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Das Akkordeon (Pl.: Akkordeons) ist ein Handzuginstrument, bei dem der Ton durch freischwingende, durchschlagende Zungen erzeugt wird. Es zählt somit zu den selbstklingenden Unterbrechungs-Aerophonen. Man zählt heute alle Handzuginstrumente, die auf der rechten Seite, dem Diskant, die Tastatur in einer abgewinkelten Form angebracht haben, zu den diversen Akkordeonarten. Diese Anordnung der Tastatur geht auf die ersten Wiener oder die ersten französischen Instrumente zurück. Prinzipiell würden aber auch alle anderen Sonderformen der Handzuginstrumente dazu zählen, da alle Instrumente kaum wesentliche Unterschiede in der Schallerzeugung aufweisen. Dass manche Sonderformen eher getrennt behandelt werden, ist mehr aus der Geschichte des jeweiligen Instrumentes abzuleiten. Die englische Concertina und das Bandoneon haben daher eine gewisse Sonderstellung inne.
TerminologieEs gibt eine Reihe von regionalen Bezeichnungen für das Akkordeon oder spezielle Bauformen, wie Handharmonika, Ziehharmonika, Ziehorgel, Handorgel, Riemenorgel, Quetschkommode, Quetsch, Quetschn, Zerrwanst, Tretschrank, Schifferklavier oder auch einfach Harmonika. Besonders die Begriffe „Akkordeon“ und „Harmonika“ werden teilweise synonym, aber auch abgrenzend verwendet. Die regionalen Unterschiede in Bauart, Spielweise und Bezeichnung sind derart komplex, dass eine Darstellung wie diese nur lückenhaft sein kann. Anfangs bezeichnete man mit dem Ausdruck „Harmonika“ die größeren Handzuginstrumente, die immer mit der rechten Hand gespielt wurden, also die kleinere Bauart der Physharmonika. Sprachlich ist im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte ein gewisser Tausch der Bezeichnungen eingetreten, heute wird eher das Akkordeon als die große Variante der Harmonika betrachtet, eine scharfe Begriffsabgrenzung gibt es aber nicht. Die Harmonika war ursprünglich chromatisch; siehe Geschichte des Pianoakkordeons. Im volkstümlichen Bereich werden Begriffe exklusiv für bestimmte Sonderformen verwendet. Heute wird sehr häufig von „Akkordeon“ gesprochen, wenn es sich um teurere, hochwertige und schwerere Produkte handelt, die auch für konzertantes Spiel verwendet werden. Der Begriff „Harmonika“ wird eher für leichtere Ausführungen verwendet. Aber bereits hier gibt es Ausnahmen. So wurden in Wien gerade die größeren Instrumente als „Harmonika“ bezeichnet. Regional gibt es sprachliche Unterschiede in der Benennung, grob kann gesagt werden, dass in Österreich Harmonika tatsächlich für das Akkordeon Verwendung findet, häufig aber auch als Kurzbezeichnung für die Steirische Harmonika, oft auch in der Form von Ziehharmonika. In der Schweiz wird eher der Ausdruck Orgel verwendet. In Deutschland wurde in letzter Zeit ein neuer Ausdruck geprägt, nämlich Zuginstrument oder in der verkürzten Form einfach Zugin oder Ziach (vor allem in Westösterreich und Bayern). Unterscheidet man die Regionen noch genauer, kommen umgangssprachlich noch viele weitere Bezeichnungen hinzu. Es ist daher natürlich, dass Personen aus verschiedenen deutschsprachigen Regionen die verschiedenen Bezeichnungen für derartige Instrumente mit unterschiedlichen Instrumentvarianten verknüpfen. So sind auch die Benennungen für das Instrument in den verschieden Sprachen der Erde oft von Harmonika oder Akkordeon abgeleitet. Im englischen Sprachraum wird Accordion als Oberbegriff verwendet. Um die regionalen Unterschiede in der Terminologie zu umgehen, verwenden wir hier in erster Linie den Begriff „Akkordeon“. BauartenEin Akkordeon besteht wie fast alle Handzuginstrumente aus zwei Teilen (Diskant und Bass), die durch einen Balg miteinander verbunden sind. Durch das Auseinanderziehen und Zusammendrücken der beiden Teile wird die Luft im Balg durch die Stimmstöcke in den beiden Seitenteilen geführt. Je nachdem, ob beim Ziehen und Drücken die gleichen Töne erklingen, kann grundsätzlich zwischen wechseltönigen und gleichtönigen Instrumenten unterschieden werden. Weiterhin ist eine Klassifikation nach Art der Tastenbelegung im Diskant möglich. Neben den hier aufgezählten sind noch zahllose weitere Varianten bekannt. Die Vielfalt der Akkordeons in Gruppen einzuteilen, ist schwierig. Bei praktisch allen Klassifikationssystemen zeigen sich Vor- und Nachteile sowie mehr oder weniger zahlreiche Ausnahmen.
