Jerry Lee Lewis

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Jerry Lee Lewis bei einem Konzert (11. März 2006)

Jerry Lee Lewis (* 29. September 1935 in Ferriday, Louisiana, USA) ist ein US-amerikanischer Rock-’n’-Roll-Musiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Jugend

Der „Jerry Lee Lewis Drive“ in Ferryday, LA. Benannt zu Ehren von Jerry Lee Lewis.

Jerry Lee Lewis wurde 1935 in Louisiana geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Trotzdem war es den Eltern Elmo und Mamie Lewis möglich, für ihren Sohn ein Klavier zu kaufen. Zusammen mit seinen Cousins Jimmy Lee Swaggart und Mickey Gilley, die später beide ebenfalls eine Karriere in der Musikszene begannen, nahm Lewis Klavierunterricht und zeigte bald besonderes Talent für das Instrument. Lewis wurde während dieser Zeit vom Boogie Woogie, dem Rhythm and Blues sowie von Gospel und natürlich der Country-Musik beeinflusst; alle Stile vereinigte er in seinem Klavierspiel. Schon mit 14 hatte er den Stil, den er später bei seinen Aufnahmen auch anwenden sollte: mit der linken Hand erzeugte er einen starken Boogie-Woogie-Hintergrund, während er mit rechts schnelle, mit Gospel angereicherte, Melodien spielte.

Rock'n'Roll-Star der 1950er-Jahre

Doch Lewis' Mutter hatte andere Pläne für ihren Sohn. Sie schickte ihn in ein Priester-College, aus dem er jedoch wegen seines Verhaltens wieder entlassen wurde. Daraufhin zog der 21-jährige Pianist nach Memphis, Tennessee. Memphis war bekannt für die Entwicklung des Rockabilly und der lebendigen Musikszene. Schnell bekam Lewis eine Anstellung als Musiker in einer Bar. Er lernte dort den Musiker Roy Hall kennen, der ihn zu fördern begann. Hall war ebenfalls Pianist und hatte bereits einige Platten eingespielt. Hall schrieb zusammen mit Dave Williams auch Lewis' späteren Hit Whole Lotta Shakin' Goin' On. Lewis spielte 1956 der Plattenfirma Sun Records vor, die bereits Rockabilly-Musiker wie Elvis Presley, Carl Perkins, Johnny Cash und Roy Orbison unter Vertrag hatten. Besitzer Sam Phillips war zwar gerade in den Urlaub gereist, aber seine rechte Hand Jack Clement hörte sich Lewis' an und ließ ihn mit Roland Janes (Gitarre) und Jimmy van Eaton (Schlagzeug) seine erste Single, Ralph Mooneys Countrysong Crazy Arms einspielen. Ein Bassist, wie es damals üblich war, wurde nicht benötigt, da Lewis' linkes Handspiel einen Bass völlig ersetzte. Crazy Arms wurde zwar kein nationaler Hit, Sam Phillips entschied sich jedoch aufgrund der regionalen starken Verkäufe Lewis unter Vertrag zu behalten.

DeepElmBlues.ogg
Deep Elm Blues, 1956 oder 1957

Im Dezember 1956 war Lewis als Pianist für eine Session für Carl Perkins anwesend, bei der unter anderem Matchbox und Your True Love eingespielt wurden. Am Ende dieser Aufnahmen begann das musikhistorische Ereignis, was später als Sun Session oder Million Dollar Quartet in die Geschichte eingehen sollte. Lewis spielte mit Cash, Presley, Perkins und einigen weiteren Musikern im Studio einfach ein paar alte Songs, die Phillips aufnehmen ließ. Es war die erste „Jamsession“ der Geschichte.

Phillips dachte, er könnte aus Lewis' einen wahren Rock'n'Roll-Star machen, daher steckte er alle finanziellen Mittel in die nächste Single, Whole Lotta Shakin' Goin' On. Der Erfolg blieb nicht aus; die Single wurde Nummer-Eins in Country- und R&B-Charts. Es folgten weitere Hits wie Great Balls of Fire, dessen Besetzung nur aus Gesang, Klavier und Schlagzeug bestand, und Breathless. Lewis' Bühnenauftritte wurden legendär. Er spielte mit Händen und Füssen auf dem Klavier, stieß den Hocker weg und tanzte um das Klavier oder zündete es sogar an. Er war regelmäßig im American Bandstand zu sehen und hatte weitere Auftritte im nationalen Fernsehen. Er spielte ebenfalls in dem Film Jamboree mit.

