Americium

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Allgemein
Name, Symbol, Ordnungszahl Americium, Am, 95
Serie Actinoide
Gruppe, Periode, Block Ac, 7, f
Aussehen silbrig-weißes Metall
CAS-Nummer 7440-35-9
Massenanteil an der Erdhülle 0 %
Atomar [1]
Atommasse 243,061375[2] u
Atomradius (berechnet) 184 () pm
Van-der-Waals-Radius 228,5 pm
Elektronenkonfiguration [Rn] 5f77s2
Elektronen pro Energieniveau 2, 8, 18, 32, 25, 8, 2
1. Ionisierungsenergie 578 kJ/mol
Physikalisch [1]
Aggregatzustand fest
Kristallstruktur hexagonal
Dichte 13,67 g/cm3
Schmelzpunkt 1449 K (1176 °C)
Siedepunkt 2880 K (2607 °C)
Molares Volumen 1,778 · 10−5 m3/mol
Verdampfungswärme 238,5 kJ/mol
Schmelzwärme 14,4 kJ/mol
Spezifische Wärmekapazität 0,11 J/(kg · K)
Elektrische Leitfähigkeit 147,1[2] S/m bei 293,15 K
Wärmeleitfähigkeit 10[2] W/(m · K) bei 300 K
Chemisch [1]
Oxidationszustände +2, +3, +4, +5, +6, (+7)
Oxide (Basizität)
Normalpotential −2,070 V
(Am3+ + 3e → Am)[2]
Elektronegativität 1,3 (Pauling-Skala)
Isotope
Isotop NH t1/2 ZM ZE MeV ZP

[3]

238Am

{syn.}

98 min ε (≈ 100 %) 238Pu
α (1,0 · 10−4 %) 234Np
239Am

{syn.}

11,9 h ε (≈ 100 %) 239Pu
α (0,010 %) 235Np
240Am

{syn.}

50,8 h ε (≈ 100 %) 240Pu
α (1,9 · 10−4 %) 236Np
241Am

{syn.}

432,2 a α (≈ 100 %) 5,638 237Np
SF (4,3 · 10−10 %) ? ?
242Am

{syn.}

16,02 h β (82,7 %) 0,665 242Cm
ε (17,3 %) 0,751 242Pu
242m1Am

{syn.}

141 a IT (≈ 100 %) 0,049 242Am
α (0,45 %) 5,637 238Np
SF (4,7 · 10−9 %) ? ?
242m2Am

{syn.}

14.0 ms SF (≈ 100 %) ? ?
α 7,788 238Np
IT 2,2 242Am
243Am

{syn.}

7370 a α (≈ 100 %) 5,438 239Np
SF (4,7 · 10−9 %) ? ?
244Am

{syn.}

10,1 h β (100 %) 244Cm
Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung [4]
keine Einstufung verfügbar
R- und S-Sätze R: siehe oben
S: siehe oben
weitere Sicherheitshinweise
Radioaktivität
Radioaktives Element

Radioaktives Element
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet.
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Americium ist ein chemisches Element mit dem Symbol Am und der Ordnungszahl 95 im Periodensystem der Elemente. Auf der Erde liegt es ausschließlich in künstlich erzeugter Form vor. Es gehört zur Gruppe der Actinoide (7. Periode, f-Block) und zählt auch zu den Transuranen. Neben Europium ist Americium das einzige nach einem Erdteil benannte Element.

Bei Americium handelt es sich um ein radioaktives Metall, es hat ein silbrig-weißes Aussehen und ist leicht verformbar. Es wird in Kernreaktoren gebildet, eine Tonne abgebrannten Kernbrennstoffs enthält durchschnittlich etwa 100 g des Metalls.

Americium wurde im Spätherbst 1944 erstmalig erzeugt, die Entdeckung wurde zunächst nicht veröffentlicht. Kurioserweise wurde dessen Existenz in einer amerikanischen Radiosendung für Kinder durch den Entdecker Glenn T. Seaborg, dem Gast der Sendung, der Öffentlichkeit preisgegeben.

Americium wird als Quelle für ionisierende Strahlung eingesetzt, z. B. in der Fluoreszenzspektroskopie und in Ionisationsrauchmeldern. Americium 241Am wurde wegen seiner gegenüber Plutonium 238Pu wesentlich längeren Halbwertszeit von 432,2 Jahren zur Befüllung von Radionuklidbatterien (RTG) von Raumsonden vorgeschlagen, welche dann hunderte Jahre lang elektrische Energie zum Betrieb bereitstellen würden.

