Bekannt wurde sie durch eine große Anzahl von Kriminalromanen und Kurzgeschichten, die auch mehrfach mit großem Erfolg verfilmt wurden. Ihre berühmtesten Schöpfungen sind der belgische Detektiv Hercule Poirot und die altjüngferliche Miss Marple. Daneben gibt es andere Figuren wie Tommy und Tuppence Beresford oder Inspektor Battle. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit unterstützte sie eigenhändig und mit Begeisterung für die Sache ihren zweiten Ehemann, den Archäologen Max Mallowan, auf seinen Ausgrabungen im Nordirak und in Syrien, insbesondere bei der Restaurierung prähistorischer Keramiken und der Fotodokumentation der Funde. Sie trug maßgeblich zur Finanzierung dieser Expeditionen bei.
Christie kam 1890 im britischen Torquay (Grafschaft Devon) als das jüngste Kind des Amerikaners Frederick Alvah Miller und dessen englischer Ehefrau Clara Boehmer zur Welt. Sie hatte eine Schwester, Margaret Frary Miller (1879–1950), genannt 'Madge' und einen Bruder, Louis Montant Miller (1880–1929), genannt 'Monty'. Ihr Vater bezog Einkommen aus Geschäften in Übersee, über die nichts Näheres bekannt ist, welche der Familie aber ein Leben in Wohlstand ermöglichten. Er starb bereits 1901, Agatha war damals 11 Jahre alt.
Agatha Christie wuchs in der viktorianischen Villa Ashfield in Torquay auf und wurde bis zu ihrem 16. Lebensjahr nicht in einer Schule, sondern von ihren Eltern (bzw. der Mutter) unterrichtet, die früh ihr schriftstellerisches Talent erkannten. Mit 11 Jahren veröffentlichte sie ein erstes Gedicht in einem Lokalblatt.
Ihr zunächst begonnenes Musikstudium in Paris gab sie mit Beginn des Ersten Weltkriegs auf und arbeitete als Krankenschwester (Voluntary Aid Detachment) beim Britischen Roten Kreuz im örtlichen Krankenhaus, später in einer Apotheke. In dieser Zeit sammelte sie viele Erfahrungen mit Giften, die später in ihren Werken eine Rolle spielten.
1914 heiratete sie Oberst Archibald Christie, einen Flieger der königlichen Luftwaffe. Mit ihm hatte sie eine Tochter, Rosalind Margaret Clarissa Christie, die am 5. August 1919 geboren wurde.
1920 erschien ihr erster Krimi: Das fehlende Glied in der Kette (engl.: The Mysterious Affair at Styles) mit dem belgischen Detektiv Hercule Poirot zunächst in den USA, dann in England. Schlagartig berühmt wurde Christie jedoch erst mit dem 1926 veröffentlichten Werk Alibi (engl.: The Murder of Roger Ackroyd). Christie verwendete in diesem Roman absichtlich sämtliche Klischees, die man in einem Kriminalroman erwartete (von den stereotypischen Verdächtigen bis hin zur Bibliothek als Schauplatz des Verbrechens), um die Leser in Sicherheit zu wiegen und diese mit einer niemals zuvor verwendeten Lösung zu schockieren. Inzwischen wird der Roman als eines ihrer besten Bücher angesehen.
In ihrer schriftstellerischen Tätigkeit hatte Agatha Christie schnell Erfolg, privat jedoch verliefen die Zwanziger Jahre eher unglücklich: Ihr Mann ließ sie berufsbedingt häufig allein, 1926 starb ihre Mutter – ein Ereignis, das sie stark mitnahm, außerdem musste Ashfield geräumt werden. Ohnehin erschöpft von dieser Situation, gestand ihr Mann ihr die Affäre mit einer Golfpartnerin. Christie brach vollkommen zusammen, verließ das Haus, und wurde nach einer spektakulären Suchaktion zehn Tage später in einem Hotel in Harrogate aufgefunden – mit einem fast kompletten Gedächtnisschwund bezüglich dieser zehn Tage. 1928 wurde die Ehe geschieden. Die Geschichte um das Verschwinden von Agatha Christie wurde 1979 von Regisseur Michael Apted filmisch umgesetzt in Das Geheimnis der Agatha Christie (engl. Titel: Agatha) mit Vanessa Redgrave in der Hauptrolle.