BaugruppenStimmstöckeEin Stimmstock ist die Zusammenfassung von Kanzellen zu einer Gruppe. Die Kanzellen können direkt im Musikinstrument mit dem Gehäuse verleimt sein. Werden sie jedoch zu Stimmstöcken zusammengefasst, sind sie meistens mit dem Gehäuse verschraubt und ausbaubar. Die Kanzellen sind meistens aus Holz gefertigt, manche Billigprodukte verwenden aber auch Spritzguss-Kunststoffstimmstöcke. Der Art der Verarbeitung und dem Material kommt besondere Bedeutung zu, da die Stimmstöcke einen wesentlichen Einfluss auf den Gesamtklang eines Akkordeons ausüben. Bei der Verarbeitung kommen im Wesentlichen zwei Verfahren zum Einsatz: Entweder werden die Trennwände der Kanzellen als Einzelteile mit einer Trennwand verleimt, oder ein vorbereiteter Holzblock wird mittels CNC-Fräsmaschine in die gewünschte Form gebracht. Die obere Leiste ist meistens aus einem härteren Holz, die Grundplatte (Sohle) mit den Schallöffnungen ebenfalls. In manchen Instrumenten kommen auch Stimmstöcke zum Einsatz, die bereits die Registerschieber im Stimmstockfuß beinhalten. Die Anordnung der Stimmplatten auf den Stimmstöcken variiert sehr stark in Abhängigkeit von der jeweiligen Instrumentenvariante. Fast immer sind sie aber im Diskant an einem Ende meist kleiner als am anderen. Die Tonlöcher sind oft rechteckig ausgeführt, um den Einsatz von Registerschiebern zu ermöglichen. Die Stimmplatten sind bei den meisten Instrumenten auf den Stimmstöcken mit einer speziellen Wachsmischung aufgeklebt. Bei modernen französischen Konzertinstrumenten und bei alten Wiener Instrumenten findet man eine Befestigung mit Schrauben, Haken oder - und Nägeln, dabei wird die Stimmplatte mit einer Abdichtung aus Leder oder Kork auf den Stimmstock aufgelegt. In manchen Fällen entfällt auch eine Zwischenlage. Besonders bei der französischen Musette-Stimmung wird eine obertonreiche Klangfarbe erwünscht und durch die spezielle Art der Befestigung und Konstruktion der Stimmstöcke gefördert. Bassstimmstöcke bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit. Auch Stimmstöcke für Bassakkordeons sind meist auf eine besondere Art konstruiert (Faltung), damit die Ansprache und das Klangbild optimiert wird. Bei alten Instrumenten wird meist das Wachs hart und Stimmplatten können locker werden, was zum Rattern des Tones führt. Stimmplatten und VentileStimmplatten und Ventile sind ein wesentlicher Bestandteil des Akkordeons und sind in erster Linie maßgeblich für die erreichbare Tonqualität in Bezug auf Lautstärke, Klangfarbe, Dynamik und Tonhaltigkeit. In den meisten Instrumenten kommen heute Stimmplatten aus maschineller Fertigung zum Einsatz. Für höchste Ansprüche werden aber auch heute sogenannte „Handgemachte Stimmplatten“ verwendet. Weiterführende Information zu Stimmplatten und Ventile siehe: Stimmplatte und Stimmplattenqualität. RegisterAuf der rechten wie auf der linken Seite gibt es