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Necronomicon als Requisite
Das Buch Necronomicon ist die wohl berühmteste Schöpfung des US-amerikanischen Horror-Autors H. P. Lovecraft. Dieses fiktive Buch ist in die Horror- und Fantasyliteratur eingegangen wie kaum ein anderes und ist in „verschiedenen Versionen“ erhältlich.
EntstehungsgeschichteDie wichtigste Darstellung der Fiktion ist ein Essay von H. P. Lovecraft aus dem Jahr 1927, das unter seinen Freunden und anderen Autoren sehr verbreitet war, „History of the Necronomicon“ (dt. Titel: Geschichte und Chronologie des Necronomicons). Darin beschrieb er knapp die Geschichte des Buches, von Abdul Alhazred beginnend bis zu den „Übersetzungen“, die bis zur heutigen Zeit noch existierten. Dieses Essay ist der Hauptgrund aller sich hartnäckig haltenden Vermutungen und wilden Theorien um ein real existierendes Necronomicon. „Arabisches Original“Das Necronomicon des Cthulhu-Mythos soll etwa im Jahr 730 n.Chr. von dem Schriftsteller Abd Al'Azrad (auch Abdul Al'hazred genannt) unter dem Titel Kitab Al'Azif (Buch vom Summen, das heißt vom Geräusch, das die Wüstendämonen machen) verfasst worden sein, und ausführlich von verschiedenen Gottheiten und vormenschlichen Rassen auf der Erde berichtet haben. Eine limitierte broschierte Edition "Al Azif: The Necronomicon" von L. Sprague de Camp, 1973 veröffentlicht bei Wildside PR soll den Eindruck einer mysteriösen Handschrift vermitteln, die in einer als Duriac bezeichneten Sprache abgefasst worden sei, wie Sprague de Camp im Vorwort schreibt. Und auch wenn im Vorwort vor einer Übersetzung oder lauten Lesung gewarnt wird, so erweist sich das Ganze bei näherem Hinschauen als Schwindel. Denn die außerordentlich verschnörkelten Zeichen, welche durchaus etwas an Arabisch aber mehr noch an Syriac (Estrangelo) erinnern, sind derart ineinander verknotet, dass eine Entwirrung fast unmöglich scheint. Mehr noch: Der Text entpuppt sich als Wiederholung von Textbögen des Buches, so dass im Grunde nur höchstens weniger als ein Drittel des Buches als fortlaufender Text gesehen werden kann, während in den anderen zwei Dritteln des Buches dieser nur mehrfach wiederholt wird. Und das in einer Präzision, die nur Vervielfältigungsmaschinen bewerkstelligen können. Das Geheimnisvolle liegt hier nur in der Mühe des Schreibers, indem dieser viel Energie aufbringen musste, eine fiktive Schrift über dutzende Seiten stilecht durchzuhalten. Al'Azrad soll um 700 in Sanaa im Jemen geboren und dort in seinen jungen Jahren ein relativ bekannter Poet gewesen sein. Im Alter von etwa 20 Jahren soll er sich auf eine zehnjährige Reise durch die innerarabische Wüste begeben und die Geheimnisse der vergangenen Hochkulturen von Ägypten und Babylon erforscht haben. Laut Lovecraft habe Al'Azrad von sich behauptet, im sagenumwobenen „Irem“ (Iram), der „Stadt der Säulen“, gewesen zu sein und in den Überresten einer namenlosen Stadt in der Wüste die Geheimnisse und Aufzeichnungen über eine Rasse mächtiger Wesen gefunden zu haben, die älter sei als die Menschheit. Schließlich soll er sich in Damaskus niedergelassen haben, wo er sein Buch „Kitab Al'Azif“ verfasst habe, das schließlich unter dem Namen „Necronomicon“ das berühmteste okkulte Werk der Welt werden sollte. Lovecraft führt zudem die Figur des Ibn Khallikan ein, den er als bekanntesten Necronomicon-Biographen des 12. Jahrhunderts darstellt. Diesem zufolge soll Al-Hazred kurz nach der Vollendung seines Buches im Jahr 738 vor den Augen mehrerer Zeugen auf einer Straße in Damaskus am helllichten