1974

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Staatsoberhäupter · Filmjahr · Sportjahr

1974
Nixon
Richard Nixon tritt als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zurück
Schmidt
Helmut Schmidt wird neuer deutscher Bundeskanzler
Terrakottaarmee
In der Nähe von Xi'an wird die Terrakottaarmee entdeckt
Jahreswidmungen
Vereinte Nationen „Weltbevölkerungsjahr“
Vogel des Jahres (Deutschland) Mehlschwalbe
1974 in anderen Kalendern
Buddhistische Zeitrechnung 2518 (südlicher Buddhismus) bzw.
2517 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana)
Chinesischer Kalender Jahr des Holz-Tigers 甲寅 (am Beginn des Jahres Wasser-Büffel 癸丑)
Islamischer Kalender 1393/94 (Jahreswechsel 24./25. Januar)
Japanischer Kalender 昭和 Shōwa 49
Jüdischer Kalender 5734/35 (Jahreswechsel 16./17. September)
Malayalam-Kalender 1149/50

Das Jahr 1974 war vor allem durch die Nachwirkungen der Ölkrise des Jahres 1973 beeinflusst. In diesem Jahr trat zudem der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Richard Nixon, aufgrund der Watergate-Affäre zurück.

Im Nahen Osten bestimmten die Nachwirkungen des 1973 geführten Jom-Kippur-Kriegs die Politik. Nach dem Rücktritt Golda Meirs wegen der hohen israelischen Verluste übernahm Jitzchak Rabin das Amt des israelischen Regierungschefs.

Im Norden Zyperns begann mit dem Einmarsch und der Besetzung durch türkische Truppen der Zypernkrieg, in Portugal kam es zur so genannten Nelkenrevolution. Auch in Deutschland gab es durch den Rücktritt Willy Brandts aufgrund der Spionageaffäre um seinen persönlichen Referenten Günter Guillaume einen Regierungswechsel.

Sportlich wurde das Jahr vor allem durch die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, bei der die deutsche Nationalelf den Titel holte, sowie den Boxkampf zwischen Muhammed Ali und George Foreman in Zaire („Rumble in the Jungle“) dominiert.

Inhaltsverzeichnis

Politik

Übersicht
1. Januar

Schweiz: Ernst Brugger wird Bundespräsident.

Schweden: Die Elternversicherung tritt in Kraft.

Finnland schließt ein Freihandelsabkommen mit der EG.

Die Bundesrepublik Deutschland trifft mit Botsuana ein Rahmenabkommen über die Entwicklungshilfe.

EG: Die Bundesrepublik übernimmt den Vorsitz im Rat der Europäischen Gemeinschaften.

2. Januar Spanien: Carlos Arias Navarro wird als Ministerpräsident vereidigt.
18. Januar Abkommen über eine Truppenentflechtung Ägyptens und Israels.

Bundesrepublik Deutschland: Der Bundestag verabschiedet das Bundes-Immissionsschutzgesetz.

23. Januar Das österreichische Parlament verabschiedet ein neues Strafgesetzbuch, das zum 1. Januar 1975 in Kraft tritt.
25. Januar UN-Truppen rücken in die von den Israelis frei gemachten Stellungen am Sueskanal ein.
31. Januar Überfälle von Mitgliedern der PFLP auf die japanische Botschaft in Kuwait und der JRA auf eine Shell-Anlage in Singapur. Bei letzteren lassen sich mehrere Regierungsmitarbeiter Singapurs freiwillig gefangennehmen, darunter auch der spätere Präsident Sellapan Rama Nathan. Die Geiseln werden gegen Zahlung eines Lösegeldes und sicheren Flug mit einer japanischen Maschine in den Südjemen freigelassen.
7. Februar Grenada erhält seine Unabhängigkeit von Großbritannien.
8. Februar In Obervolta ereignet sich ein Militärputsch.
20. Februar Der Deutsche Bundestag ratifiziert den Atomwaffensperrvertrag
21. Februar Jugoslawien: Eine neue Verfassung wird erlassen. Tito wird zum Präsidenten auf Lebenszeit bestimmt.
28. Februar Großbritannien: Keine Mehrheit bei den Parlamentswahlen, Neuwahlen am 10. Oktober

Der äthiopische Premierminister Tsehafi Aklilu Habte-Wold, seit 1961 im Amt, wird von Kaiser Haile Selassie entlassen und durch Endelkachew Makonnen ersetzt.

2. März In Spanien werden der Anarchist Salvador Puig Antich und der deutsche Flüchtling Georg Michael Welzel hingerichtet.
3. März Bei der Senatswahl in Hamburg verliert die SPD die absolute Mehrheit.
7. März Einigung über die Einrichtung ständiger Vertretungen in Bonn und Ostberlin
10. März Sieg der Christsozialen bei Wahlen in Belgien.
12. März In Venezuela tritt Carlos Andrés Pérez das Amt des Staatspräsidenten an.
14. März Der stellvertretende Außenminister der DDR, Kurt Nier, und der bundesdeutsche Staatssekretär Günter Gaus unterzeichnen in Bonn das Protokoll über die Errichtung „Ständiger Vertretungen“.
22. März Bundesrepublik Deutschland: Der Bundestag beschließt, das Alter für Volljährigkeit von 21 auf 18 zu senken und beschließt Rücktrittsmöglichkeit vom Teilzahlungskauf.
26. März Bundespräsident Gustav Heinemann auf dreitägigen Staatsbesuch in Belgien.
27. März US-Außenminister Henry Kissinger beendet mehrtägige Besprechungen in Moskau.
28. März Parteichef Nicolae Ceauşescu wird zum Präsidenten der Republik Rumänien gewählt. Das Amt wurde neu geschaffen.
1. April Burma: Eine neue Verfassung tritt in Kraft.
2. April Die Republik Niger wird Mitglied in der UMOA (Westafrikanische Währungsunion) und der BOAD (Westafrikanische Entwicklungsbank).
11. April Israel: Golda Meïr tritt als Premierministerin zurück, ihr Nachfolger wird Jitzchak Rabin.