die Möglichkeit, die Klangfarben durch Zuschalten von bis zu fünf Chören durch sogenannte Register stark zu variieren. Bei diatonischen Instrumenten werden Register nur selten (eine Ausnahme ist das cajun accordion) verwendet. Heute hängt es stark von Hersteller und Fabrikat ab, ob Register angeboten werden oder nicht. Sehr einfache Instrumente besitzen keine Register. Zum Verschließen der Schallöffnungen für einzelne Stimmplattensätze dienen Registerschieber. Der KorpusDie beiden Gehäuseteile des rechts eingebauten Diskants mit der Klaviatur (Klaviertasten) oder der Tastatur (Knöpfe) und des links eingebauten Basses mit der Bassmechanik erfüllen hauptsächlich die Aufgabe, die nötige mechanische Basis für die eingebauten Teile bereitzustellen, aber sie schließen auch den eingeschlossenen Luftraum dicht zur Umgebung ab, so lange keine Ventile (Klappen) geöffnet werden. Zur klanglichen Komponente eines Instrumentes trägt die Art der Konstruktion nur bedingt bei. Wohl hat die Größe des freien inneren Volumens einen gewissen Anteil auf die Tonqualität in Beziehung auf Lautstärke und Klangfarbe, wie auch das verwendete Material einen sehr kleinen Beitrag leistet. Vorrangig ist aber, dass der Korpus möglichst stabil und leicht ist. Traditionell wurde Fichtenholz, aber auch andere Massivholzarten verwendet. Sehr bald hat aber die Verwendung von Mehrschichtholz Einzug gehalten, was zu sehr guten akustischen Ergebnissen führt. Beim Akkordeon gilt der Grundsatz, dass die Korpusteile möglichst nicht vibrieren sollen ähnlich wie bei Lautsprecherboxen. Somit ist ein leichtes Instrument oft akustisch schlechter als ein etwas schwereres. Es verwundert daher auch nicht, dass Einzelanfertigungen aus Plexiglas den Spieler klanglich zufriedenstellen. Leider ist Plexiglas doppelt so schwer wie Mehrschichtholz. Hingegen haben ansonsten Kunststoffmaterialen einen negativen Einfluss auf das Klangverhalten. Mit Erfolg wurden auch Gehäuseteile aus Aluminium und Magnesium gebaut. Aluminium wird oft für die Füllung (der Boden, auf dem die Klappen aufliegen) und für die Mechanik verwendet. OberflächenDie Oberflächen wurden ursprünglich wie andere Gegenstände aus Holz behandelt, jedoch kam in den 1920er Jahren mit den ersten Kunststoffen die Beschichtung mit Zelluloid auf. Heute ersetzen bereits viele Hersteller diese Verfahren mit einer etwas umweltfreundlicheren speziellen Mehrschichtlackierung. Der neueste Trend auch bei Konzertinstrumenten sind aber wieder Instrumente in Massivholzlook mit Klarlackoberflächen. Heutige Mainlineprodukte aus China und Europa sind meist mit abgerundeten Gehäusen ausgeführt. Für abgerundete Gehäuse in Naturlook lässt sich Mehrschichtholz aber schlecht einsetzen. Diskant- und BasskonstruktionDie Konstruktionen des Diskants und des Basses unterscheiden sich je nach Hersteller relativ stark, obwohl sehr viele Zulieferteile Verwendung finden.