Um sich von den Strapazen der vergangenen Jahre zu erholen, entschied sie sich relativ spontan im Herbst dieses Jahres 1928 zu einer ausgedehnten Reise in den Nahen Osten und reiste mit dem Orient-Express nach Bagdad. Diese Spontanentscheidung (eigentlich hatte sie die Westindischen Inseln als Reiseziel gedacht) sollte das Leben Agatha Christies maßgeblich verändern und großen Einfluss auf ihr schriftstellerisches Werk ausüben. Es war allerdings nicht ihre erste Begegnung mit dem Nahen Osten, denn bereits als junge Frau war sie mit ihrer Mutter in Kairo gewesen. Von Bagdad aus reiste sie weiter nach Ur, wo der Archäologe Leonard Woolley mit Ausgrabungen beschäftigt war, die seinerzeit in England starkes Aufsehen erregten. Er und seine Frau Katharine empfingen die Berühmtheit Agatha Christie hocherfreut; sie blieb längere Zeit beim Grabungsteam und freundete sich mit den Woolleys an, was sie allerdings nicht daran hinderte, sie später in ihrem Roman Mord in Mesopotamien zu recht unerfreulichen Hauptfiguren zu verarbeiten. Als sie nach London zurückkehrte, tat sie dies mit einer Einladung Katherines im Gepäck, im Frühjahr 1930 zurückzukehren.
Bei diesem zweiten Aufenthalt in Ur lernte sie den 14 Jahre jüngeren Archäologen Max Mallowan kennen, der als Grabungsassistent bei Woolley arbeitete (allerdings bei ihrem ersten Besuch wegen einer Blinddarmentzündung abwesend war). Mallowan war von den Woolleys „abkommandiert“ worden, Agatha die Ausgrabungen und die Gegend zu zeigen. Bei dieser Gelegenheit verliebten sich die beiden. Agatha Christie musste sehr bald (noch im Frühjahr 1930) wegen einer Erkrankung ihrer Tochter nach England zurückkehren, Max Mallowan begleitete sie auf dieser Rückfahrt bereits. Zögerlich nahm Agatha schließlich einen Heiratsantrag des so viel jüngeren Max an, am 11. September 1930 heirateten die beiden in Edinburgh.
1930 tauchte mit dem Roman Mord im Pfarrhaus (engl.: The Murder at the Vicarage) eine neue Detektiv-Figur auf: die altjüngferliche Miss Marple. In den darauffolgenden Jahren schrieb Agatha Christie zahlreiche Romane. Viele davon entstanden während der archäologischen Expeditionen mit ihrem Mann. Ihre Erlebnisse von einer der Expeditionen, die sie nach Syrien führte, schildert sie in Erinnerung an glückliche Tage (engl.: Come, tell me how you live). Vorhang (engl.: Curtain), Hercule Poirots letzten Fall, und Ruhe unsanft (engl.: Sleeping murder) mit Miss Marple schrieb sie schon 1940. Beide Romane wurden aber erst kurz vor bzw. nach ihrem Tod veröffentlicht, da Agatha Christie beide als stille Reserve für unerwartete Fälle zurückbehalten wollte. Außerdem ist Vorhang in der Tat Poirots letzter Fall, denn seine Schöpferin war seiner so überdrüssig, dass sie ihn sterben ließ. Da Poirot aber ihre Haupteinnahmequelle war, war es nötig, dass er bis zum Erscheinen von Vorhang noch einige Fälle löste.
Agatha Christies Tochter Rosalind heiratete zu Beginn des Zweiten Weltkriegs Hubert Prichard und brachte am 21. September 1943 den Sohn Mathew Prichard zur Welt. Ihr Mann fiel im Krieg und sie ging 1949 eine Ehe mit Anthony Hicks ein. Sie starb am 28. Oktober 2004.
Agatha Christie machte auch im Theater Karriere, denn aufgrund schlechter Erfahrungen beschloss sie ihre Stücke nur noch selbst für die Bühne zu bearbeiten und war mit Begeisterung bei der Produktion dabei. Eines ihrer Bühnenstücke ist Die Mausefalle, welches das am häufigsten aufgeführte Theaterstück weltweit ist.
1970 erschien zu ihrem 80. Geburtstag der für Christie atypische Roman Passenger to Frankfurt, in dem es um eine Weltverschwörung von Neo-Nazis geht. Das umstrittene Buch wurde 2008 letztendlich auf Deutsch übersetzt.
Ihren letzten Roman Alter schützt vor Scharfsinn nicht (engl.: Postern of fate) schrieb sie zwischen 1973 und 1974.
