Das Buch der Psalmen ist ein Buch des (jüdischen) Tanach bzw. des (christlichen) Alten Testamentes. Es handelt sich dabei um eine Zusammenstellung von 150 Psalmen, also Gebeten, Liedern und Gedichten. Auch heute noch, über zweitausend Jahre nach ihrer Entstehung werden Psalmen von Juden und Christen gleichermaßen verehrt und gebetet. Schriftstellern und Musikern dient der Psalter von jeher als Quelle für ihre Inspiration.
Außerhalb des Psalmenbuches gibt es weitere biblische Psalmen. Neben den biblischen Psalmen kennt das frühe Judentum andere Psalmen. So wurden beispielsweise in den Höhlen bei Khirbet Qumran eine Reihe weiterer Psalmen gefunden.
Psalmennachdichtungen bzw. Vertonungen von Psalmen hat es durch die Jahrhunderte bis heute immer wieder gegeben.
Das Wort Psalmen kommt von dem griechischen Wort psalmos, das Lied oder Lobgesang bedeutet. Das hebräische Wort ist tehilim/תהילים (=Preisungen). Das Buch (es wird auch Psalter genannt) enthält eine Sammlung von 150 Liedern aus dem religiösen Leben und Gottesdienst der alten Israeliten – Lieder, die aus dem Herzen dieses Volkes kommen und seine persönliche Erfahrungen widerspiegeln. Man könnte die Psalmen das älteste Gesangbuch des Volkes Gottes nennen. [1]
Allgemeines
Das Buch der Psalmen befindet sich ziemlich genau in der Mitte der christlichen Bibelausgaben (sofern diese ohne die sogenannten Apokryphen sind; das sind die nach evangelischem Verständnis außerkanonischen Spätschriften des Alten Testaments, die von der römisch-katholischen Kirche zum Kanon der biblischen Schriften gezählt werden). Das nachexilischeJudentum schrieb die Mehrzahl der Psalmen dem Priester-König David zu. Anders als bei den anderen Büchern der Bibel, deren heutige Einteilung in Kapitel erst im Mittelalter entstand, existierte diese bei den Psalmen schon seit ihrer Entstehung. Die Einteilung in Verse ist dagegen auch in diesem Fall neueren Datums, folgt aber größtenteils der natürlichen Verseinteilung der poetischen Texte. Martin Luther nannte die Psalmen die „kleine Biblia“.
Der Text des 1. Psalms, der dem Buch wie ein Motto voransteht, lautet nach der Einheitsübersetzung wie folgt:
Vers
Psalm 1 - Die beiden Wege
1
Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, nicht auf dem Weg der Sünder geht, nicht im Kreis der Spötter sitzt,
2
sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht.
3
Er ist wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen.
4
Nicht so die Frevler: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.
5
Darum werden die Frevler im Gericht nicht bestehen noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.
6
Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber führt in den Abgrund.
Ein Psalm ist ein Gebet, das auch gesungen werden kann, siehe Psalmodie. Das Buch der Psalmen wird manchmal auch Psalter genannt. Als Psalterium oder Psalter wird im Alten Testament auch ein Musikinstrument, die Schrägleier bezeichnet, welche oft als Begleitinstrument zum Psalmengesang diente. Es wurden jedoch auch andere Instrumente verwendet.
Das Buch der Psalmen ist dasGebetbuch der Juden und der frühen Christen. Außerhalb des jüdischen Tempels wurden die Psalmen gewöhnlich ohne Instrumentalbegleitung gesungen.
Das Psalmenbuch, wie es uns in der heutigen Form vorliegt, ist das Ergebnis eines komplexen, mehrere Jahrhunderte andauernden Entstehungsprozesses.[2] Jedes der fünf auszumachenden Psalmenbücher hat eine je eigene Entstehungsgeschichte und auch die redaktionelle Sammlung und Zusammenstellung verlief nicht in einem Zug.
Die heutige 'Ausgabe' des Psalmenbuches gab es vermutlich bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. Aber bis zum ersten Jahrhundert n. Chr. bestanden daneben auch andere Versionen, die vor allem im letzten Drittel des Psalmenbuches in Anordnung und auch Anzahl divergierten. Dies belegen die alten Übersetzungen der Septuaginta (griechisch) und der Peschitta (syrisch) sowie die Funde von Psalmenrollen in Qumran. Um 100 n. Chr. legte die pharisäisch-rabbinische Tradition den Kanon der hebräischen Bibel und somit auch den Text des Psalmenbuches für das Judentum endgültig fest.