Arabischer Terroranschlag auf die israelische Grenzstadt Kirjat Schmoneh, 18 Tote.

16. April Niger: Präsident Hamani Diori wird durch einen Armeeputsch gestürzt.
19. April Bundeskanzler Willy Brandt besucht als erster deutscher Regierungschef Algerien.
21. April Willy Brandt auf Besuch in Ägypten.
24. April Südafrika: Wahlen, die National Party behält ihre absolute Mehrheit.

Bundesrepublik Deutschland: Günter Guillaume, persönlicher Referent von Bundeskanzler Willy Brandt, wird als Spion der DDR entlarvt.

25. April Portugal: Sturz der Diktatur durch die „Nelkenrevolution“. Die Militärjunta „Bewegung der Streitkräfte“ übernimmt die Macht.
30. April Hinrichtung der 22-jährigen Leyla Kassim und vier weiterer Studenten nach schweren Folterungen wegen „Begünstigung und Gutheißung der separatistischen Bestrebungen“ in Südkurdistan
6. Mai Bundesrepublik Deutschland: Willy Brandt tritt als Bundeskanzler wegen der Spionage-Affäre um Günter Guillaume zurück.
9. Mai In Kanada wird Premierminister Pierre Trudeau durch ein Misstrauensvotum gestürzt. Bei den Wahlen, die daraufhin abgehalten werden, gewinnt Trudeaus Partei die absolute Mehrheit; Trudeau wird wieder Premierminister.
13. Mai Bei einer Volksabstimmung in Italien für die Beibehaltung oder Abschaffung der Scheidung stimmen 59,1 % für die Beibehaltung.
15. Mai Bundesrepublik Deutschland: Walter Scheel wird zum deutschen Bundespräsidenten gewählt.

Portugal: General António Ribeiro de Spínola wird Staatspräsident.

Nordirland: Das Ulster Workers Council ruft einen Generalstreik aus.

16. Mai Bundesrepublik Deutschland: Helmut Schmidt wird vom Bundestag zum Bundeskanzler gewählt.

Portugal: Adelino da Palma Carlos wird Ministerpräsident (bis 17. Juli).

18. Mai Indien führt den ersten Atomwaffentest durch („Smiling Buddha“).
19. Mai In Frankreich wird Valéry Giscard d’Estaing (50,8 %) vor François Mitterrand (49,1 %) zum Staatspräsidenten gewählt.
21. Mai Die Regierung unter Sanya Thammasak in Thailand tritt zurück.
26. Mai Die Volksrepublik China kündigt öffentlich ein Militärhilfe-Abkommen mit den Roten Khmer an.
2. Juni Bhutan: Jigme Singye Wangchuk wird zum König gekrönt.
3. Juni Nach dem Wahlsieg der Arbeitspartei wird Jitzchak Rabin neuer Ministerpräsident Israels.
8. Juni Der Palästinensische Nationalrat (PNC) veröffentlicht auf seiner 12. Sitzung ein 10-Punkte-Programm.
9. Juni Landtagswahlen in Niedersachsen enden mit knappen Sieg der SPD/FDP-Koalition.
11. Juni Nach einem dreitägigen Streik im öffentlichen Dienst beschließt der Bundestag eine ab dem 1. Januar rückwirkende Erhöhung der Beamten- und Angestelltengehälter um 11 Prozent.

US-Präsident Richard Nixon auf Besuch in Österreich.