Chromatisches AkkordeonDas Chromatische Akkordeon ist eine Bauform des Akkordeons. Zu unterscheiden sind Instrumente mit Klaviatur (Pianoakkordeon) oder Knopfgrifftastatur (Chromatisches Knopfakkordeon) auf der Diskantseite. Die Schrammelharmonika ist der Vorläufer des Chromatischen Knopfakkordeons. Griff-SystemeDie Knopfgriffinstrumente werden heute mit bis zu fünf Reihen (oder sechs Reihen bei der serbischen Dugmetar speziell für die Balkan Musik von Beltuna) gefertigt, wobei die inneren zwei (bzw. drei) Reihen eine Wiederholung von bereits vorhandenen Reihen darstellen. Es gibt B-Griff- und C-Griff-Systeme. Dabei sind die Reihen von innen nach außen beim C-Griff gegenüber dem B-Griff getauscht. Von-Janko-TastaturDiese Tastenbelegung wurde vor 1900 von Paul von Jankó erfunden, sie wird im deutschen Sprachraum auch unter „Bayreuther“ oder „6 + 6“ geführt. Die Von-Janko-Tastenbelegung hat wenig Verbreitung gefunden, es tauchen aber von Zeit zu Zeit gebrauchte Instrumente auf dem Markt auf. Die Tastatur kann sowohl mit Knöpfen als auch mit Tasten aufgebaut sein. Einige Instrumente wurden mit prismaförmigen Tasten angeboten, so ergibt sich eine bienenwabenartige Optik aus schwarzen und weißen Tasten. Eine Pianotastatur kann durch einfaches Überstülpen einer weiteren Tastaturebene sehr einfach an dieses System angepasst werden, dies ist aber aus baulichen Gründen eher bei Pianos möglich. Grundsätzlich kommt diese Tastenbelegung mit zwei Tastenreihen aus, jedoch sind meist Wiederholungsreihen (Kopplungen) vorhanden. Drei oder vier Reihen sind üblich. Bereits bei einer dreireihigen Ausführung ergibt sich gegenüber der Pianotastenanordnung ein einheitliches Griffmuster für alle Akkordtypen unabhängig von der Tonart, daher ähnliche Vorteile wie beim C- oder B-Griff. Jedoch liegen die Töne ähnlich weit auseinander wie bei der Klaviertastatur. Daher ist diese Tastatur als eine Art Hybrid beider Systeme zu sehen. Englische Webseite mit Abbildungen Bass-SystemeEs gibt zwei grundlegende Bass-Systeme. Unter Stradella-Bass, (auch Manual-II-Bass oder Standardbass genannt) versteht man die Anordnung der Basstöne in Quinten in vertikaler Richtung mit den am häufigsten gebrauchten Dur-, Moll-, Sept- und verminderten Septakkorden in horizontaler Anordnung. Der Tonumfang ist hier auf eine Oktave beschränkt, wobei jedoch, je nach Bauart und Register, bei den Basstönen bis zu fünf Oktaven gleichzeitig und bei den Akkorden bis zu drei Oktaven gleichzeitig ertönen. Heute werden fast alle Akkordeons mit diesem Stradella Bass gebaut. Im Gegensatz dazu verfügt der Melodiebass (auch Manual-III-Bass) nicht über Akkordknöpfe, hat dafür aber einen Tonumfang von bis zu fünf Oktaven und ermöglicht dadurch das tonhöhenrichtige Melodiespiel. Der Melodiebass (drei bis vier Reihen) ist entweder dem Standardbass vor- oder nachgelagert, oder kann alternativ (durch Umschalten der hinteren vier Reihen des Standardbasses durch zusätzliche Tasten) auf Melodiebass auf denselben Knöpfen gespielt werden. Ein solcher sogenannter Konverterbass ist in erster Linie bei höherwertigen Instrumenten üblich. Des Weiteren sind auch noch „Free-Bass“-Systeme auf dem Markt. Siehe auch: Sonderformen der Bassbelegung. Basskopplungen (d. h.: verdoppelte Töne) mit eigenem Schalter zum Ein- und Ausschalten findet man zusätzlich bei großen Konzertinstrumenten, z. B.: Bajan. Diatonisches AkkordeonSiehe auch Hauptartikel: Diatonisches Akkordeon Ein diatonisches Akkordeon (in