Gepriesen sei JHWH der Gott Israels, der Wunder tut allein, und gepriesen sei der Name seiner Herrlichkeit in Ewigkeit, und es erfülle seine Herrlichkeit die ganze Erde. Amen, ja Amen.
Gepriesen sei JHWH der Gott Israels von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und es soll sprechen das ganze Volk: Amen. Halleluja!
107-145
5. Buch: Lobpsalm (Toda) (107 u. 145; Königtum JHWHs); Davidpsalmen (108f u. 138-145); Alphabet. Torapsalmen (111f u. 119); Pessach-Hallel (113-118); Wallfahrtspsalmen (120-137)
145,21
Das Lob JHWHs soll reden mein Mund und preisen soll alles Fleisch seinen heiligen Namen in Ewigkeit und auf immer.
146-150
Rahmen - Schluss-Hallel (10x Halleluja)
Inhalt der Psalmen
Viele Psalmen sind als Kirchenlieder vertont. Dazu wurden ihre Texte häufig in eine Reim- und Strophenform überführt. Künstler befassen sich bis heute oft mit Psalmen in Nachdichtungen oder Vertonungen.
Inhaltlich befassen die Psalmen sich vor allem mit folgenden Themen:
Die meisten Psalmen sind in der hebräischen Gedichtform geschrieben, die durch den Gedankenreim (lateinisch: Parallelismus membrorum) charakterisiert ist: zwei aufeinanderfolgende Zeilen oder Verse haben einen ähnlichen Sinn (manchmal aber auch eine gegensätzliche Bedeutung). Beispiel (Psalm 22 Vers 1-3):
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen
bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?
Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort
Du aber, Herr, bist ein Schild für mich, / du bist meine Ehre und richtest mich auf. (3,3)
Der Herr ist meine Kraft und mein Schild, / mein Herz vertraut ihm. Mir wurde geholfen. Da jubelte mein Herz; / ich will ihm danken mit meinem Lied. (28,7)
Du bist mein Schutz und mein Schild, / ich warte auf dein Wort. (119,114)
Fels
18,2; 42,9; 62,3; 95,1
Herr, du mein Fels, meine Burg, mein Retter, mein Gott, meine Feste, in der ich mich berge, / mein Schild und sicheres Heil, meine Zuflucht. (18,2)
Ich sage zu Gott, meinem Fels: / «Warum hast du mich vergessen? Warum muss ich trauernd umhergehen, / von meinem Feind bedrängt?» (42,9)
Nur er ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; / darum werde ich nicht wanken. (62,3)
Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn / und zujauchzen dem Fels unsres Heiles! (95,1)
König
5,3; 44,5; 74,12
Vernimm mein lautes Schreien, mein König und mein Gott, / denn ich flehe zu dir. (5,3)
Du, mein König und mein Gott, / du bist es, der Jakob den Sieg verleiht. (44,5)
Doch Gott ist mein König von alters her, / Taten des Heils vollbringt er auf Erden. (74,12)
Im Hebräischen sind die meisten Psalmen mit Überschriften versehen, die von kurzen Verfasserangaben über heute kaum mehr verständliche musikalische Angaben bis zu mehrere Sätze langen Situationsschilderungen reichen. Fast die Hälfte der Psalmen werden König David zugesprochen, was mit der "Davidisierung" des Buches in nachexilischer Zeit zusammenhängt. Bei etwa 20 der 72 Davidpsalmen liefert der Text neben dem "le david" (Übersetzung: von bzw. für David) noch Angaben zur Biographie Davids. Neben den Davidpsalmen gibt es Asafpsalmen und Korachpsalmen, Psalmen, die jerusalemer Sängergilden zugesprochen werden. Aber auch Mose oder Salomo werden als Psalmendichter genannt. Heute wird weithin angenommen, dass die hebräischen Psalmenüberschriften sekundär sind, also nachträglich über die Psalmtexte gesetzt wurden. Dies geschah aus theologischen und redaktionellen Gründen. Die griechische Übersetzung der Septuaginta fügt weitere Überschriften hinzu, die wohl aus einer anderen hebräischen Textquelle stammen. Somit haben in der Septuaginta und in den aus dieser abgeleiteten Übersetzungen alle Psalmen eine Überschrift, mit Ausnahme der beiden ersten. Bereits damals wurden die musikalischen Angaben des hebräischen Textes in großen Teilen nicht mehr verstanden; deren entsprechend kryptische griechische Übertragungen boten später Anlass zu vielfältiger symbolischer und mystischer Interpretation.
