere nachhaltig. Sie nahm danach nicht wieder auf und hatte nur noch Engagements in kleineren Clubs in New York und auf Long Island. Um 1957 tourte sie mit dem Saxophonisten Jesse Powell in den Südstaaten, nach eigenen Worten der musikalische Höhepunkt ihrer Karriere[8]. Da die Situation sich für Jazzmusiker Ende der 1950er Jahre verschlechterte - viele kleine Clubs schlossen - und sie ohne Unterstützung durch eine eigene Familie war, nahm sie einen Job als Näherin in einer Kleiderfabrik in Queens an.[9] Bis 1960 trat sie dabei noch an Wochenenden als Jazzmusikerin auf, wechselte dann aber ganz zu ihrer ersten Liebe Zeichnen und Design. Ein Grund waren auch Alkoholprobleme, teilweise daraus resultierend, dass sie damit ein sie ständig begleitendes starkes Lampenfieber unterdrückte.[10]. Das Lampenfieber war auch der Grund für ihre Vorliebe für Auftritte in kleineren Jazzclubs. In den 1940er Jahren hatte sie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig Graphik-Design studiert. Hipp hatte insbesondere eine Vorliebe für das Malen von Aquarellen. Ihre Motive reichten vom Straßenleben in Queens und ihren Lieblingsstränden auf Long Island bis zu Tierportraits. Ausstellungen ihrer Bilder hatte sie zum Beispiel 1980 und 2000 im „Langston Hughes“-Kulturzentrum in Corona in New York. Hipp, die auch für ihren schlagfertigen Witz bekannt war, zeichnete auch Karikaturen anderer Jazzmusiker und schrieb Gedichte über sie. Einige wurden im Jazz Podium veröffentlicht. Hipp war auch eine geschickte Puppenmacherin, von denen sie einige dem Museum of the City of New York überließ. Da sie nach ihrem Abschied von der Jazzmusik das Klavier nicht mehr anrührte, wussten viele ihrer Bekannten nichts von ihrer Jazz-Vergangenheit, bis sie aus den Nachrufen davon erfuhren. Sie blieb aber dem Jazz verbunden und fotografierte unermüdlich in kleinen Jazzclubs in Queens. Die Fotos verschickte sie auch an Freunde und an Jazz-Magazine in Deutschland. Hipp äußerte oft in Briefen an Freunde, dass wirklicher Jazz eher in kleinen Clubs zu finden sei, in denen sie viele hervorragende Musiker hörte, denen das Durchsetzungsvermögen groß herauszukommen fehlte. Hipp heiratete nie und starb an Bauchspeicheldrüsenkrebs in ihrem Apartment in Sunnyside (Queens). Sie war die Großtante der Journalistin Johanna Adorján. Musikalische EinordnungAls Pianistin war Hipp in der Swing-Tradition verwurzelt und nach eigenen Worten von Count Basie, Teddy Wilson, aber auch von Fats Waller beeinflusst. Mit dem Aufkommen des Bebop Mitte der 1940er Jahre orientierte sie sich an Bud Powell. Dass viele Musiker, Kritiker und Fans Anfang der 1950er Jahre Cool-Jazz Einflüsse von Lennie Tristano in ihrem Spiel hörten, wurde von ihr selbst eher ablehnend aufgenommen[11]. In späteren Jahren äußerte sie dagegen ihre Bewunderung für den Hard Bop von Horace Silver, den sie um 1956 in New York traf. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere als Jazzpianistin (die auch gelegentlich komponierte) hatte sie einen neuen Stil gefunden, der sich deutlich von den weit geschwungenen Melodiebögen und dem mit seinen Verzierungen die europäische Kunstmusik aufnehmenden Spiel bis zur Übersiedelung nach New York unterschied. „Die Energie, die ihre Spielart des Cool Jazz mit Feuer versehen hatte, kam nun deutlich zum Vorschein.“[12]Sie verweigerte sich konsequent äußerem Druck, sie in eine andere Richtung zu drängen. Ihr in den 1950er Jahren erworbener Ruf als Jazzpianistin (mit dem sie in Europa noch lange danach eine singuläre Erscheinung war) war jedoch bei ihren westdeutschen Fans noch Jahrzehnte später ungebrochen. Sie selbst kehrte nach ihrer Übersiedlung auch besuchsweise nie wieder nach Deutschland zurück. Auswahldiskografie
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Literatur
Anmerkungen
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