Inhaltsverzeichnis

Entdeckungsgeschichte

Glenn T. Seaborg
60-Inch-Cyclotron

Americium wurde im Spätherbst 1944 von Glenn T. Seaborg, Ralph A. James, Leon O. Morgan und Albert Ghiorso im 60-Inch-Cyclotron an der Universität von Californien in Berkeley sowie am metallurgischen Laboratorium der Universität von Chicago erzeugt (heute: Argonne National Laboratory). Nach Neptunium und Plutonium war Americium das vierte Transuran, das seit dem Jahr 1940 entdeckt wurde; das um eine Ordnungszahl höhere Curium wurde als drittes schon im Sommer 1944 erzeugt. Der Name für das Element wurde in Analogie zu Europium gewählt, dem Selten-Erd-Metall, das im Periodensystem genau über Americium steht: The name americium (after the Americas) and the symbol Am are suggested for the element on the basis of its position as the sixth member of the actinide rare-earth series, analogous to europium, Eu, of the lanthanide series.[5][6]

Die Probenvorbereitung erfolgte zunächst durch Auftragen von Plutoniumnitratlösung (mit dem Isotop 239Pu) auf eine Platinfolie von etwa 0,5 cm2; die Lösung wurde eingedampft und der Rückstand dann zum Oxid (PuO2) geglüht. Nach dem Beschuss im Cyclotron wurde die Beschichtung mittels Salpetersäure gelöst, anschließend wieder mit wässrigem Ammoniak als Hydroxid ausgefällt und der Rückstand in Perchlorsäure gelöst. Die weitere Trennung erfolgte mit Ionenaustauschern. In ihren Versuchsreihen wurden der Reihe nach vier verschiedene Isotope erzeugt: 241Am, 242Am, 239Am und 238Am.

Das erste Isotop, das 241Am, isolierten sie aus einer Plutonium-Probe, die mit Neutronen bestrahlt wurde. Es zerfällt durch Aussendung eines α-Teilchens in 237Np. Die Halbwertszeit dieses α-Zerfalls wurde zunächst auf 510 ± 20 Jahre bestimmt; der heute allgemein akzeptierte Wert ist 432,2 a[3].

\mathrm{^{239}_{\ 94}Pu\ \xrightarrow {(n,\gamma)} \ ^{240}_{\ 94}Pu\ \xrightarrow {(n,\gamma)} \ ^{241}_{\ 94}Pu\ \xrightarrow [14,35 \ a]{\beta^-} \ ^{241}_{\ 95}Am\ (\ \xrightarrow [432,2 \ a]{\alpha} \ ^{237}_{\ 93}Np)}
Die angegebenen Zeiten sind Halbwertszeiten.

Das zweite Isotop, das 242Am, wurde durch erneuten Neutronenbeschuss des zuvor erzeugten 241Am gefunden. Durch nachfolgenden raschen β-Zerfall entsteht dabei 242Cm, das zuvor schon entdeckte Curium. Die Halbwertszeit dieses β-Zerfalls wurde zuerst auf 17 Stunden bestimmt, der heute als gültig ermittelte Wert beträgt 16,02 h[3].

\mathrm{^{241}_{\ 95}Am\ \xrightarrow {(n,\gamma)} \ ^{242}_{\ 95}Am\ (\ \xrightarrow [16,02 \ h]{\beta^-} \ ^{242}_{\ 96}Cm)}
Die angegebenen Zeiten sind Halbwertszeiten.