Tag von einem unsichtbaren Wesen bei lebendigem Leib zerrissen worden sein. Die Kopien der arabischen „Originalversion“ mit ihren arkanen Symbolen und verwirrenden Sternkarten seien seit dem 13. Jahrhundert verschollen. Im 19. Jahrhundert tauchten nach der Erzählung Lovecrafts einige Ausgaben in Los Angeles auf, wurden jedoch bei einem Feuer zerstört. Viele wissen nicht, dass Abdul Al'Azrad lediglich ein Synonym von Lovecraft ist und somit die schöpferische Entstehung bei lediglich einer Person liegt. „Griechische Übersetzung“Lovecraft setzt seine Geschichte des Zauberbuchs im europäischen Mittelalter fort: Unter den Philosophen dieser Zeit soll es im Geheimen herumgegangen sein. 950 soll das „Azif“ heimlich von „Theodorus Philetas“ von Konstantinopel unter dem Namen „Necronomicon“ ins Griechische übersetzt worden sein. Demnach habe er mehrere Manuskripte geschaffen, die auch viele der Abbildungen genau reproduzierten. Für ein Jahrhundert sollen sie zu schrecklichen Versuchen geführt haben, bis das Necronomicon vom „Patriarchen Michael“ verboten und verbrannt worden sei. Das griechische Manuskript sei zwischen 1500 und 1550 in Italien gedruckt worden. Die letzte Kopie der gedruckten Fassung habe der Brand der Bibliothek eines gewissen Saleniman 1692 zerstört. Lovecraft führt weiter ein Gerücht auf, nach dem die Familie Pickman in Salem (Massachusetts) eine griechische Ausgabe aus dem 16. Jahrhundert besessen habe, die jedoch zusammen mit dem Künstler R. U. Pickman im Jahre 1926 verschwunden sei. „Lateinische Übersetzung“1228 übersetzte nach Lovecrafts Fiktion Olaus Wormius eine der griechischen Fassungen ins Lateinische. Das Manuskript sei ausgiebig mit stilisierten Holzschnitten nach Vorbildern des arabischen Originals verziert gewesen. Papst Gregor IX. habe kurz nach dem Erscheinen der lateinischen Version 1232 sowohl diese als auch die griechische Ausgabe verboten. Der Autor "berichtet" außerdem von zwei Drucken des lateinischen Textes – einmal in Fraktur im 15. Jahrhundert in Deutschland und einmal im 17. Jahrhundert in Spanien. Von den lateinischen Texten liege eine Version (aus dem 15. Jh.) im British Museum unter Verschluss. Eine weitere solle sich in der Sammlung eines amerikanischen Millionärs befinden. Die Druckfassungen des 17. Jahrhunderts verortet Lovecraft in der Bibliotheque Nationale in Paris, der Widener Library in Harvard, der Bibliothek der „Miskatonic University“ in Arkham und der Bibliothek der Universität von Buenos Aires. Weitere Kopien sollen im Verborgenen existieren. „Englische Übersetzung“Der englische Hofmagier Dr. John Dee soll im Jahre 1586 eine englische Übersetzung angefertigt haben, die niemals gedruckt worden sei und nur noch bruchstückhaft vorliege. InhaltLovecraft hat als Inhalt des „Necronomicon“ eine Art dämonischer Kosmologie sowie Zauberanleitungen erfunden. Demzufolge seien Informationen über die Älteren Wesen und ihre Zivilisation zur Zeit der Entstehung der Erde, über Schlangenmenschen und verschiedene Kultstätten im nahöstlichen Raum enthalten. Außerdem berichte das Buch über die Kulte der Götter Azathoth, Cthulhu, Nyarlathotep, Shub-Niggurath, Tsathoggua und Yog-Sothoth aus dem Mythos, den der Horrorautor in das Zentrum seines Schaffens gestellt hat. Das Necronomicon behandle nicht nur ihre Herkunft und ihre Geschichte, sondern enthalte auch zahlreiche Zauberformeln und Rituale zur Anrufung dieser „Großen Alten“. Das Buch soll etwa 800 Seiten voller verschlüsselter Andeutungen und Doppeldeutigkeiten enthalten, zwischen denen verschiedene magische Anweisungen verborgen seien. Die meisten Bedeutungen und Zaubersprüche sollen mit den verschiedenen Stufen der fiktiven Übersetzungen verloren gegangen sein. Das Necronomicon soll folgende Dinge enthalten:
Falle dieses Buch einem Menschen in die Hände, der die schwarzen Künste beherrsche, so könne er mit dessen Hilfe über die Dämonen gebieten und sich ihre Fähigkeiten zu Nutze machen. Mit den Zauberformeln sei es dem Magier möglich, durch Portale in andere Dimensionen zu schlüpfen und Tote wieder zum Leben zu erwecken. Doch schon allein das Lesen dieses Buches soll verheerende Konsequenzen haben. Lovecrafts Inspirationen und einige FaktenAls Quelle für Lovecrafts Schöpfung kommt Lord Dunsany, ein großzügiger Förderer Lovecrafts, in Frage. Der irische Adlige war bekannt für sein außerordentliches Interesse an okkulten Geheimnissen und ein Vertrauter des Dichters William Butler Yeats. Lord Dunsany verfasste selbst zahlreiche fantastische Erzählungen, die auf einer eigenständigen Mythologie beruhen. Es steht außer Frage, dass er einen wesentlichen Einfluss auf das literarische Schaffen des jungen Lovecraft ausübte. Dies belegt ein im Jahr 1922 von Lovecraft verfasster Aufsatz, in dem er Lord Dunsany als „den vielleicht einzigartigen, originellsten und fantasievollsten unter den derzeit lebenden Autoren“ bezeichnet. Der wirkliche Olaus Wormius lebte im 16. Jahrhundert. Es gibt jedoch Geschichten, in denen sowohl der wirkliche Olaus Wormius erwähnt wird als auch Olaus Wormius „der Ältere“, also Lovecrafts Wormius. Der „Ältere Wormius“ ist aber vermutlich erfunden. Mit dem Necronomicon konnte Lovecraft seine Kurzgeschichten in einen gemeinsamen Kontext stellen und damit ihre unheimliche Wirkung verstärken. Er ermunterte andere Autoren dazu, seine Erfindung in ihren Geschichten zu verwenden und benutzte im Gegenzug deren fiktive Bücher (zum Beispiel der „R’lyeh Text“, das Liber Ivonis/Livre d'Eibon, das Buch von Dyzan, die Pnakotischen Manuskripte, von Junzt' Unaussprechliche Kulte, De vermis mysteriis von Ludvig Prinn (Bloch), Cultes des ghoules des Comte d'Erlette und die Daemonolatreia des Remingius) in seinen Geschichten. Erwähnungen durch LovecraftIn Lovecrafts Geschichten taucht das Necronomicon das erste Mal kurz in der Geschichte „The Hound“ (dt. Titel: Der Hund) aus dem Jahr 1922 auf. Dort wird auch Abdul Alhazred als Verfasser genannt, aber es wird nicht näher auf Inhalt oder Geschichte des Buches eingegangen, noch wird es mit dem Cthulhu-Mythos in Zusammenhang gebracht. Dass das Necronomicon später so bekannt wurde, ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass Lovecraft immer wieder Elemente aus früheren Geschichten aufgriff und wiederverwendete. EtymologieWie Lovecraft in einem Brief aus dem Jahr 1937 an Harry O. Fischer schrieb, ist der Titel aus dem Griechischen übersetzt: nekros νεκρός „Leichnam“, nomos νόμος „Gesetz“, eikon εἰκών „Abbild, Ebenbild, Bild“, womit sich als Bedeutung „Ein Abbild des Gesetzes der Toten“ ergibt. Der Name soll ihm im Verlaufe eines Traumes erschienen sein. Eine etwas prosaischere (vermutlich aber korrektere) Übersetzung wäre „Die Toten betreffend“ (von nemein νέμειν „in Betracht ziehen, ansehen“). Eine weitere mögliche Etymologie ist „Wissen von den Toten“, vom griechischen gnomon γνώμων „Wissender“ (unter der Annahme, das wortinitiale G sei verloren gegangen). Weitere Erwähnungen des NecronomiconVerschiedene andere Necronomica werden in der Literatur, im Film und in anderen Medien erwähnt:
Literatur
Weblinks |
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