Jerry Lee Lewis spielte auch im Privatleben stets den wilden Mann. Nachdem 1958 bei einer England-Tournee bekannt geworden war, dass er seine erst dreizehnjährige Cousine Myra geheiratet hatte, schien seine Karriere beendet zu sein. Die Tournee musste er wegen dieses Skandals abbrechen, doch auch die US-amerikanische Öffentlichkeit war entsetzt. Man bezeichnete ihn als „Kinderräuber“ (“cradle snatcher”), und seine Platten wurden aus den Radioprogrammen genommen. Lewis blieb nichts anderes übrig als in kleinen Clubs zu spielen. Erst Anfang der 1960er Jahre arbeitete er sich mühsam wieder nach oben. Er hatte einige Hits und wurde allmählich wieder von der Öffentlichkeit akzeptiert. Die große Zeit des Rock ’n’ Roll war jedoch vorbei, und so blieb der ganz große Erfolg aus.

Karriere als Country-Musiker

1963 wechselte Lewis zur Plattenfirma Smash Records. Ein Jahr später fanden seine legendären Auftritte im Star-Club in Hamburg statt. Das Live-Album, das während einer dieser Auftritte entstand, setzte damals neue Maßstäbe in Bezug auf Klang und künstlerische Darbietung und gilt noch heute als eines der besten Live-Alben der Rockgeschichte. Ab Mitte der 60er Jahre widmete sich Jerry Lee Lewis immer mehr der Country-Musik und errang in dieser Sparte Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre große Erfolge. Einige seiner großen Hits aus dieser Zeit waren What's Made Milwaukee Famous (Has Made A Fool Out Of Me) (Platz zwei), Me and Bobby McGee (Platz Eins) oder Chantilly Lace (Platz Eins). Bei Live-Auftritten spielte Lewis allerdings weiterhin auch wilden Rock ’n’ Roll. Im Zuge des aufziehenden Rock-Revivals wurde er 1969 beim Rock-’n’-Roll-Revival in Kanada vom breiten Publikum wiederentdeckt. 1989 wurde sein Leben unter dem Titel Great Balls of Fire! mit Dennis Quaid in der Hauptrolle verfilmt. 2005 wurde er in dem Johnny-Cash-Biopic Walk The Line von Waylon Malloy Payne verkörpert. Seine letzte Chartplatzierung hatte Lewis 1983 mit Why You Been So Long, das Platz 69 der Country-Charts erreichte.

Privat erlebte Lewis mehrere Schicksalsschläge. Zwei seiner Söhne starben bei Unfällen, seine vierte Ehefrau ertrank im Swimmingpool, seine fünfte starb an einer Überdosis Drogen. Kurz darauf heiratete er zum sechsten Mal, ist inzwischen wieder geschieden und lebt mit seiner Tochter Phoebe auf seiner Ranch in Nesbit (Mississippi).

Gegenwart

Jerry Lee Lewis 2006 bei einem Konzert

Durch sein fortschreitendes Alter und sein exzessives Leben – lange Zeit war er drogenabhängig – ist Jerry Lee Lewis mittlerweile körperlich schwer gezeichnet. Trotzdem tritt er noch regelmäßig auf und unternimmt sogar Tourneen mit anderen Rock-Legenden wie Chuck Berry und Little Richard. Als letzter Überlebender des berühmten sogenannten „Million Dollar Quartets“ (außer ihm noch Elvis Presley, Johnny Cash und Carl Perkins) brachte er 2006 die CD Last Man Standing mit 22 Gaststars, darunter Jimmy Page, die Rolling Stones, Bruce Springsteen und Rod Stewart, heraus. Außerdem war er 1986 ein Mitglied der Class of '55, einem Elvis Presley-Tribut bestehend aus ihm, Johnny Cash, Roy Orbison und Carl Perkins.