Erstmals öffentlich bekannt gemacht wurde die Entdeckung des Elements in der amerikanischen Radiosendung Quiz Kids am 11. November 1945 durch Glenn T. Seaborg, noch vor der eigentlichen Bekanntmachung bei einem Symposium der American Chemical Society: Einer der jungen Zuhörer fragte den Gast der Sendung, Seaborg, ob während des Zweiten Weltkrieges im Zuge der Erforschung von Nuklearwaffen neue Elemente entdeckt wurden. Seaborg bejahte die Frage und enthüllte dabei auch gleichzeitig die Entdeckung des nächsthöheren Elements, Curium.[7]

Americium (241Am und 242Am) und seine Produktion wurde später unter dem Namen „ELEMENT 95 AND METHOD OF PRODUCING SAID ELEMENT“ patentiert, wobei als Erfinder nur Glenn T. Seaborg angegeben wurde.[8]

In elementarer Form wurde es erstmals im Jahr 1951 durch Reduktion von Americium(III)-fluorid mit Barium dargestellt.[9]

Isotope

Von Americium sind 16 Isotope und 11 Kernisomere mit Halbwertszeiten zwischen Bruchteilen von Mikrosekunden und 7370 Jahren bekannt. Es gibt zwei langlebige α-strahlende Isotope 241Am mit 432,2 und 243Am mit 7370 Jahren Halbwertszeit. Außerdem hat das Kernisomer 242m1Am mit 141 Jahren eine lange Halbwertszeit. Die restlichen Kernisomere und Isotope haben mit 0,64 µs bei 245m1Am bis 50,8 Stunden bei 240Am kurze Halbwertszeiten.[3]

  • 241Am ist das am häufigsten erbrütete Americiumisotop und liegt auf der Neptunium-Reihe. Es zerfällt mit einer Halbwertszeit von 432,2 Jahren[3] mit einem α-Zerfall zu 237Np. 241Am gibt nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,35 % die gesamte Zerfallsenergie mit dem α-Teilchen ab, sondern emittiert meistens noch ein oder mehrere Gammaquanten.[10]
  • 242Am ist kurzlebig und zerfällt mit einer Halbwertszeit von 16,02 h[3] zu 82,7 % durch β-Zerfall zu Curium 242Cm und zu 17,3 % durch Elektroneneinfang zu Plutonium 242Pu. Das 242Cm zerfällt zu Plutonium 238Pu und dieses weiter zu Uran 234U, das auf der Uran-Radium-Reihe liegt. Das 242Pu zerfällt über die gleiche Zerfallskette wie 238Pu. Während jedoch 238Pu als Seitenarm beim 234U auf die Zerfallskette kommt, steht 242Pu noch vor dem 238U. 242Pu zerfällt durch α-Zerfall in 238U, den Beginn der natürlichen Uran-Radium-Reihe.
  • 242m1Am zerfällt mit einer Halbwertszeit von 141 Jahren[3] zu 99,541 % durch Innere Konversion zu Americium 242Am und zu 0,459 % durch α-Zerfall zu Neptunium 238Np. Dieses zerfällt zu Plutonium 238Pu und dann weiter zu Uran 234U, das auf der Uran-Radium-Reihe liegt.
  • 243Am ist mit einer Halbwertszeit von 7370 Jahren[3] das langlebigste Americiumisotop. Es geht zunächst durch α-Strahlung in Neptunium 239Np über, das durch β-Zerfall weiter zu 239Pu zerfällt. Damit steht es in Verlängerung der Uran-Actinium-Reihe.

Die Americiumisotope mit ungerader Neutronenzahl, also gerader Massenzahl, sind gut durch thermische Neutronen spaltbar.

Liste der Americiumisotope

Vorkommen

Americiumisotope entstehen im r-Prozess in Supernovae und kommen auf der Erde wegen ihrer im Vergleich zum Alter der Erde zu geringen Halbwertszeit nicht natürlich vor.

Heutzutage wird jedoch Americium als Nebenprodukt in Kernkraftwerken erbrütet; das Americiumisotop 241Am entsteht als Zerfallsprodukt (u. a. in abgebrannten Brennstäben) aus Plutonium 241Pu. Eine Tonne abgebrannten Kernbrennstoffs enthält durchschnittlich etwa 100 g verschiedener Americiumisotope.[11] Es handelt sich dabei hauptsächlich um die α-Strahler 241Am und 243Am, die auf Grund ihrer relativ langen Halbwertszeiten in der Endlagerung unerwünscht sind und deshalb zum Transuranabfall zählen. Eine Verminderung der Langzeitradiotoxizität in nuklearen Endlagern wäre durch Abtrennung langlebiger Isotope aus abgebrannten Kernbrennstoffen möglich. Zur Beseitigung des Americiums wird derzeit die Partitioning & Transmutation-Strategie untersucht.[12][13]

Gewinnung und Darstellung

Gewinnung von Americiumisotopen

Americium fällt in geringen Mengen in Kernreaktoren an. Es steht heute lediglich in Mengen von wenigen Kilogramm zur Verfügung. Durch die aufwändige Gewinnung aus abgebrannten Brennstäben hat es einen sehr hohen Preis. Seit der Markteinführung 1962 soll der Preis für Americium(IV)-oxid mit dem Isotop 241Am bei etwa 1.500 US-Dollar pro Gramm liegen.[14] Das Americiumisotop 243Am entsteht in geringeren Mengen im Reaktor als 241Am und ist deshalb mit 160 US-Dollar pro Milligramm 243Am[15] noch wesentlich teurer.