12. Juni Richard Nixon beginnt seine Nahostreise.
18. Juni Gaston Thorn wird Premierminister von Luxemburg
19. Juni Der Bundestag beschließt einstimmig die Errichtung eines Umweltbundesamtes in West-Berlin. Die DDR und UdSSR sehen darin eine Verletzung des Berlinabkommens.
23. Juni Österreich: Rudolf Kirchschläger wird zum Bundespräsidenten gewählt.
24. Juni Erster Staatsbesuch des jugoslawischen Staatschefs Josip Broz Tito in der Bundesrepublik Deutschland
27. Juni Richard Nixon auf Besuch in Moskau.
29. Juni Argentinien: Isabel Martínez de Perón wird als Staatspräsidentin vereidigt.
1. Juli EG: Frankreich übernimmt den Vorsitz im Rat der Europäischen Gemeinschaften.
4. Juli Erhard Eppler, Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, tritt aus Protest gegen Haushaltskürzungen bei der Entwicklungshilfe zurück. Nachfolger wird Egon Bahr.
15. Juli Zypern: Putsch griechischer Generäle.
17. Juli Portugal: Oberst Vasco dos Santos Gonçalves wird Ministerpräsident. Die „Bewegung der Streitkräfte“ schlägt einen radikal sozialistischen Kurs ein und gerät damit in Gegensatz zu Spínola.
20. Juli Türkische Invasion in Zypern. Beginn des Zypernkriegs.
22. Juli Der äthiopische Premierminister Endelkachew Makonnen wird durch Mikael Imru ersetzt.
23. Juli Zusammenbruch der Griechischen Militärdiktatur.
27. Juli In Washington D.C. beginnt das Impeachment-Verfahren gegen den amtierenden US-Präsidenten Richard Nixon wegen „Behinderung der Justiz“.
30. Juli Rhodesien: Wahlen, Sieg der weißen Minderheitspartei Rhodesian Front
9. August USA: US-Präsident Richard Nixon tritt im Rahmen der Watergate-Affäre zurück.
15. August Südkorea: Präsident Park Chung-hee entgeht bei einer öffentlichen Rede knapp einem Attentat. Seine Ehefrau stirbt jedoch bei dem Anschlag.
19. August Der US-Botschafter John William Davies wird in Nikosia (Zypern) erschossen.
20. August Nelson Rockefeller wird Vizepräsident der USA.
21. August Das Genfer Abrüstungskomitee wird auf 31 Teilnehmerländer erweitert. Aufgenommen werden zum 1. Januar 1975 die Bundesrepublik Deutschland, die DDR, Peru, Zaire und der Iran.
28. August Frankreich hebt das Waffenembargo gegen die Nahoststaaten auf.
30. August Karl Wienand tritt vom Amt des parlamentarischen Geschäftsführers der SPD-Fraktion aufgrund des Bestechungsverdachts in der Steiner-Wienand-Affäre zurück.
4. September Aufnahme diplomatischer Beziehungen USA-DDR.
8. September Eine Boeing 707 stürzt durch einen Bombenanschlag in das Ionisches Meer, 88 Menschen sterben. Als Drahtzieher des Anschlags wird die Terrororganisation Abu Nidals verdächtigt.
10. September Die Unabhängigkeit von Guinea-Bissau wird von Portugal anerkannt.
11. September Portugal wird wieder Mitglied in der UNESCO.
12. September Äthiopien: Kaiser Haile Selassie I. wird durch das Militär abgesetzt.
13. September Mitglieder der Japanischen Roten Armee überfallen die französische Botschaft in Den Haag und nehmen 11 Geiseln um Yatuka Fumiya freizupressen. Des Weiteren verlangen die Geiselnehmer 300.000 US-Dollar und ein Flugzeug, welches sie nach Aden bringen soll. Nach längeren Verhandlungen werden die Gefangenen in der Botschaft freigelassen. Ein Flugzeug fliegt die Geiselnehmer zuerst in den Südjemen, wo sie jedoch abgewiesen werden, dann nach Syrien. Die dortige Regierung zwingt sie, das Lösegeld aufzugeben.
16. September US-General Alexander Haig wird NATO-Oberbefehlshaber in Europa.
17. September Grenada, Guinea-Bissau und Bangladesch werden Mitglieder der Vereinten Nationen.
18. September Der türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit tritt von seinen Amt zurück.
30. September Portugal: Staatspräsident de Spínola tritt zurück. Sein Nachfolger wird General Francisco da Costa Gómes.
1. Oktober Hans-Dietrich Genscher wird zum FDP-Vorsitzenden gewählt, Hans Friderichs wird sein Stellvertreter.
3. Oktober Der italienische Ministerpräsident Mariano Rumor erklärt seinen Rücktritt.
7. Oktober In der geänderten Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik wird auf Beschluss der Volkskammer das Ziel der Vereinigung beider deutscher Staaten aufgegeben. Die Begriffe deutsche Nation und Deutschland werden daraus entfernt.
10. Oktober Die Labour Party gewinnt die Neuwahlen in Großbritannien, Harold Wilson wird Premierminister.
18. Oktober Die Demokratische Volksrepublik Korea wird Mitglied in der UNESCO.
19. Oktober Unabhängigkeit von Niue, in freier Assoziierung mit Neuseeland
20. Oktober In der Schweiz wird die Ausweisung von ausländischen Arbeitnehmern per Volksabstimmung abgelehnt.
27. Oktober Landtagswahlen in Hessen und Bayern: In Hessen wird die CDU stärkste Kraft, SPD/FDP bilden eine Koalition. In Bayern erlangt die CSU mit 62,1 % die absolute Mehrheit, die SPD erreicht 30,2 %, die FDP 5,2 %.
30. Oktober Bundeskanzler Helmut Schmidt trifft sich zu einen Gespräch unter vier Augen mit Leonid Breschnew in Moskau.
1. November Guinea-Bissau wird Mitglied in der UNESCO.

Hamburgs Innensenator Hans-Ulrich Klose wird Nachfolger zurückgetretenen Bürgermeisters Peter Schulz.

12. November San Marino wird Mitglied in der UNESCO.
13. November PLO-Anführer Yassir Arafat hält seine erste Ansprache vor der UNO-Vollversammlung.
14.16. November Welternährungskonferenz in Rom.
17. November Griechenland: Erste freie Wahlen nach der Militärdiktatur, Sieg der Nea Dimokratia unter Konstantinos Karamanlis.

In Irland stirbt Präsident Erskine Hamilton Childers an einen Herzinfarkt, den er inmitten einer Rede erleidet.

22. November Palästinenser entführen Britische Maschine nach Dubai und verlangen die Freilassung von Häftlingen aus Ägypten.
24. November Palästinenser lassen mehrere Geiseln und erschießen eine deutsche Geisel, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, Ägypten lässt 7 Häftlinge frei. Einen Tag später geben die Palästinenser die Britische Maschine auf.

Treffen zwischen US-Präsident Gerald Ford und sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnew in Wladiwostok.

25. November Schusswechsel an der Grenze zwischen Mali und Burkina Faso
26. November Japan: Premierminister Tanaka Kakuei erklärt nach einem Immobilienskandal seinen Rücktritt.
30. November Manfred Rommel, Sohn des Feldmarschalls Erwin Rommel, wird Oberbürgermeister von Stuttgart.
4. Dezember Bundesrat Pierre Graber wird für 1975 zum Schweizer Bundespräsidenten gewählt.
9. Dezember Japan: Miki Takeo wird Premierminister.

EG: Gipfeltreffen in Paris. Gründung des Europäischen Rats. Beschluss zur Schaffung einer Wirtschafts- und Währungsunion.

13. Dezember Die unabhängige Republik Malta wird ausgerufen.
17. Dezember Die Schweiz und Nordkorea nehmen diplomatische Beziehungen auf.
19. Dezember Cearbhall Ó Dálaigh wird als fünfter Präsident Irlands vereidigt.

Österreich und die ČSSR unterzeichnen Vertrag über Entschädigungen für die Enteignung österreichischer Bürger 1945.