In vielen Interviews gibt er an, neben seinem eigenen, von Gott gegebenen Talent, nur drei andere Musiker als Stilisten zu akzeptieren: Al Jolson, Jimmie Rodgers und Hank Williams.

Diskografie

Alben

  • 1957: Jerry Lee Lewis [1957]
  • 1961: Jerry Lee's Greatest
  • 1964: The Greatest Live Show on Earth
  • 1965: Country Songs for City Folks
  • 1965: The Return of Rock
  • 1967: Breathless
  • 1967: Soul My Way
  • 1968: Got You on My Mind
  • 1968: In Demand
  • 1968: Unlimited
  • 1969: All Country
  • 1969: Another Place Another Time
  • 1969: Country Music Hall of Fame
  • 1969: Country Music Hall of Fame, Vol. 2
  • 1969: She Still Comes Around (To Love What's Left of ...)
  • 1970: Ole Tyme Country Music
  • 1970: She Even Woke Me Up to Say Goodbye
  • 1970: Taste of Country
  • 1970: Together (Linda Gail)
  • 1971: Roots
  • 1971: The Golden Cream of the Country
  • 1971: There Must Be More to Love Than This
  • 1971: Touching Home
  • 1972: Rockin'
  • 1972: Southern Roots Radio Special
  • 1972: The Killer Rocks On
  • 1972: Who's Gonna Play This Old Piano
  • 1972: Would You Take Another Chance on Me
  • 1973: I-40 Country
  • 1973: Live at the International
  • 1973: Sometimes a Memory Ain't Enough
  • 1973: The Session
  • 1974: Southern Roots
  • 1974: Sunstroke (mit Carl Perkins)
  • 1975: Boogie Woogie Country Man
  • 1975: I'm a Rocker
  • 1975: Odd Man In
  • 1976: Country Class
  • 1977: Country Memories
  • 1978: In Loving Memories
  • 1978: Jerry Lee Lewis Keeps on Rockin'
  • 1979: Jerry Lee Lewis [1979]
  • 1980: When Two Worlds Collide
  • 1983: My Fingers Do the Talkin'
  • 1984: Fan Club Choice
  • 1984: I Am What I Am
  • 1985: I'm on Fire
  • 1989: That Good Old Times
  • 1991: Jerry Lee Lewis: Portrait
  • 1995: Young Blood
  • 1995: Concert [live]
  • 1996: Jerry Lee Lewis [Laserlight]
  • 1997: The Original Great Balls of Fire
  • 1999: At the Palomino [live]
  • 1999: Live at Gilley's
  • 2003: The Jerry Lee Lewis Silver Eagle Show
  • 2003: From the Front Row: Live
  • 2003: Middle Aged Crazy: Live!
  • 2006: Last Man Standing
  • 2007: Last Man Standing: Live [CD/DVD]
  • 2007: Live from Austin, TX
  • 2008: Absolutely Live!

Filmografie

  • 1985 High School Confidential [Video]
  • 1986 Killer Performance [live]
  • 1991 jerry lee lewis and friends [Video/DVD]
  • 1992 Shindig! Presents: Jerry Lee Lewis
  • 1995 I Am What I Am [Video]
  • 1996 Show
  • 2001 Jerry Lee Lewis: The Story of Rock and Roll [Document]
  • 2002 Story of Rock & Roll [Video/DVD]
  • 2002 The Jerry Lee Lewis Show
  • 2002 Jerry Lewis Show
  • 2005 Legends in Concert: Inside & Out [live]
  • 2005 Jerry Lee Lewis [CD/DVD]
  • 2006 Most Famous Hits [DVD]
  • 2006 Great Balls of Fire-In Concert [live]
  • 2007 Last Man Standing: Live [DVD]
  • 2007 Greatest Live Performances of the 50s, 60s and ...
  • 2007 Jerry Lee Lewis: Greatest Ever Performan
  • 2007 Live from Austin, TX [DVD]
  • 2007 The Anthology
  • 2007 Breathless [DVD]
  • 2007 Country Legends Live Mini Concert

Auszeichnungen

Weblinks

Commons Commons: Jerry Lee Lewis – Bilder, Videos und Audiodateien

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