Bessie Smith

Article on other languages:

Bessie Smith, 1936
Fotografie von Carl van Vechten, aus der Van Vechten Collection der Library of Congress

Bessie Smith [ˈbɛsɪ ˈsmɪθ] (* 15. April 1894[1] in Chattanooga, Tennessee; † 26. September 1937 in Clarksdale, Mississippi) war eine US-amerikanische Bluessängerin, vorwiegend aktiv in den 1920er Jahren, die damals mehr als 150 Schallplatten einspielte und als „Kaiserin des Blues“ galt[2].

Inhaltsverzeichnis

Leben

Sie war eines von sechs Kindern und wuchs in tiefster Armut in einer kleinen, baufälligen Hütte auf.Ihr Vater, ein Prediger, starb kurz nach ihrer Geburt, ihre Mutter, als sie neun Jahre alt war. Diese Kindheit ist in ihrem Titel „Washwoman Blues“ beschrieben. Um aus dem Elend zu fliehen, schloss sie sich einem Vaudevilletheater an und zog mit ihm durch das Land. Mit 17 Jahren schloss sie sich der Moses-Stokes-Show, wo auch schon ihr Bruder Clarence arbeitete, als Tänzerin an. Dort traf sie auch das erste Mal auf Ma Rainey, die sie unter ihre Fittiche nahm. 1913 trat sie in Atlanta im Theatre 81 auf, wo sie von dem Schauspieler Leigh Whipper wahrgenommen wurde. Anschließend ging sie auf die Tourneen der Theater Owners Booking Association. 1918 erhielt sie ein Engagement in Baltimore.

Im Zuge der Prohibition bekam Bessie reichlich zu tun und hatte viele Auftritte in zahlreichen Clubs, welche zumeist im Besitz von Gangstern waren, die mit illegalem Alkoholausschank Geld machten. Die Kehrseite war, dass sie auch mit dem Alkohol in Berührung kam und schließlich alkoholkrank wurde. Auch dies spiegelt sich in zahlreichen Liedern wie „The Gin house Blues“, „Me and My Gin“ oder „Gimme a Pigfoot (and a bottle of beer)“ wider. In Philadelphia lernte sie Jack Gee, einen Nachtwächter, kennen. Bei ihrer ersten Verabredung kam es im Restaurant zu einer Schießerei, bei der Jack eine Schusswunde erlitt, der er fast erlag. Bessie besuchte ihn oft im Krankenhaus und schließlich heirateten sie 1923.

1923 machte sie auch ihre ersten Plattenaufnahmen („Down Hearted Blues“). 1924 trat sie das erste Mal in Chicago auf, dem Blues-Zentrum dieser Zeit. Hier entstand auch ihre nächste Single „Weeping Willow Blues“. In dieser Zeit arbeitete sie unter anderem auch mit Louis Armstrong zusammen und nahm mit weiteren Musikern wie Buster Bailey, Fletcher Henderson, James P. Johnson, Jack Teagarden oder Charlie Green auf. Mit ihrer „leidenschaftlichen Stimme“ war sie „die Attraktion der Harlem Frolics Show“, wo sie zwischen 1925 und 1927 auftrat[3]. Als dann die Begeisterung für den Blues nachließ, war Smith gezwungen, wieder auf Tour durch die Südstaaten zu gehen. Im März 1928 kam das Stück „Empty Bed Blues“ heraus. Darin gab es so viele anzügliche Bemerkungen über die Liebeskünste des Geliebten, die teilweise so direkt waren, dass man es als pornographisch bezeichnen musste. Dies setzte sich in vielen ihrer Lieder fort, die Ende der 1920er Jahre entstanden .

Am 30. September 1929 erschien das im Mai des Jahres aufgenommene „Nobody Knows You When You´re Down and Out“, im gleichen Jahr wurden noch weitere Stücke eingespielt. 1931 kündigte aber Columbia Records den Vertrag mit ihr. 1933 nahm sie weitere Songs auf, in denen sie sich stilistisch dem Jazz annäherte. 1935 erhielt sie ein Engagement in der Show „Stars Over Broadway“ des Apollo Theater. Produzent John Hammond engagierte sie 1937 für seine neue Show „From Spirituals to Swing“, wo sie aber nicht mehr auftreten sollte.