Die in der folgenden Tabelle aufgelisteten Psalmenüberschriften dienen zur Orientierung. Es handelt sich hier nicht um die Überschriften, die im hebräischen Urtext stehen, sondern die hier aufgelisteten Überschriften wurden erst von den (deutschen) Übersetzern zum besseren Auffinden nachträglich hinzugefügt.
Die altgriechische Septuaginta weist einen 151. Psalm auf, den sie aber selber als außerhalb der Zählung kennzeichnet. Die orthodoxen Kirchen haben diesen Psalm kanonisiert.
Die im Jahr 1947 entdeckten Schriftrollen vom Toten Meer kennen neben dem Ps. 151 weitere Psalmen, die die Gemeinschaft von Qumran ebenfalls als von den kanonischen Psalmen getrennt einordnet.
Unterschiedliche Nummerierung der Psalmen im Hebräischen und Griechischen
Die Nummerierung der Psalmen unterscheidet sich etwas zwischen dem hebräischen Urtext einerseits und den griechischen (Septuaginta) und lateinischen (Vulgata) Übersetzungen andererseits. Evangelische Bibeln verwenden die Zählung des Urtextes (nach dem Luther übersetzte), katholische Bibeln verwenden die Zählung der Septuaginta bzw. Vulgata. Daher muss man bei Verweisen auf Psalmen darauf achten, auf welche der beiden Nummerierungen sich ein Verweis bezieht. Oft werden die Psalmnummern in der Form Ps 51(50) angegeben, so dass klar wird, dass sich die höhere Nummer auf die vorlaufende hebräische Zählung bezieht. Der griechische Text der LXX kennt einen zusätzlichen 151. Psalm, der jedoch in seinem Titel als „außerhalb der Nummerierung“ bezeichnet wird. Die hebräische Fassung dieses sog. apokryphen Psalms ist in einer Qumran-Handschrift belegt.
Die Reformationspsalmen wurden im 16. Jahrhundert von Clément Marot und Théodore de Bèze komponiert. Sie ließen gregorianische und weltliche Melodien darin einfließen. Claude Goudimel harmonierte diese Psalmen und schuf seinerseits ein monumentales Werk von Psalmenvertonungen.
Paschal de l'Estocart (1539–1584) war ein reformierter Kirchenkomponist der französischen Renaissance. Zahlreiche Psalmvertonungen gehen auf ihn zurück.
Psalmen in der Musik des Barock
Heinrich Schütz (1585–1672) vertonte zahlreiche Psalmen, in Opus 2 von 1619 (SWV 22-47) 26 Psalmen Davids, in Opus 5 (SWV 97-256) (1628, rev. 1661) 103 vierstimmige Psalmen Beckerscher Psalter, in Opus 7 von 1636 (SWV 279-281) Psalmen 73,25-26 und 90,10 sowie in SWV 476 Psalm 24: Domini est terra.
Johann Sebastian Bach (1685–1750): Kantate am achten Sonntage nach Trinitatis („Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz“) (Psalm 139, Vers 23)
In die weithin bekannten mehrstimmigen, meditativen Gesängen der Gemeinschaft von Taizé fließen immer wieder Psalmverse ein. Manche (ältere) dieser Psalmengesänge aus Taizé (Laudate omnes gentes, Ubi caritas) wurden in die offiziellen Kirchengesangbücher der katholischen und evangelischen Kirchen übernommen.
Auch der Popsong By the Waters of Babylon von Don McLeans Album American Pie beruht auf dem Text des Psalms 137. Es handelt sich bei diesem Song um die Bearbeitung eines Kanons von Philip Hayes (1738–1797).
Die irische Band U2 verarbeitete in ihrem Hit 40" aus dem Jahr 1983 Psalm 40.
Die Hamburger Crossover-Band 4Lyn veröffentlichte auf ihrem 5. Album Hello (2008) einen Titel namens Shadow Valley, dessen Refrain mit den Worten “As I walk through the valley of the shadows of death” beginnt.