Andauernde Ereignisse

Ein wesentlicher Faktor für die internationale politische und wirtschaftliche Entwicklung waren die Auswirkungen der Ölkrise des Vorjahres 1973, die sich vor allem in Europa und Amerika 1974 bemerkbar machten und die wirtschaftliche Macht aufzeigten, die die arabischen OPEC-Staaten ausüben konnten.

Europa

Die europäische Wirtschaft war 1974 vor allem durch die stark anwachsende Inflation geprägt, die sich sowohl in den einzelnen Staaten als auch international bemerkbar machte. Die besonders durch das Engagement von Willy Brandt geprägte Entspannungspolitik zwischen den westlichen NATO-Staaten, allen voran die Bundesrepublik Deutschland, und ihren östlichen Nachbarn, welche die Vorjahre 1972 und 1973 beherrscht hatte, wurde verdrängt durch die internen wirtschaftlichen Probleme der europäischen Nationen. Die Europäische Wirtschaftsunion geriet zunehmend in die Kritik, die Probleme zu verschärfen, vorwiegend durch Vertreter Großbritanniens. Im Dezember wurde nach einer mehrtägigen Konferenz ein Finanzausgleich für ärmere Regionen wie Irland und Italien beschlossen.

Die Versuche, der Inflation durch Handelsbeschränkungen und Zollsenkungen zu begegnen, führten zu einem verminderten Wirtschaftswachstum der Nationen und zu einer Unzufriedenheit der Bevölkerung, die sich in einigen Staaten durch mehrere Regierungswechsel und nationale Streiks bemerkbar machte. In Italien ließ sich gar keine Regierungsmehrheit finden, die Regierungsbildung wurde unmöglich, in Großbritannien mussten zwei Wahlen durchgeführt werden, um eine neue Regierung zu bilden.

In Portugal und Griechenland wurden Diktatoren gestürzt.

Bundesrepublik Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland spielten neben der Wirtschaftskrise vor allem die Weiterentwicklungen in der Ostpolitik und die Entwicklungen im Verhältnis zur Deutschen Demokratischen Republik eine zentrale Rolle. Am 25. April des Jahres wurde der persönliche Referent des Bundeskanzlers Willy Brandt, Günter Guillaume, als Spion der DDR enttarnt und löste so die Spionage-Affäre aus, die am 6. Mai mit dem Rücktritt Brandts von seinem Amt endete, nur vier Tage nach der Eröffnung von ständigen Vertretungen in den beiden deutschen Hauptstädten Bonn und Ost-Berlin. Am 15. Mai wurde Walter Scheel zum neuen deutschen Bundespräsidenten gewählt, einen Tag später wählte der Bundestag Helmut Schmidt zum Nachfolger Willy Brandts.

Die „Bewegung 2. Juni“, die zur West-Berliner Stadtguerilla gehörte, ermordete am 5. Juli in West-Berlin Ulrich Schmücker, eines ihrer ehemaligen Mitglieder. In einem Bekennerschreiben wurde Schmücker als „Verräter und Konterrevolutionär“ bezeichnet, der nach einem Todesurteil hingerichtet worden sei. Dieselbe Gruppe wurde verdächtigt, am 10. November ebenfalls in West-Berlin den Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann ermordet zu haben. Derweil traten mehrere RAF-Gefangene gegen ihre Haftbedingungen in einen Hungerstreik. Dabei starb Holger Meins am 9. November. Am 29. November wurden Horst Mahler und Ulrike Meinhof wegen Mordversuchs bei der Befreiung von Andreas Baader zu 14 beziehungsweise 8 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Deutsche Demokratische Republik

Die internationale Anerkennung der DDR kam 1974 zu einem vorläufigen Abschluss. So wurden am 2. Mai die Ständigen Vertretungen der beiden deutschen Staaten in den Hauptstädten eingerichtet. Am 4. September nahmen die DDR und die USA diplomatische Beziehungen auf. Zwischen den beiden deutschen Staaten kam es zu einer Reihe bilateraler Vereinbarungen, beispielsweise über den Grenzverlauf in der Lübecker Bucht, über den Mülltransport aus West-Berlin und die Fortführung der Swing-Regelung im innerdeutschen Handel.

Parallel dazu wurden in der DDR Erinnerungen an Gesamtdeutsches aus der Öffentlichkeit getilgt. So galt ab 1. Januar das neue Autokennzeichen „DDR“, bei der Einführung neuer Banknoten am 14. September wurde die alte Währungsbezeichnung „Mark der Deutschen Notenbank“ durch „Mark der DDR“ ersetzt. In einer am 17. September verabschiedeten Verfassungsänderung schließlich verabschiedete sich die DDR vom Begriff der deutschen Nation und dem Ziel der Wiedervereinigung. Aus der Verfassung der DDR wurden alle entsprechenden Passagen gestrichen. Die 1971 auf dem VIII. Parteitag der SED beschlossene Hauptaufgabe in der entwickelten sozialistischen Gesellschaft, die Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus des Volkes auf der Grundlage einer starken wirtschaftlichen Entwicklung, wurde Bestandteil der Verfassung. Außerdem wurde der Staatsrat der DDR zugunsten von Volkskammer und Ministerrat deutlich abgewertet.

Österreich

Der österreichische Bundespräsident Franz Jonas (SPÖ) starb am 24. April im Alter von 74 Jahren in Wien. Sein Nachfolger wurde der parteilose Rudolf Kirchschläger, der zuvor in der Regierung von Bruno Kreisky Außenminister war. Kirchschläger blieb bis 1986 Bundespräsident.

Frankreich

Valéry Giscard d’Estaing

In Frankreich konnte sich der Republikaner Valéry Giscard d’Estaing im zweiten Wahlgang knapp gegen François Mitterrand durchsetzen und wurde damit Präsident seines Landes und Nachfolger von Georges Pompidou, der am 2. April des Jahres gestorben war. Dieses Amt behielt Giscard d’Estaing bis 1981.