Americium wird über das Plutoniumisotop 239Pu in Kernreaktoren mit hohem 238U-Anteil zwangsläufig erbrütet, da es aus diesem durch Neutroneneinfang und zwei anschließende β-Zerfälle (über 239U und 239Np) entsteht.

\mathrm{^{238}_{\ 92}U\ \xrightarrow {(n,\gamma)} \ ^{239}_{\ 92}U\ \xrightarrow [23,5 \ min]{\beta^-} \ ^{239}_{\ 93}Np\ \xrightarrow [2,3565 \ d]{\beta^-} \ ^{239}_{\ 94}Pu}
Die angegebenen Zeiten sind Halbwertszeiten.

Danach wird, wenn es nicht zur Kernspaltung kommt, aus dem 239Pu, neben anderen Nukliden, durch stufenweisen Neutroneneinfang (n,γ) und anschließenden β-Zerfall 241Am oder 243Am erbrütet.

\mathrm{^{239}_{\ 94}Pu\ \xrightarrow {2(n,\gamma)} \ ^{241}_{\ 94}Pu\ \xrightarrow [14,35 \ a]{\beta^-} \ ^{241}_{\ 95}Am}
Die angegebenen Zeiten sind Halbwertszeiten.

Das Plutonium, welches aus abgebrannten Brennstäben von Leistungsreaktoren gewonnen werden kann, besteht zu etwa 12 % aus dem Isotop 241Pu.[14] Deshalb erreichen erst 70 Jahre, nachdem der Brutprozess beendet wurde, die abgebrannten Brennstäbe ihren Maximalgehalt von 241Am; danach nimmt der Gehalt wieder (langsamer als der Anstieg) ab.[16]

Aus dem so entstandenen 241Am kann durch weiteren Neutroneneinfang im Reaktor 242Am entstehen. Bei Leichtwasserreaktoren soll aus dem 241Am zu 79 % 242Am und zu 10 % 242mAm entstehen:[17]

zu 79 %: \mathrm{^{241}_{\ 95}Am\ \xrightarrow {(n,\gamma)} \ ^{242}_{\ 95}Am}

zu 10 %: \mathrm{^{241}_{\ 95}Am\ \xrightarrow {(n,\gamma)} \ ^{242m}_{\ \ \ 95}Am}

Für die Erbrütung von 243Am ist zunächst ein vierfacher Neutroneneinfang des 239Pu erforderlich:

\mathrm{^{239}_{\ 94}Pu\ \xrightarrow {4(n,\gamma)} \ ^{243}_{\ 94}Pu\ \xrightarrow [4,956 \ h]{\beta^-} \ ^{243}_{\ 95}Am}
Die angegebenen Zeiten sind Halbwertszeiten.

Darstellung elementaren Americiums

Metallisches Americium kann durch Reduktion aus seinen Verbindungen erhalten werden. Zuerst wurde Americium(III)-fluorid zur Reduktion verwendet. Dieses wird hierzu in wasser- und sauerstofffreier Umgebung in Reaktionsapparaturen aus Tantal und Wolfram mit elementarem Barium zur Reaktion gebracht.[9][18]

\mathrm{2\ AmF_3\ +\ 3\ Ba\ \longrightarrow \ 2\ Am\ +\ 3\ BaF_2}

Auch die Reduktion von Americium(IV)-oxid mittels Lanthan oder Thorium ergibt metallisches Americium.[19]

\mathrm{3\ AmO_2\ +\ 4\ La\ \longrightarrow \ 3\ Am\ +\ 2\ La_2O_3}

Eigenschaften

Das dunkle Dreieck in der Glasampulle beinhaltet das erstmals synthetisierte Americium (hergestellt im 60-Inch-Cyclotron im Jahr 1944).
Doppelt-hexagonal dichteste Kugelpackung mit der Schichtfolge ABAC in der Kristallstruktur von α-Am (A: grün; B: blau; C: rot).