Tod

Am 26. September 1937 fuhr sie gemeinsam mit ihrem Liebhaber Richard Morgan mit ihrem Wagen in Mississippi, als sie einen Lastwagen streiften und der Wagen sich überschlug. Es gibt verschiedene Schilderungen, auf welche Art, zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort sie verstarb. Eindeutig belegt ist nur, dass sie nach dem Unfall verstarb. Besprochene und weder belegte noch klar widerlegte Möglichkeiten:

  • Sie wurde im Gegensatz zu weißen Verletzten nicht verarztet und verblutete am Unfallort
  • Sie verstarb auf dem Weg zum Krankenhaus.
  • Sie wurde im Krankenhaus für Weiße nicht aufgenommen und verblutete. Oft heißt es, die Krankenhäuser hätten sich geweigert, die Verletzte aufzunehmen, worauf diese auf den Stufen einer Klinik verstarb.
  • Bessie Smiths linker Arm und ihre Rippen wurden schwer verletzt. Sie wurde in ein Krankenhaus für Dunkelhäutige aufgenommen und verstarb dort, obwohl und nachdem ihr jedwede medizinische Behandlung zuteil wurde. Sie erlangte nach Angaben des behandelnden Arztes das Bewusstsein nicht wieder.

Die Legende, dass Bessie Smith verblutete, da sie als Schwarze keinen Zugang zu einem Weißen-Krankenhaus bekam, gilt als umstritten. Diese Theorie geht auf ein Zeitungsinterview von Plattenproduzent John Hammond mit dem Magazin Downbeat zurück. Angeblich soll nach dem Unfall noch ihr linker Arm amputiert worden und sie einen Tag nach der Operation verstorben sein.[4]

Bessie Smith wurde 1980 in die Blues Hall of Fame und 1984 in die National Women's Hall of Fame aufgenommen; 1989 erhielt sie posthum den Lifetime Achievement Award.

Sonstiges

Der tragische Tod bewog 1959 Edward Albee zu dem Einakter The Death of Bessie Smith, in dem die Variante vertreten wird, dass der sterbenden Sängerin der Zutritt zu einer Klinik für Weiße untersagt wurde.

Janis Joplin (1943–1970), eine große Verehrerin von Bessie Smith, wollte 1970 deren Grab besuchen und stellte dabei fest, dass ihr Idol anonym beerdigt worden war. Daraufhin ließ Janis einen Grabstein für die Verstorbene setzen, der die Inschrift trägt: „The Greatest Blues Singer In The World Will Never Stop Singing – Bessie Smith – 1895–1937“[5] („Die größte Blues-Sängerin der Welt wird niemals aufhören zu singen“).

Rick Danko und Robbie Robertson von The Band veröffentlichen zusammen mit Bob Dylan auf der LP The Basement Tapes, aufgenommen 1967 im Keller des legendären Big Pink, einen Song namens „Bessie Smith“. Auch Norah Jones coverte diesen Song auf ihren Konzerten.

Leben und Tod von Bessie Smith sind Thema der Jazzoper Cosmopolitan Greetings von Allen Ginsberg (Libretto), George Gruntz (Jazz) und Rolf Liebermann (Zwölftonmusik), die 1988 in Hamburg uraufgeführt wurde.