Obwohl Valéry Giscard d’Estaing beim Volk beliebt war, sah er sich im Laufe des Jahres 1974 mit Streiks und Demonstrationen wegen der Wirtschaftslage Frankreichs und gegen seine Politik konfrontiert. Er hatte bei der Wahl versprochen, die soziale Kluft mit Hilfe von Schul- und Steuerreformen zu schließen. Als er allerdings im Dezember des Jahres der Wirtschaftskrise mit Kürzungen staatlicher Subventionen, Zuschüssen und Steuererhöhungen zu begegnen suchte, wurde ihm mit weitreichenden Streiks geantwortet.

Portugal

In Portugal kam es am 24. und 25. April 1974 zur Nelkenrevolution gegen die im Land herrschende Diktatur unter Marcello Caetano. Auslöser war eine Veröffentlichung des Generals António de Spínola, in der er die portugiesische Kolonialpolitik kritisierte und eine Abwendung von der aktuellen politischen Situation unter Beteiligung des Volkes forderte. Die Revolution startete nach einer vereinbarten Radioeinspielung des Liedes Grândola, Vila Morena von José Afonso und ging insgesamt sehr unblutig vonstatten. Am Abend des 25. April übergab Caetano die Regierung an den provisorischen Staatschef Spínola. In der Folge wurden politische Gefangene befreit, und am 1. Mai eine umfassende Generalamnestie für Deserteure und Kriegsdienstverweigerer erlassen.

Am 8. September beschließt die portugiesische Regierung, ihre Kolonie Mosambik bis zum 25. Juni 1975 in die Unabhängigkeit zu entlassen. Dieser Wandel in der portugiesischen Politik war absehbar, nachdem António de Spínola nach dem Militärputsch Staatspräsident wurde. Spínola kritisierte die Kolonialpolitik seines Landes seit langem und erklärte, Portugal könne den Kolonialkrieg gegen die Unabhängigkeitsbewegung nicht gewinnen. Ende Juli proklamiert er in einer Rede die bedingungslose Freigabe der Kolonien. Bis Juli 1975 will Portugal auch die übrigen Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen. Bereits am 20. September übernimmt die Befreiungsbewegung FRELIMO die Übergangsregierung in Mosambik. Portugals neue Politik ruft bei den weißen Siedlern Proteste und Panikreaktionen hervor.

António de Spínola trat am 30. September 1974 nach Streitigkeiten mit dem linken Flügel der neuen Regierung von seinem Amt als provisorischer Staatschef zurück und führte von nun an die konservative Opposition an. Sein Nachfolger wurde Francisco da Costa Gomes.

Großbritannien

In Großbritannien führten die Wirtschaftskrise und die restriktive Politik des Premierministers Edward Heath bereits Ende 1973 zu massiven Streiks, vor allem in den Kohlebergwerken des Landes. Um diesen zu begegnen, begrenzte Heath die Arbeitszeit der Industrie auf eine Drei-Tage-Woche, anstatt mit den Minenarbeitern zu verhandeln. Im Februar 1974 verlor er daraufhin bei den Unterhauswahlen die Mehrheit im Parlament. Die Wahl hatte jedoch keinen klaren Sieger, und so übernahm eine Minderheitsregierung der Labour Party die Amtsgeschäfte bis zur Neuwahl im Oktober. Währenddessen wurde am 17. Juni der Palace of Westminster durch einen Bombenanschlag der IRA beschädigt. Die Labour Party gewann die Neuwahlen, und Harold Wilson wurde Premierminister. Trotz des Regierungswechsels kam es weiterhin zu wirtschaftlichen Unruhen, vor allem durch die Forderung der Regierung nach Verstaatlichung von Unternehmen.

In Nordirland rief das Ulster Workers Council am 15. Mai zum Generalstreik auf. Grund des Protestes war das Abkommen von Sunningdale, ein Versuch, durch die Machtteilung zwischen Unionisten und Nationalisten den Nordirlandkonflikt zu lösen. Nach zwei Wochen Barrikadenkämpfen gab Brian Faulkner am 28. Mai als Regierungschef auf. Damit waren sowohl der Streik als auch das Agreement beendet.

Italien

Auch in Italien bestimmte die Finanzkrise die Politik des Landes. Die wirtschaftliche Krise führte hier zu starken Unruhen und zu einem wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch. Über Monate gab es keine Postzustellungen, und in den Großstädten wurden durch den Zuzug vom Land die Wohnungen knapp. In der Regierung häuften sich Korruptionsfälle, bei denen Regierungsmitglieder von Ölunternehmen bezahlt wurden. Die Christdemokratische Regierungspartei verlor zunehmend die Unterstützung. Dem Ministerpräsidenten Mariano Rumor wurde in diesem Jahr zweimal nahe gelegt, aufgrund von Problemen mit seinen Koalitionspartnern von seinem Amt zurückzutreten, was er im Oktober dann tat.

Griechenland

Die Griechische Militärdiktatur war zu Beginn des Jahres 1974 durch den siebenjährigen Machtkampf zwischen Diktatur, Monarchie und Volk, aber auch Armee und Flotte und innerhalb der Armee zermürbt. Der Aufstand in der Nationalen Technischen Universität Athen im November des Vorjahres hatte die Diktatur weiter geschwächt, und der Coup von Dimitrios Ioannides am 25. November 1973 war der letzte Versuch, das Regime an der Macht zu halten. Dieser rief erneut den Ausnahmezustand aus. Als am 15. Juli 1974 der Zypernkonflikt offen ausbrach, waren die Obristen zu schwach, den am 20. Juli in Zypern einmarschierenden türkischen Truppen etwas entgegenzusetzen. Viele Militärs wandten sich von den Obristen ab, und die von ihnen eingesetzte Regierung unter Adamantios Androutsopoulos musste zurücktreten.