Physikalische Eigenschaften

Americium ist ein künstliches, radioaktives Element. Frisch hergestelltes Americium ist ein silberweißes Metall, welches jedoch bei Raumtemperatur langsam matt wird. Es ist leicht verformbar. Sein Schmelzpunkt beträgt 1176 °C[19], der Siedepunkt liegt bei 2607 °C. Sein Dichte beträgt 13,67 g/cm−3[19][20]. Es tritt in zwei Modifikationen auf.

Von Americium existiert bei Standardbedingungen mit α-Am nur eine bekannte Modifikation. Diese kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P6_3/mmc\, mit den Gitterparametern a = 346,8 pm und c = 1124 pm sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle. Die Kristallstruktur besteht aus einer doppelt-hexagonal dichtesten Kugelpackung (d.h.c.p.) mit der Schichtfolge ABAC und ist damit isotyp zur Struktur von α-La.[20][18]

Bei hohem Druck geht α-Am in β-Am über. Die β-Modifikation kristallisiert im kubischen Kristallsystem in der Raumgruppe Fm\bar3m mit dem Gitterparameter a = 489 pm[20][18], was einem kubisch flächenzentrierten Gitter (f.c.c.) beziehungsweise einer kubisch dichtesten Kugelpackung mit der Stapelfolge ABC entspricht.

Die Messung der Lösungsenthalpie von Americium-Metall (d.h.c.p.) in 1 M Salzsäure (bei 298,15 ± 0,05 K) lieferte einen Wert von −620,6 ± 1,3 kJ·mol−1. Ausgehend von diesem Wert wurde die StandardbildungsenthalpieHf0) von Am3+(aq) abgeleitet auf −621,2 ± 2,0 kJ·mol−1. Mit diesen Ergebnissen wurde das Standardpotential Am3+ / Am0 erstmals auf −2,08 ± 0,01 V berechnet.[21]

Chemische Eigenschaften

Americium ist ein sehr reaktionsfähiges Element, das schon mit Luftsauerstoff reagiert und sich gut in Säuren löst. Gegenüber Alkalien ist es stabil.

Die stabilste Oxidationsstufe für Americium ist +3, die Am(III)-Verbindungen sind gegen Oxidation und Reduktion sehr stabil. Mit dem Americium liegt der erste Vertreter der Actinoiden vor, der in seinem Verhalten eher den Lanthanoiden ähnelt als den d-Block-Elementen.

Es ist auch in den Oxidationsstufen +2 sowie +4, +5, +6 und +7 zu finden. Je nach Oxidationszahl variiert die Farbe von Americium in wässriger Lösung ebenso wie in festen Verbindungen: Am3+ (gelbrosa), Am4+ (gelbrot), AmVO2+ (gelb), AmVIO22+ (zitronengelb), AmVIIO65− (dunkelgrün). Verbindungen mit Americium ab Oxidationszahl +4 aufwärts sind starke Oxidationsmittel, vergleichbar dem Permanganat-Ion (MnO4) in saurer Lösung.[22]

Im Gegensatz zum homologen Europium – Americium hat eine zu Europium analoge Elektronenkonfiguration – kann Am3+ in wässriger Lösung nicht zu Am2+ reduziert werden.

  • Die in wässriger Lösung nicht beständigen Am(IV)-Ionen lassen sich nur noch mit starken Oxidationsmitteln aus Am(III) darstellen. In fester Form sind zwei Verbindungen des Americiums in der Oxidationsstufe +4 bekannt: Americium(IV)-oxid (AmO2) und Americium(IV)-fluorid (AmF4).
  • Der fünfwertige Oxidationszustand wurde beim Americium erstmals 1951 beobachtet.[23] In wässriger Lösung liegen primär AmO2+-Ionen (sauer) oder AmO3-Ionen (alkalisch) vor, die jedoch instabil sind und einer raschen Disproportionierung unterliegen:[24][25]
\mathrm{3\ AmO_2^+\ +\ 4\ H^+\ \longrightarrow \ 2\ AmO_2^{2+}\ +\ Am^{3+}\ +\ 2\ H_2O}
Zunächst ist von einer Disproportionierung zur Oxidationsstufe +6 und +4 auszugehen:
\mathrm{2\ Am (V)\ \longrightarrow \ Am (VI)\ +\ Am (IV)}