Deutschland oft nur als Handharmonika oder Wiener benannt) ist - im Gegensatz zum chromatischen Akkordeon, aber ähnlich den diatonischen Mundharmonikas - wechseltönig und diatonisch aufgebaut. Bei Zug und Druck entsteht bei den meisten Tasten der Harmonika ein unterschiedlicher Ton. Es können zudem nicht alle Tonleitern gleich einfach gespielt werden, sondern bevorzugt nur die für die jeweilige Reihe vorgesehenen. Dazu gibt es entsprechende Griffschriftsysteme (Tabulaturen) in verschiedenen Ausprägungen mit einer auf das Instrument abgestimmten Notation. Die diatonischen Instrumente sind in vielfältiger Form heute auf dem Markt. Weite Verbreitung findet die sogenannte „Steirische Harmonika“ oder die tschechischen Heligonka-Instrumente. Sie weisen nur geringfügige Bauunterschiede auf. Auch die ursprünglichen Wiener Modelle ohne Gleichton sind weltweit sehr verbreitet. Die italienischen diatonischen Modelle entsprechen im Wesentlichen den ursprünglichen Wiener Modellen. Sehr verbreitet sind auch nach wie vor einreihige Instrumente, sogenannte Cajuninstrumente. Zweireihige Instrumente sind ebenfalls in weiten Teilen der Erde sehr beliebt. Eine Sonderform stellt die Zweireihige in Irland dar. Bei diesem Irischen Akkordeon sind die beiden diatonischen Reihen nicht eine Quint voneinander entfernt, sondern nur einen Halbton. Damit entsteht ein Instrument, das eigentlich chromatisch ist, dabei trotzdem wechseltönig im Aufbau bleibt. Auch sind weitere Varianten der Tastenbelegungen in Verwendung. Die russische Garmoshka (was übersetzt auch wieder Harmonika bedeutet) sieht ähnlich aus, ist aber chromatisch. Die deutsche Konzertina und die Anglo Concertina sind äußerlich stark in ihrer Bauform abweichende, aber ebenfalls diatonische Instrumente. Griff-SystemeDie Knopfgriffinstrumente werden heute mit bis zu fünf Reihen gefertigt. Es gibt eine sehr große Vielfalt an Tastenbelegungen, die Variationen zum ursprünglichen Wiener Modell sind oft relativ gering, aber doch für die Spieltechnik von Bedeutung. Das Club-Modell und das Schwyzerörgeli belegen die dritte Diskantreihe mit Halbtönen. Bass-SystemeGrundsätzlich kann die Bassseite ähnlich oder gleich aufgebaut sein wie bei chromatischen Instrumenten. Dies kommt etwa beim Schottischen Akkordeon vor. Am häufigsten sind jedoch wechseltönige Bässe mit circa je vier Knöpfen pro korrespondierender Reihe am Diskant. Die Belegung und die Anordnung der Knöpfe variiert äußerst stark. Das grundlegende Muster der Belegung ist aber fast immer so, dass zumindest auf Druck Grundton und Begleiter der Tonika zur entsprechenden Reihe erklingen, auf Zug die Dominante. Weitere Angaben siehe bei der Beschreibung der individuellen Instrumenttypen. Siehe auch: Sonderformen der Bassbelegung. GeschichteVorläuferÜblicherweise wird angenommen, dass die Mundharmonika die Vorläuferin der Handharmonika war. Dies aber ist ein Irrtum. Zuerst erhielten Kirchenorgeln und Flügel (Piano Forte) Register mit durchschlagenden Zungen (siehe Vorläufer des Harmoniums). [1] Die direkten Vorläufer des Harmoniums sind allerdings die Aeoline und Physharmonika genannten Instrumente. Die Aeoline wurde um 1810 von Bernhard Eschenbach zusammen mit seinem Cousin Johann Caspar Schlimbach entwickelt, wobei sich die beiden von der Maultrommel anregen ließen. Die Physharmonika wurde 1821 in Wien von Anton Haeckl patentiert. 1824 bekam Anton Reinlein in Wien ein Patent für eine Verbesserung der Handharmonika.[2] [3] [4] Die Massenproduktion von Mundharmonikas setzte vor der Produktion der kleinen diatonischen Instrumente ein. In einer Druckschrift des Musikinstrumentenmuseum SIMPK in Berlin, die anlässlich der Ausstellung „in aller Munde“ herausgegeben wurde, lesen wir:
Bereits 1827/28 baute Christian Messner in Trossingen die ersten Mundharmonikas nach. 1829 ließ Charles Wheatstone das Symphonium patentieren, eine Art Luxusmundharmonika. Er verbesserte das deutsche Wind-Instrument. Zu dieser Zeit waren derartige Instrumente zumindest in wohlhabenden Kreisen oder unter Musikern bekannt. Auch Weltausstellungen waren bereits üblich, um neue technische Errungenschaften dem Publikum zu präsentieren.[6][7][8][9] Demians PatentBei seinem Patent vom 6. Mai 1829 verwendet Cyrill Demian in Wien zum ersten Mal die Bezeichnung „Accordion“ für sein neuartiges Instrument, da bei jeder Taste 3- bis 5-tönige Akkorde eingebaut waren. Neu war die extrem kleine Ausführung. So wurde die einfachste Variante nur mit der linken Hand gespielt und war so ein reines Begleitinstrument. Dieses Instrument war wechseltönig (d. h. auf Zug und Druck klingen unterschiedliche Töne) und diatonisch (d. h. es können nur die Töne bestimmter Tonleitern, pro Reihe gespielt werden). Diese Wechseltönigkeit war ebenfalls neu, da die zur selben Zeit gebauten großen Instrumente gleichtönig waren. Wegen seiner geringen Größe und des niedrigen Preises verbreitete sich das Instrument sehr rasch. So konnten z. B. Pilger das Instrument auf ihre Reisen mitnehmen, was mit großen Harmonikas nicht möglich war. Cyrill Demian und andere Instrumentenbauer in Wien bauten auch größere Instrumente in ähnlicher Art. Spielanleitungen für Melodieinstrumente sind bereits aus dem Jahre 1833 bekannt. VielfaltIm Jahr 1833 veröffentlichte der bekannte Wiener Komponist und Kapellmeister Adolph Müller eine Spielanleitung zum Selbsterlernen der diatonischen Harmonika.[10] Dem Text der Einleitung ist zu entnehmen, dass zu dieser Zeit bereits viele verschiedenartige Instrumente gebaut wurden. Er empfahl ein „vollkommenes Instrument“, welches sowohl Bassteil als auch Diskantteil besitzt. Diese Instrumente hatten bis zu 3 Tastenreihen mit allen chromatischen Basstönen.
Weitere EntwicklungDie Instrumente in der einfachen Bauform fanden sehr rasch Verbreitung:
Die deutsche Harmonika
Bekannte Akkordeonbaufirmen waren damals: C. A. Seydel, I.C. Herold, G.A. Dörfel, Dörfel-Steinfelser & Co., F. A. Böhm, Otto Weidrich, Karl Eschbach, Ernst Leiterd, F. A. Rauner A.G., Robert Mühlmann, Gebrüder Gündel. Paolo Soprani in Italien baute ebenfalls seine ersten Instrumente nach dem Vorbild Demians. Siehe auch
PädagogikDas Akkordeonspiel kann an Musikschulen gelernt werden. An den Hochschulen konnte sich das Instrument vor allem in der zeitgenössischen Kammermusik etablieren. Mehrere Institute in Deutschland - unter anderem in Bremen, Trossingen, Freiburg im Breisgau, Würzburg, Weimar, Hannover, Essen, Wuppertal und Nürnberg - bieten entsprechend spezialisierte Studiengänge (KA, KP, Komposition, Lehramt) an. Eine interessante Sonderstellung nimmt zweifellos das Hohner-Konservatorium Trossingen (nicht zu verwechseln mit der Musikhochschule am gleichen Ort) ein, wo unter anderem Dirigenten am aus den Mitstudierenden zusammengesetzten Akkordeonorchester ausgebildet werden. Auch die diatonischen Instrumente haben Zugang zu den Hochschulen gefunden. An den Konservatorien in Linz, Salzburg, Graz, Klagenfurt, Innsbruck und