Konstantinos Karamanlis, bereits mehrfach griechischer Premierminister zwischen 1955 und 1963, kehrte daraufhin mit Unterstützung des französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing aus seinem Pariser Exil zurück und übernahm die Regierungsgewalt. Auf Grund der prekären Lage war er gezwungen, auf einer Yacht im Hafen zu wohnen, die von einem Zerstörer bewacht wurde. Er entfernte Kollaborateure der Diktatur aus der Verwaltung und entspannte das Verhältnis zur Türkei. Weiterhin legalisierte er die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE), ließ die Gründung der Panellínio Sosialistikó Kínima (PASOK) am 3. September zu und gründete die Nea Dimokratia (ND). Bei den ersten freien Wahlen am 17. November wurde mit dem Sieg der ND die Regierung von Karamanlis legitimiert. Eine Volksabstimmung ergab am 8. Dezember, dass die im Vorjahr von den Obristen abgeschaffte Monarchie nicht wieder eingeführt wurde.

Zypern

Am 27. Januar starb Georgios Grivas, ehemaliger Kommandeur der griechischen Nationalgarde. Er war nach Zypern zurückgekehrt, um dort die EOKA-B aufzubauen, die im Untergrund gegen Präsident Makarios kämpfte, um die Enosis - die Vereinigung mit Griechenland - zu erreichen. Durch seinen Tod geriet die EOKA unter die direkte Kontrolle von Dimitrios Ioannides, dem Strippenzieher hinter den Kulissen der Militärdiktatur in Athen. Am 15. Juli 1974 putschte die EOKA-B mit Hilfe der griechischen Nationalgarde und machte Nikos Sampson zum Präsidenten von Zypern.

Die Türkei, neben Griechenland und Großbritannien Schutzmacht der Insel, reagierte, nachdem Großbritannien neutral blieb, mit einer Militärinvasion am 20. Juli und besetzte den Nordteil der Insel. Der drohende Krieg mit der Türkei führte zu politischem Chaos in Griechenland. Am 23. Juli brach die Diktatur mit dem Rücktritt der Obristen zusammen.

Am 25. Juli begannen Friedensgespräche in Genf zwischen den drei Schutzmächten. Die Türkei stoppte ihren Vormarsch. Am 8. August folgte eine zweite Gesprächsrunde, diesmal unter Beteiligung der griechischen und türkischen Zyprioten, doch die Gespräche endeten am 14. August ergebnislos. Es kam zu erneuten Kampfhandlungen, die in einem weiteren Waffenstillstand am 16. August endeten. Die türkischen Truppen kontrollieren zu diesem Zeitpunkt 34 % der Insel. Die UNO errichteten daraufhin auf der Demarkationslinie eine „Grüne Zone“, die bis heute (2006) die Grenze zwischen dem türkischen und dem griechischen Teil der Insel bildet.

200.000 Zyperngriechen wurden durch den Konflikt gezwungen, aus dem türkisch besetzten Teil zu fliehen, während 50.000 Zyperntürken aus dem Süden vertrieben wurden.

Jugoslawien

Am 21. Februar wurde in Jugoslawien eine neue Verfassung erlassen, die Josip Broz Tito zum Präsidenten auf Lebenszeit erklärte. Das zu 2/3 aus Slowenen und Kroaten bestehende jugoslawische kommunistische Zentralkomitee sorgte gleichzeitig dafür, dass den einzelnen Teilrepubliken mehr Autonomie gewährt wurde, bis hin zum Recht zur Abspaltung von Jugoslawien. Das Bundesland Serbien wurde mit der Autonomieausrufung des Kosovos und der Vojvodina dreigeteilt. Grund hierfür war die Autonomiebestrebungen von Menschen albanischer und ungarischer Abstammung, die zum damaligen Zeitpunkt 50 % bzw. 15 % der dortigen Bevölkerung ausmachten. Ähnliche Autonomiebestrebungen der in der Teilrepublik Kroatien lebenden Serben wurden nicht akzeptiert.

Sowjetunion

Am 12. Februar wird in der Sowjetunion mit dem Schriftsteller Alexander Solschenizyn einer der bekanntesten Kritiker des Regimes verhaftet und einen Tag später ausgewiesen. Der Literaturnobelpreisträger trifft sich in der Eifel mit seinem Freund und Kollegen Heinrich Böll, dort verbringt er die ersten Tage nach seiner Ausweisung. Solschenizyn zog nach kurzem Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland in die Schweiz, wohin ihm seine Familie, Frau und vier Söhne, im März folgten.

Mit dem 1962 erschienenen Buch Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch beginnt die Geschichte der Verbote für den Autor. Weitere Werke von ihm, wie beispielsweise Der erste Kreis der Hölle oder Krebsstation, werden in der Sowjetunion gar nicht erst veröffentlicht. Für seine weitgehende Kritik an den Verhältnissen in der Sowjetunion wurde Solschenizyn 1969 aus dem Schriftstellerverband UdSSR ausgeschlossen. 1970 wurde der Schriftsteller mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt, welchen er jedoch nicht persönlich entgegennahm, da er befürchtete, die Staatsführung würde ihm die Wiedereinreise in die Sowjetunion verweigern.

Amerika

Argentinien

Präsident Juan Perón, der erst im Jahr davor wieder an die Macht gekommen war, starb am 1. Juli. Sein Amt übernahm Isabel Perón, seine dritte Ehefrau. Auf diese Weise wurde die Nachfolge in der Präsidentschaft ohne größere Diskussionen oder gar Neuwahlen geregelt. Isabel Perón war mit dem Amt allerdings völlig überfordert. Weder hatte sie die Bildung noch das politische Talent, diese Aufgabe zum Vorteil ihres Landes auszufüllen. Sie war die Marionette der hinter ihr stehenden peronistischen Machthaber. Ihre Amtszeit wurde geprägt durch unregelmäßig wiederkehrende „wilde Streiks“ („huelgas“) und offiziell angeordneten Stillstand des Lebens („paro general“). Ihre Regierungszeit war von wirtschaftlichem Niedergang und erneutem Terrorismus überschattet. Die schon unter Perón gegründete halbstaatliche Terrorbrigade Alianza Anticomunista Argentina (AAA) sorgte für die ersten so genannten Verschwundenen und ermordete zahlreiche Oppositionelle und Aktivisten der Linken. Isabel Perón wurde bereits zwei Jahre später, am 24. März 1976 von Militärs festgenommen und unter Hausarrest gestellt.