Diskografische Hinweise

Aufnahmedaten Stücke Begleitmusiker
1923: 17. Februar Down Hearted Blues Clarence Williams (Klavier)
1923: 7. April Ticket Agent Ease Your Window Down Robert Robbins (Violine); Irving Johns (Klavier)
1923: 21. September Jailhouse Blues Irving Johns (Klavier)
1924: 23. Juli House Rent Blues Charlie Green (Posaune); Fletcher Henderson (Klavier)
1924: 26. September Weeping Willow Blues Joe Smith (Kornett); Charlie Green (Posaune); Fred Longshaw (Klavier)
1924: 6 . Dezember Follow The Deal On Down Buster Bailey und Don Redman (Klarinetten); Fred Longshaw (Klavier)
1925: 24. Januar St. Louis Blues; Reckless Blues; You've Been A Good Ole Wagon; Sobbin' Hearted Blues; Cold In and Blues Louis Armstrong (Kornett); Fred Longshaw (Harmonium in den ersten zwei Stücken; Klavier in den anderen drei Stücken)
1925: 5. Mai Cake Walking Babies; The Yellow Dog Blues Joe Smith (Trompete); Charlie Green (Posaune); Buster Bailey (Klarinette); Coleman Hawkins (Tenorsaxophon); Fletcher Henderson (Klavier); Charlie Dixon (Banjo); Bob Escudero (Tuba); Kaiser Marshall (Schlagzeug)
1925: 26. Mai Careless Love Blues; Nashville Woman's Blues
1925: 27. Mai I Ain't Gonna Play No Second Fiddle; J.C. Holmes Blues Louis Armstrong (Kornett); Fred Longshaw (Klavier); Charlie Green (Posaune)
1925: 18. November At the Christmas Ball Joe Smith (Trompete); Charlie Green (Posaune); Fletcher Henderson (Klavier)
1926: 18. März Jazzbo Brown From Memphis Town; The Gin House Blues Fletcher Henderson (Klavier); Buster Bailey (Klarinette)
1926: 4. Mai Baby Doll; Money Blues; Lost Your Head Blues Joe Smith (Trompete); Fletcher Henderson (Klavier)
1926: 10. Oktober One and Two Blues; Young Woman's Blues Joe Smith (Trompete); Buster Bailey (Klarinette); Fletcher Henderson (Klavier)
1927: 2. März Alexander's Ragtime Band; Muddy Water; After You've Gone; There'll Be a Hot Time In the Old Town Tonight Joe Smith (Trompete); Fletcher Henderson (Klavier); Charlie Dixon (Banjo); Jimmy Harrison (Posaune); Coleman Hawkins spielt Klarinette in den ersten zwei Stücken; Buster Bailey spielt Klarinette in den letzten drei Stücken.
1927: 3. März Trombone Cholly Joe Smith (Kornett); Charlie Green (Posaune); Fletcher Henderson (Klavier)
1927: 27. September Mean Old Bedbug Blues; A Good Man Is Hard To Find Porter Grainger (Klavier); Lincoln Conoway (Gitarre)
1928: 20. März Empty Bed Blues Charlie Green (Posaune); Porter Grainger (Klavier)
1928: 24. August Poor Man's Blues Joe Williams (Posaune); Ernest „Sticky“ Elliot, Bob Fuller (Saxophon); Porter Grainger (Klavier)
1928: 25. August Me and My Gin Joe Williams (Posaune); Porter Grainger (Klavier)
1929: 8. Mai Kirchen Man Clarence Williams (Klavier); Eddie Lang (Gitarre)
1929: 29. Mai Nobody Knows You When You're Down and Out Ed Allen (Kornett); Clarence Williams (Klavier); Cyrus St. Clair (Tuba)
1930: 27. März New Orleans Hop Scop Blues Louis Bacon (Trompete); Charlie Green (Posaune); Garvin Bushnell (Klarinette); Clarence Williams (Klavier)
1930: 22. Juli Black Mountain Blues Trompete und Klavier unbekannt (möglicherweise Deamus Dean oder Ed Allen mit Clarence Williams)
1931: 20. November I Need a Little Sugar In My Bowl Fred Langshaw oder Clarence Williams (Klavier)
1933: 24. November Gimme a Pigfoot; Take Me For a Buggy Ride; Do Your Duty; I'm Down In the Dumps Frankie Newton (Trompete); Jack Teagarden (Posaune); Chu Berry (Tenorsaxophon); Buck Washington (Klavier); Bobby Johnson (Gitarre); Billy Taylor (bass); in Gimme a Pigfoot wirkt außerdem Benny Goodman mit.

Einzelnachweise

  1. nach Carlo Bohländer Reclams Jazzführer (1989), Wolf Kampmann Reclams Jazzlexikon (2003) sowie PanAfricanNews und FindAGrave; der Jazz Rough Guide (1999) gibt 1895, Studs Terkel hingegen 1892 als Geburtsjahr an. Eine Geburtsurkunde von Bessie Smith existiert angeblich nicht.
  2. zit. nach Helmut Schilda
  3. W. Kampmann Reclams Jazzlexikon Stuttgart 2003
  4. Redaktionelle Anmerkung in ihrer CD „Nobody's Blues but mine“ von 2000
  5. Fotografie des Grabes und Kurzbiografie bei Find A Grave

Literatur

Weblinks

This article is from Wikipedia. All text is available under the terms of the GNU Free Documentation License.