München wird das Studium der Steirischen Harmonika gelehrt. HerstellerEiner der größten Akkordeon-Hersteller ist die Matthias Hohner AG in Trossingen. Besonders die Modelle der Serien „Morino“ und „Gola“ sind weltweit geläufig. Ende der 1990er Jahre wurde die Matthias-Hohner AG an asiatische Investoren verkauft, so dass heute ein Teil der Instrumente und insbesondere die Komponenten in China gefertigt werden. In Trossingen ist nur noch ein kleiner Stamm von Mitarbeitern verblieben. Eine weitere deutsche Herstellerfirma ist in Klingenthal die Fa. Harmona mit dem Markennamen Weltmeister; sie ist die älteste Akkordeonfabrik der Welt (seit ca. 1852), die aus rund 50 Familienbetrieben in Klingenthal im südlichen Vogtland entstanden ist. Auch Handwerksbetriebe wie Öllerer, Schneeberg und Hartenhauer in Deutschland fertigen eine beträchtliche Zahl an Instrumenten. In Italien gibt es ca. 50 Akkordeonbauer alleine in Castelfidardo und Umgebung - bekannte Namen sind hier Beltuna, Bugari, Ballone Burini, Borsini, Brandoni (Familie Bompezzo, einer der Markennamen ist byMarco), Menghini (heutiger Firmenname Suani, mit den Markennamen Scandalli SEM, Paolo Soprani), Pigini, Victoria. In Finnland: Lasse Pihlajamaa (heute Pigini) und andere, und in einigen osteuropäischen Staaten: Jupiter, Tula, u. a. In Österreich werden ca. 20.000 diatonische Harmonikas im Jahr produziert (Müller, Strasser, Schmidt, Novak, Jamnik, Zernig) So vielfältig wie die Musiker sind auch die Meinungen über Qualität und Vorzüge der einzelnen Marken. Die Vielzahl der technischen Komponenten am Akkordeon bringt es mit sich, dass die Instrumente nur noch selten von den Herstellern komplett gefertigt werden. Auch große Marken greifen für Einzelkomponenten auf Zulieferer zurück. So ist es für die Beliebtheit der Instrumente nicht nur ausschlaggebend, um welche Marke und welches Modell es sich handelt, sondern zum Beispiel auch, in welcher Zeit es gebaut wurde. Viele billige Instrumente einschließlich manche einfachen Hohner kommen heute aus China, auch wenn ein deutsch oder italienisch klingender Markenname am Instrument etwas anderes vorgibt. Wie bei vielen anderen Produkten auch haben die chinesischen Instrumente an Qualität gewonnen, so dass heute vor allem bei Schülerinstrumenten nicht mehr unbedingt vom Kauf eines chinesischen Akkordeons abgeraten werden muss. AkkordeonmusikLiteraturDie Akkordeonliteratur konnte sich entsprechend dem noch jungen Alter des Instruments erst im 20. Jahrhundert entwickeln. Inzwischen existiert eine große Palette zeitgenössischer Werke aller Genres und Schwierigkeitsgrade in unterschiedlichen Besetzungen vom Solo bis zur Integration in sinfonische Klangkörper, v.a. aber in der Kammermusik. Zusätzlich ist es möglich, auf dem Akkordeon mit Melodiebass - bei sorgfältiger Auswahl - Werke aus der Klavier- und Orgelliteratur zu spielen. Hier sind besonders barocke Werke geeignet (z. B. von J. S. Bach und D. Scarlatti). Gleichzeitig wurden durch eine Fülle von Transkriptionen auch die vor der Erfindung des Instruments datierenden musikalischen Epochen erschlossen. AkkordeonorchesterBeim Akkordeonorchester handelt es sich hauptsächlich nur um einen Klangkörper mit völlig gleicher Tonerzeugung und einheitlicher Tonfarbe. Daher kann ein Akkordeonorchester nicht mit einem Sinfonieorchester, sondern eher mit einem Streichorchester verglichen werden. Es finden sich deckungsgleiche Entsprechungen der fünf Stimmen, sodass sich auch reine