Biologische Aspekte

Eine biologische Funktion des Americiums ist nicht bekannt.[29] Vorgeschlagen wurde der Einsatz immobilisierter Bakterienzellen zur Entfernung von Americium und anderen Schwermetallen aus strömenden Wasser. So können Enterobakterien der Gattung Citrobacter durch die Phosphataseaktivität in ihrer Zellwand bestimmte Americiumnuklide aus wässriger Lösung ausfällen und als Metall-Phosphat-Komplex binden.[30] Ferner wurden die Faktoren untersucht, die die Biosorption und Bioakkumulation des Americiums durch Bakterien[31][32] und Pilze[33] beeinflussen.

Verwendung

Für die Verwendung von Americium sind vor allem die beiden langlebigsten Isotope 241Am und 243Am von Interesse. In der Regel wird es in Form des Oxids (AmO2) verwendet. Für die Kerntechnik ist als einziges Americiumisotop mit hohem Spaltquerschnitt und geeigneter Halbwertszeit insbesondere 242m1Am von Interesse.

Röntgen-Fluoreszenzspektroskopie

Mit seiner intensiven Gammastrahlungs-Spektrallinie bei 60 keV eignet sich 241Am gut als Strahlenquelle für die Röntgen-Fluoreszenzspektroskopie.

Kalibrierquelle

Die 60 keV-Linie des 241Am wird auch zur Kalibrierung von Gammaspektrometern im niederenergetischen Bereich verwendet, da die benachbarten Linien vergleichsweise schwach sind und so ein einzeln stehender Peak entsteht. Zudem wird der Peak nur vernachlässigbar durch das Compton-Kontinuum höherenergetischer Linien gestört, da diese ebenfalls höchstens mit einer um mindestens drei Größenordnungen geringeren Intensität auftreten.[34]

Ionisationsrauchmelder

Rauchmelder

Die α-Strahlung des 241Am wird in Ionisationsrauchmeldern genutzt. Es wird gegenüber 226Ra bevorzugt, da es vergleichsweise wenig γ-Strahlung emittiert. Dafür muss aber die Aktivität gegenüber Radium ca. das Fünffache betragen. Die Zerfallsreihe von 241Am "endet" für den Verwendungszeitraum quasi direkt nach dessen α-Zerfall bei 237Np, das eine Halbwertszeit von rund 2,144 Millionen Jahren besitzt.

Radionuklidbatterien

241Am wurde wegen seiner gegenüber Plutonium 238Pu wesentlich längeren Halbwertszeit zur Befüllung von Radionuklidbatterien (RTG) von Raumsonden vorgeschlagen. Dank seiner Halbwertszeit von 432,2 Jahren könnte ein RTG mit 241Am-Füllung hunderte Jahre lang – anstatt nur einige Jahrzehnte (wie mit einer 238Pu-Füllung) – elektrische Energie zum Betrieb einer Raumsonde bereitstellen.[35]

Neutronenquellen

241Am als Oxid mit Beryllium verpresst stellt eine Neutronenquelle dar, die beispielsweise für radiochemische Untersuchungen eingesetzt wird.[2] Hierzu wird der hohe Wirkungsquerschnitt des Berylliums für (α,n)-Kernreaktionen ausgenutzt, wobei das Americium als Produzent der α-Teilchen dient. Die entsprechenden Reaktionsgleichungen lauten:

\mathrm{^{241\!\,}_{\ 95}Am\ \longrightarrow \ ^{237}_{\ 93}Np\ +\ ^{4}_{2}He\ +\ \gamma}
\mathrm{^{9}_{4}Be\ +\ ^{4}_{2}He\ \longrightarrow \ ^{12}_{\ 6}C\ +\ ^{1}_{0}n\ +\ \gamma}

Derartige Neutronenquellen kommen beispielsweise in der Neutronenradiographie und -tomographie zum Einsatz.

Weiterhin kann Americium auch als Neutronenquelle in Form eines Kernbrennstoffs in Reaktoren eingesetzt werden (s. dazu der folgende Abschnitt "Spaltmaterial").