Nicaragua

Nachdem das Land zwei Jahre von einem Militärdiktatur-Triumvirat unter Anastasio Somoza Debayle regiert worden war, ließ sich dieser im September zum zweiten Mal zum Präsidenten wählen. Während die amerikanische Unterstützung für sein Regime schwand, wurde die Opposition, geführt von den Sandinistas (FSLN), stärker. Im Dezember entführten Guerilleros 13 Prominente aus der Politik, darunter mehrere Mitglieder der Familie Somoza. Die Gruppe sicherte sich ein Lösegeld von 1 Mio. US-Dollar und erreichte die Freilassung von 14 Gefangenen. Somoza reagierte, indem er das Kriegsrecht verhängte und die Nationalgarde einsetzte.

Vereinigte Staaten

Der Nachfolger von Richard Nixon als Präsident der USA, Gerald Ford

Der Präsident der Vereinigten Staaten Richard Nixon war durch die seit zwei Jahren die politische Bühne dominierende Watergate-Affäre stark geschwächt. Nachdem bereits zahlreiche Beteiligte zum Rücktritt gezwungen, angeklagt oder verurteilt worden waren, wurde schließlich am 27. Juli vom Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses ein Impeachment-Verfahren gegen den Präsidenten eingeleitet. Nixon kam dem Verfahren, das sehr wahrscheinlich erfolgreich gewesen wäre, durch seinen Rücktritt am 9. August zuvor. Von seinem Nachfolger, Vizepräsident Gerald R. Ford, wurde er am 8. September im Voraus in allen Anklagepunkten begnadigt.

Durch die Watergate-Affäre erreichten die Demokraten im gleichen Jahr deutliche Siege bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus (+49 Sitze) und zum Senat (+3 Sitze). Im Repräsentantenhaus stellten sie damit knapp über zwei Drittel der Abgeordneten.

Ebenfalls in diesem Jahr zog die USA die letzten Soldaten aus Vietnam ab und kürzte die Militärhilfe für das Regime in Südvietnam. Unter anderem führten diese Maßnahmen ein Jahr später zum Zusammenbruch des Regimes.

Im Oktober brechen in Boston Rassenunruhen zwischen Farbigen und Weißen aus. Ursache dafür ist ein Gerichtsbeschluss, der feststellt, dass entgegen den Bestimmungen der amerikanischen Verfassung in öffentlichen Schulen noch Rassentrennung herrscht. Um dies zu ändern, sollen zukünftig städtische Busse schwarze Kinder zu Schulen transportieren, die bisher durchgehend „weiß“ waren und umgekehrt. Diese Maßnahme ruft unerwartet heftige Proteste der weißen Eltern hervor. Schwarze, die ihre Kinder von Schulen abholen, werden verprügelt. Es kommt immer häufiger zu gewalttätigen Ausschreitungen gegenüber den Farbigen, die ihrerseits nach anfänglicher Zurückhaltung mit Gewalt antworten.

Asien

Vietnam

Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Paris 1973 hatten sich die amerikanischen Truppen vollständig aus Vietnam zurückgezogen. Die Regierung unter Nguyễn Văn Thiệu in Südvietnam stand kurz vor dem Zusammenbruch. Das von Korruption, Kriminalität und Vetternwirtschaft gezeichnete Saigoner Regime musste nun eine wirtschaftliche Krise verkraften, die durch den Wegfall des wichtigsten Arbeitgebers (US-Army) und durch die Ölkrise von 1973 verursacht worden waren. 1974 gestand der US-Kongress Saigon eine effektive Militärhilfe von lediglich 400 Millionen Dollar zu, was den Bedarf der noch weiter ausgebauten ARVN nicht deckte. Der durch die Watergate-Affäre angeschlagene und schließlich zum Rücktritt gezwungene Nixon konnte Thiệu nicht mehr die versprochene Hilfe zuteil werden lassen.

In den Städten herrschte eine Arbeitslosigkeit von ca. 40 %. Die Oberschicht schaffte allmählich ihren Besitz außer Landes. 240.000 Deserteure kehrten 1974 der ARVN den Rücken. Dagegen gelang es den Kommunisten im Süden, die noch ca. 25 % des Landes kontrollierten, mit Unterstützung aus Hanoi, eine strategische wie ökonomische Stabilität zu erzielen. Die zahlreichen Konflikte um die Einhaltung des Waffenstillstands und die Respektierung des „Nationalen Rates“ konnten ihre Position nicht erschüttern. Auch nach dem Pariser Abkommen warfen die USA zwar insgesamt 250.000 Tonnen Sprengstoff über Kambodscha ab, derer Kongress, der seine außenpolitischen Kompetenzen zu Lasten des Weißen Hauses neu definierte, verweigerte jedoch weitere Angriffe auf Südvietnam. Im darauf folgenden Jahr schließlich entschloss sich die Führung in Hanoi, eine Entscheidung herbeizuführen. Im März 1975 überschritten die Nordvietnamesen die Grenze. Die numerisch und materiell überlegene ARVN fiel quasi in sich zusammen. Ende des Monats gingen Hue und Đà Nẵng in kommunistische Herrschaft über. Damit war der Vietnamkrieg beendet.

Kambodscha

In Kambodscha tobte seit 1970 ein Bürgerkrieg. Während die VR China ein Militärhilfeabkommen mit den Roten Khmer schloss, zogen sich die Bodentruppen der USA Schritt für Schritt zurück, bombardieren jedoch weiterhin das Land. Mehrere Versuche, Friedensverhandlungen zu initiieren, scheiterten.