Am 12. Januar 1976 starb Agatha Christie in Winterbrook House im Ort Wallingford, Grafschaft Oxfordshire an einem Schlaganfall. 1977 erschien schließlich ihre Autobiografie Meine gute alte Zeit (engl.: An Autobiography), die größtenteils in den Jahren 1950 bis 1965 entstanden war. Eine flüssig geschriebene, ehrliche Erinnerung an Dinge, die Agatha Christie wichtig gewesen sind, mit Schwerpunkt auf ihrer Kindheit. Ergänzend zu ihrer Autobiografie kann die Biografie von Janet Morgan herangezogen werden. Agatha Christies Tochter Rosalind bat Mrs. Morgan, eine autorisierte Biografie ihrer Mutter zu verfassen. Durch umfangreiches Quellenstudium und Befragung von Agathas Freunden entstand eine detaillierte Schilderung ihres Lebens.
Insgesamt schrieb Agatha Christie 66 Kriminalromane, aber auch Kurzgeschichten und Bühnenstücke. Nach konservativen Schätzungen hat Agatha Christie über zwei Milliarden Bücher verkauft, wie ihr Enkel und Erbe Mathew Prichard auf der offiziellen Christie-Website betont. Damit gilt sie als die erfolgreichste Kriminalschriftstellerin der Welt. Unter dem PseudonymMary Westmacott schrieb sie außerdem sechs romantische Bücher. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Verfilmungen ihrer Bühnenstücke und Bücher.
The Road of Dreams (jetzt zwei Bände); 1. Band: wie 1924; 2. Band with
Things (vier Gedichte)
Places (fünf Orte)
Love Poems and Other (elf leidenschaftliche Aufrufe zur Liebe)
Verses of Nowadays (vier Gedichte)
Bühnenstücke
Datum
Titel
Premierenort
15.5.1928
Alibi
Prince Of Wales' Theatre, London
8.12.1930
Black Coffee
Embassy Theatre, London
31.3.1936
Love from a Stranger (nach der Vorlage Philomel Cottage, deutsch: Haus Nachtigall)
New Theatre, London
1.5.1940
Peril at End House
Vaudeville Theatre, London
17.11.1943
Ten Little Niggers
St. James Theatre, London
27.6.1944
Ten Little Indians (nach der Vorlage Ten Little Niggers)
Broadhurst Theatre, New York
31.3.1945
Appointment with Death
Piccadilly Theatre, London
19.3.1946
Murder on the Nile
(nach der Vorlage Death on the Nile)
Ambassadors Theatre, London
19.9.1946
Hidden Horizon (nach der Vorlage Death on the Nile)
Plymouth Theatre, New York
14.12.1949
Murder at the Vicarage
Playhouse Theatre, London
7.6.1951
The Hollow (ohne Hercule Poirot)
Fortune Theatre, London
28.10.1953
Witness for the Prosecution
(deutsch: Zeugin der Anklage)
Winter Garden Theatre, London
14.12.1954
Spider’s Web
Savoy Theatre, London
4.9.1956
Towards Zero
St. James’ Theatre, London
22.5.1958
Verdict
Strand Theatre, London
12.8.1958
The Unexpected Guest
Duchess Theatre, London
25.3.1960
Go Back for Murder
(nach der Vorlage Five Little Pigs; ohne Hercule Poirot)
Duchess Theatre, London
20.12.1962
Rule Of Three (drei Einakter: The Rats, Afternoon at the Seaside und The Patient)
Duchess Theatre, London
1972
Fiddlers Three
21.9.1977
A Murder Is Announced
Vaudeville Theatre, London
9.12.1981
Cards on the Table
Vaudeville Theatre, London
Akhnaton
bisher nicht aufgeführt
Ihr berühmtestes Bühnenstück: Die Mausefalle
Das aus einem Hörspiel entstandene Kriminalstück The Mousetrap (dt.: Die Mausefalle) wird seit seiner West-End-Premiere am 25. November 1952 ununterbrochen in London gespielt und hält damit einen einsamen Rekord in der Theatergeschichte, der auch im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet ist. Das Stück hatte zuerst einige Aufführungen außerhalb Londons – die Uraufführung fand am 6. Oktober 1952 in Nottingham statt – bevor es im Londoner West End zuerst am New Ambassadors Theatre und ab 1974 am benachbarten, größeren St. Martin’s Theatre Erfolge feierte. Am 25. November 2002 wurde das 50-jährige Jubiläum im Beisein von Königin Elizabeth II. gefeiert. Im Laufe der Jahre wurde das Stück alleine in London ca. 22.000 mal gespielt. Weiterhin wurde es bisher in 24 Sprachen übersetzt und in 40 Ländern aufgeführt. Damit hat es über 10 Millionen Zuschauer erreicht. Die Rechte schenkte sie ihrem einzigen, damals sieben Jahre alten Enkel Mathew Prichard zum Geburtstag, der sie bis heute innehat.