Streicherkompositionen am besten für Akkordeonorchester eignen. Auch ist hier eine Transkription sehr leicht. Am Anfang der Entwicklung stand die alleinige Verwendung von diatonischen Instrumenten im sogenannten Harmonikaorchester. Die ersten Orchester dieser Art wurden nach dem ersten Weltkrieg, etwa nach 1925 gegründet. Fortschritte im Instrumentenbau brachten es mit sich, dass das Akkordeon mit seinen schaltbaren Klangfarben immer mehr Eingang ins Orchester fand. So änderte das Bevorzugen des Piano- und auch des Knopfgriffakkordeons im Akkordeonorchester dessen innere Struktur. Das wurde schließlich bestimmend für die Literatur. Es waren damit die Voraussetzungen geschaffen, dass sich ein eigener Akkordeonorchester-Stil entwickeln konnte. Heute gibt es drei Arten des gemeinsamen, orchestralen Akkordeonspiels, die sich allerdings nicht streng von einander abgrenzen lassen:
Als Zusatzinstrumente kommen Bass, Elektronium oder Keyboards, Schlagzeug, Percussion und Pauken zur Verwendung. Zuweilen wird auch ein Kontrabass verwendet, der viele klangliche Vorteile gegenüber dem Bassakkordeon aufweist. VerbändeDer Deutsche Harmonikaverband e. V. (DHV) ist mit 120.000 Aktiven einer der größten deutschen Laienmusikverbände. Die meisten Mitglieder sind in den über 1150 Mitgliedsvereinen organisiert, die neben der Aus- und Weiterbildung der Spieler auch einen Orchesterbetrieb und regelmäßige Veranstaltungen aufrechterhalten. Gegründet wurde der DHV 1931, der Hauptsitz ist in Trossingen. Präsident ist der baden-württembergische Wirtschaftsminister Ernst Pfister. Der Verein ist beim Amtsgericht in Spaichingen registriert und teilt sich in verschiedene Landesverbände auf (z. B. Landesverband Bayern), welche wiederum in mehrere Bezirke und Kreisvereinigungen untergliedert sein können (z. B. Bezirk Karlsruhe). Über 75 % der Mitglieder sind Jugendliche und daher spielte die Jugendarbeit beim DHV schon immer eine sehr wichtige Rolle. In Baden-Württemberg wurde aus diesem Grund im Jahre 1981 eine Jugendorganisation des Verbands gegründet, die Akkordeon-Jugend Baden-Württemberg. Sie bündelt die Interessen der jugendlichen Mitglieder und ist mit einem umfangreichen überfachlichen Angebot präsent. Vorsitzender des Jugendverbands ist Andreas Geiss. SonstigesWeltgrößtes AkkordeonDas größte Akkordeon der Welt, das auch im Guinness-Buch der Rekorde erwähnt wird, befindet sich im Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen. Es ist 1,80 Meter hoch, besitzt 128 Diskanttasten und 423 Bassknöpfe, davon 360 klingende und wiegt über 100 Kilogramm. Dieses Gewicht erforderte das Anbringen von Rädern, damit das Instrument bewegt werden konnte. Der Balg kann bis zu 2000 Liter Luft aufnehmen. Das Akkordeon wurde von der Firma Glaß und Schmidt gebaut. Die Konstruktion stellt eine handwerkliche Meisterleistung dar und war ein enormer Arbeitsaufwand. Aus diesem Grund wurden die im Zweiten Weltkrieg ausgebauten Tonzungen nicht wieder eingesetzt. Daher ist das Akkordeon heute nicht mehr spielbar. Die sechsköpfige weibliche Artistengruppe, die das Instrument zwischen 1938 und 1940 bespielte, hatte im Jahr 1938 Auftritte im Kristallpalast in Leipzig, im Apollotheater Nürnberg und in der Berliner Scala. [11] Ein ähnlich großes Akkordeon befindet sich im Akkordeonmuseum in Castelfidardo, dieses Instrument ist für Besucher zugänglich und auch spielbar. Siehe auchQuellen
Filme
Literatur
Weblinks
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