Burma

Am 4. Januar löste sich nach der Ausrufung der Sozialistischen Föderativen Republik Burma der Revolutionsrat auf. Der Diktator Ne Win wurde Staatspräsident. Die oberste legislative, exekutive und judikative Macht ging auf die neu geschaffene Volksversammlung (Pyithu Hluttaw) über. Am 1. April erhielt das Land unter der Losung „Burmesischer Weg zum Sozialismus“ eine neue Verfassung.

Am 25. November verstarb Sithu U Thant, bis 1971 Generalsekretär der Vereinten Nationen, in New York, (NY). Sein Leichnam wurde in seine Heimat Burma nach Rangun überführt, doch dort verweigerte ihm Ne Win ein ehrenhaftes Begräbnis. U Thant gehörte der demokratischen Regierung an, die Ne Win bei seinem Staatsstreich 1962 beseitigt hatte. Am 5. Dezember entführten Studenten den Leichnam kurz vor der offiziellen Beerdigung, begruben ihn auf dem Gelände der 1962 zerstörten Studentenunion der Universität Rangun (RUSU) und errichteten ihm ein Mausoleum. Am 11. Dezember wurde das Gelände vom burmesischen Militär gestürmt. Dabei wurden einige Studenten getötet. Der Leichnam wurde entfernt und am Fuß der Shwedagon-Pagode beerdigt. Diese Aktion führte zu Straßenprotesten in Rangun. Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand.

Japan

Das zentrale Ereignis 1974 in Japan war der Rücktritt des Premierministers Tanaka Kakuei im November des Jahres. Diesem ging bereits im Vorfeld ein massiver Vertrauensverlust während der Energiekrise 1973 voraus, bei der er etwa 30 % seiner Wählerschaft einbüßte. Während seiner Regierungszeit stieg die Inflationsrate so stark an, dass Japan 1974 die höchste Rate aller Industrienationen aufwies. Das Wirtschaftswachstum lag zum Ende des ersten Quartals das erste Mal seit dem 2. Weltkrieg bei nahezu Null Prozent.

Im Oktober 1974 wies das Magazin Bungei Shunju Tanaka Kakuei zudem zahlreiche fragwürdige Immobiliengeschäfte aus den 1960er Jahren nach. Unter anderem hatte er eine Geisha dafür bezahlt, Geschäfte für ihn abzuschließen. Seine Rivalen innerhalb der Liberaldemokratischen Partei (LDP) nutzten die Gelegenheit, ihn einer öffentlichen Anhörung im Parlament auszusetzen. Er trat am 26. November zurück, um zu verhindern, dass die Geschäftsführerin der Etsuzankai (seiner Unterstützungsorganisation), mit der er ein Verhältnis hatte, vor dem Parlament aussagen musste. Neuer Premierminister wurde Miki Takeo, ebenfalls von der LDP, dem das Amt im Konsens der Regierungsmitglieder übertragen wurde.

Im letzten Monat seiner Regierungszeit empfing Tanaka Kakuei den US-Präsidenten Gerald Ford, der als erster Präsident der USA das Land besuchte. Die Gespräche in Tokio dienten vor allem dazu, die wirtschaftlichen Beziehungen der USA mit Japan zu verbessern. Überschattet wurden diese von den Affären um Tanaka Kukuei wie auch von einem Skandal um amerikanische Atomwaffentransporte: Admiral Gene LaRoque erklärte im Vorfeld vor dem US-Kongress, dass amerikanische Schiffe, die Atomwaffen transportierten, in japanischen Häfen eingelaufen waren, ohne die Regierung Japans darüber zu informieren. Gegenüber Japan stellte die US-Regierung klar, dass dies nur die inoffiziellen Ansichten eines Militärs seien. Ein nachdrückliches Dementi erfolgte allerdings nicht.

Die Ostasiatische Antijapanische Bewaffnete Front verübte am 30. August einen Bombenanschlag auf die Firmenzentrale von Mitsubishi Heavy Industries.

Volksrepublik China

Die Volksrepublik China befand sich in der letzten Phase der Kulturrevolution. Premierminister Zhou Enlai konnte wegen seines Krebsleidens die Amtsgeschäfte nicht mehr ausführen. Daher übernahm im August Deng Xiaoping, der erst im Vorjahr auf dem 10. Kongress der KP Chinas von Zhou Enlai rehabilitiert und zu seinem Stellvertreter erklärt worden war, kommissarisch die Amtsgeschäfte. Ebenfalls in diesem Jahr begann die Kampagne gegen den 1971 verstorbenen Lin Biao und die Antikonfuziuskampagne.

Die portugiesische Kolonie Macao erlangte nach der Nelkenrevolution die Unabhängigkeit. Die Volksrepublik wollte jedoch die Verwaltung nicht übernehmen. Deswegen wurde Macao zu »chinesischem Territorium unter portugiesischer Verwaltung« .

Indien

In Indien gelang am 18. Mai der erste Atomwaffentest („Smiling Buddha“). Damit wurde das Land zur sechsten Atommacht.

Israel

Der formal noch nicht beendete Jom-Kippur-Krieg von 1973 bestimmte die Politik. Am 18. Januar 1974 wurde, von Henry Kissinger ausgehandelt, mit der ägyptischen Regierung ein Truppenentflechtungsabkommen geschlossen, und am 31. Mai eines mit der syrischen Regierung. Die zurückgetretene Golda Meïr übernahm im März nochmals provisorisch den Regierungsvorsitz, machte aber im April Jitzchak Rabin Platz. International hatte der Krieg ein arabisches Öl-Embargo für die Staaten, die mit Israel handelten, zur Folge.

Am 15. Mai wurden bei einem Blutbad palästinensischer Terroristen in einer nordisraelischen Schule 21 Kinder getötet.

Palästinenserbewegung

Die starke israelische Gegenwehr im