Hörspiele
Jahr
Titel
Darsteller
1937
The Yellow Iris
1947
Three Blind Mice
1948
Butter in a Lordly Dish (deutsch: Legale Tricks)
1953
Partners in Crime
1960
Personal Call (deutsch: Die Stimme aus dem Grab)
Filme
Jahr
Titel
Darsteller
1928
Die Abenteuer G.m.b.H.
(nach der Vorlage Ein gefährlicher Gegner)
1931
The Murder Of Roger Ackroyd (Alibi)
Austin Trevor als Hercule Poirot
1931
Black Coffee
Austin Trevor als Hercule Poirot
1934
Thirteen At Dinner
Austin Trevor als Hercule Poirot
1945
And Then There Were None
(nach der Vorlage Ten Little Niggers [1.])
Die Lady mit dem Gift. Das Leben der Agatha Christie. Deutsche Fernsehdokumentation von Peter Reichelt, ZDF 1987, 45 Minuten
Mord als Märchen? Der Erfolg der Agatha Christie. Britische Fernsehdokumentation von und mit Janet Morgan, 1986, 45 Minuten
Agatha Christie – Mein Leben in Bildern. Dokumentarfilm, Großbritannien 2004, Regie: Richard Curson-Smith, 90 Minuten
Computerspiele nach Romanen von Agatha Christie
Nachdem 2004 Mathew Prichard, Enkel der Schriftstellerin, die Rechte abgab, kündigten AWE Games und The Adventure Company Anfang 2005 an, fünf Computerspiele auf Basis von Agatha-Christie-Romanen zu entwickeln. Bislang sind die PC-Umsetzungen Und dann gabs keines mehr, Mord im Orientexpress und das auf Das Böse unter der Sonne basierende Spiel erschienen. Bei den Spielen handelt es sich um klassische Point-and-Click-Adventures.
Sonstiges
Nach Agatha Christie wurde vor einiger Zeit auch eine Rose benannt (Ramira KORmeita Agatha Christie Kordes (D) 1988).
Im Jahr 2000 erhielt Agatha Christie im Rahmen der Millenniumsfeierlichkeiten den US-amerikanischen Anthony Award als beste Kriminal- und Mysteryautorin des Jahrhunderts und setzte sich gegen die nominierten Raymond Chandler, Dashiell Hammett, Dorothy L. Sayers und Rex Stout durch. Als beste Serie triumphierte Christies Hercule-Poirot-Reihe vor den nominierten Ed McBain (87. Polizeirevier), Marcia Muller (Sharon-McCone-Serie), Dorothy L. Sayers (Lord-Peter-Wimsey-Reihe) und Rex Stout (Nero-Wolfe-Serie).
Gerd Egloff: Detektivroman und englisches Bürgertum: Konstruktionsschema und Gesellschaftsbild bei Agatha Christie. Bertelsmann Universitätsverlag (Literatur in der Gesellschaft), Düsseldorf 1974, ISBN 3-571-05045-2 (vergriffen)
Janet Morgan: Agatha Christie. Das Leben einer Schriftstellerin – spannend wie einer ihrer Romane (engl.: Agatha Christie. A Biography), Heyne, München 1990, ISBN 3-453-02619-5 (vergriffen)
Anne Hart: Agatha Christie’s Hercule Poirot. Sein Leben und seine Abenteuer, Scherz, Bern 1991; als Taschenbuch 1994, ISBN 978-3-502-51472-5
Anne Hart: Agatha Christie’s Miss Marple. Ihr Leben und ihre Abenteuer, Scherz, Bern 1991; als Taschenbuch 1994, ISBN 978-3-502-51447-3
Monika Gripenberg: Agatha Christie, Rowohlt, Reinbek 1994, ISBN 3-499-50493-6
I. I. Revzin: Zur semiotischen Analyse des Detektivromans am Beispiel der Romane Agatha Christies, in: Jochen Vogt (Hrsg.): Der Kriminalroman. Poetik – Theorie – Geschichte, Fink (UTB 8147), München 1998, ISBN 3-8252-8147-7
Charlotte Trümpler (Hrsg.): Agatha Christie und der Orient – Kriminalistik und Archäologie. Ausstellungskatalog Ruhrlandmuseum Essen, Scherz, Bern 1999, ISBN 3-502-15750-2 (vergriffen)
Dawn B. Sova: Das große Agatha Christie-Buch. Ihr Leben und ihre Romane von A bis Z, Scherz, Bern 2006, ISBN 3-502-15051-6