Johann Nepomuk David (1895-1977): Psalm 139 („Herr, du erforschest mich“) für gemischten Chor
Ernst Pepping (1901-1981): Der 139. Psalm („Herr, du erforschest mich“) für Alt-Solo, 4stimmigen gemischten Chor und Orchester
Franz Koglmann (*1947): 139. Psalm für Mezzosopran, Trompete, Posaune und Tuba
David Evan Thomas (*1958): The Wings of the Morning (“O Lord, thou hast searched me”; 2003) for medium voice and piano. Text: englisch in der King James Version
Rudi Spring (*1962): Psalm 139 (op. 68c; 1997) für Alt, gemischten Unisono-Chor und Orgel. Text: deutsch von Martin Buber
Joseph Scrivener(?): Psalm 139 for medium voice and piano (?)
Andere Einordnungen
Psalmen in der Osmanischen Musik
Übertragung der ersten 14 Psalmen aus dem Genfer Psalter durch Wojciech Bobobwski alias Ali Ufki ins Türkische
Psalmen im Evangelischen Gesangbuch und im Gotteslob
Erich Zenger, Das Buch der Psalmen, in: ders. u.a., Einleitung in das Alte Testament, Stuttgart u.a. (Verlag Kohlhammer) 1995, S. 242-255, ISBN 3-17-012037-9
Psalmenübertragungen
Martin Buber: Das Buch der Preisungen. Verdeutscht von Martin Buber. Hegner, Köln/Olte 1966
Die Psalmen. Konkordante Übersetzung. Pforzheim 1994, ISBN 3-88475-017-8
Heinrich Groß / Heinz Reinelt: Das Buch der Psalmen. Teil I (Ps 1 - 72), Teil II (Ps 73 -150) (= Geistliche Schriftlesung, Band 18/1 u. 2), Leipzig (St. Benno-Verlag), 1979.
Erhard S. Gerstenberger: Psalms. Part I (Ps 1-60). The Forms of the Old Testament Literature. Grand Rapids 1991
Erhard S. Gerstenberger: Psalms. Part II, and Lamentations. The Forms of the Old Testament Literature 15. Eerdmans, Grand Rapids MI [u.a.] 2001, ISBN 0-8028-0488-8
Erich Zenger: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Psalmenauslegungen 1. 2. Auflage. Herder, Freiburg/Basel/Wien 1994, ISBN 3-451-08810-X
Erich Zenger: Ich will die Morgenröte wecken. Psalmenauslegungen 2. 2. Auflage. Herder, Freiburg/Basel/Wien 1994, ISBN 3-451-08811-8
Erich Zenger: Dein Angesicht suche ich. Neue Psalmenauslegungen. Herder, Freiburg/Basel/Wien 1998, ISBN 3-451-26668-7
Frank Lothar Hossfeld, Erich Zenger: Die Psalmen I. Psalm 1-50. (= = NEB.AT 29) Würzburg 1993
Frank Lothar Hossfeld, Erich Zenger: Die Psalmen II. Psalm 51-100. (= = NEB.AT 40) Würzburg 2002, ISBN 978-3-429-02359-1
Frank Lothar Hossfeld, Erich Zenger: Psalmen. Psalm 51-100. (= HThKAT) 3. Auflage. Herder, Freiburg/Basel/Wien 2007, ISBN 978-3-451-26826-7
Frank Lothar Hossfeld, Erich Zenger: Psalmen. Psalm 101-150. (= HThKAT) Herder, Freiburg/Basel/Wien 2008, ISBN 978-3-451-26827-4
Frank Lothar Hossfeld, Erich Zenger: Psalmen. Psalm 1-50. (= HThKAT) Herder, Freiburg/Basel/Wien, ISBN 978-3-451-26825-0
Einzeluntersuchungen
E. Gerstenberger, K. Jutzler, H. J. Boecker (Hrsg.): Psalmen in der Sprache unserer Zeit: der Psalter und die Klagelieder. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn/Einsiedeln, Zürich/Benziger, Köln 1983
Hartmut Gese: Die Entstehung der Büchereinteilung des Psalters. In: Vom Sinai zum Zion. Alttestamentliche Beiträge zur biblischen Theologie. München 1974, S. 159-167
Benedikt Peters: Das Buch der Psalmen. 2 Bände. Dillenburg 2005, ISBN 3-89436-497-1
Bernd Janowski: Konfliktgespräche mit Gott. Eine Anthropologie der Psalmen. Neukirchen-Vluyn 2003, ISBN 3-7887-1913-3
Erich Zenger: Ein Gott der Rache. Feindpsalmen verstehen. Herder, Freiburg/Basel/Wien 1994, ISBN 3-451-23332-0